StartBewaffnungIWI liefert ARAD-Sturmgewehre an israelische Anti-Terror-Einheit

IWI liefert ARAD-Sturmgewehre an israelische Anti-Terror-Einheit

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Laut israelischen Pressemeldungen vom 17. November hat IWI (Israel Weapon Industries) eine Ausschreibung der israelischen Polizei über die Lieferung von ARAD-Sturmgewehren für die Antiterroreinheit der Polizei (YAMAM) gewonnen. Eine Bestätigung von offizieller Seite wird in den kommenden Tagen erwartet. In einem ersten Los sollen zunächst nur wenige Dutzend Gewehre geliefert werden.

Das aktuell geringe Volumen hat jedoch Potenzial für einen deutlich größeren Folgeauftrag. Hintergrund des IWI-Vertrages ist dem Vernehmen nach die große Langwaffenausschreibung für alle israelischen Polizeieinheiten. Bereits seit sechs Jahren wird der Versuch vorangetrieben, die Polizei mit neuen Gewehren auszustatten, bisher ohne Erfolg.

2019 war zuletzt eine erneute Ausschreibung der Polizei für eine Beschaffung von 8.000 Gewehren veröffentlicht worden. Ein Jahr zuvor war ein erster Tender über 15.000 Gewehre nach rund drei Jahren Laufzeit annulliert worden. Die israelische Waffenindustrie kritisierte damals öffentlich die unprofessionelle Durchführung des Vorgangs. Den Medienmitteilungen nach sah die damalige Ausschreibung vor, Produkte aus israelischer Produktion zu bevorzugen. Als Summe stehen bis heute 5 Millionen Dollar im Raum bzw. eine Kompensationszahlung von mehr als einer halben Million Dollar, sollte ein ausländischer Lieferant oder Importeur beteiligt werden.

Mit der aktuellen Beauftragung wird YAMAM gleichsam mit der Einsatzprüfung betraut, auf dessen Grundlage die Auswahl für die gesamte Polizei getroffen werden könnte. IWI indes wollte sich zur aktuellen Situation nicht öffentlich äußern.

IWI ARAD Foto IWI
Die ARAD wurde seit 2017 durch IWI und die SK Gruppe entwickelt und zusammen mit dem IWI Carmel erstmals auf der LAAD 2019 in Rio de Janeiro in Brasilien offiziell vorgestellt. (Foto: IWI)

Die YAMAM-Spezialeinheit

Bei YAMAM handelt es sich um eine paramilitärische Spezialeinheit der israelischen Grenzpolizei MAGAV. Sie ist am ehesten mit einer SWAT (Special Weapons and Tactics) Einheit zu vergleichen, oder in Deutschland mit der GSG9 der Bundespolizei. YAMAM wurde 1974 nach einer erfolglosen Geiselbefreiungsoperation aufgestellt. Hier ergeben sich geschichtliche Parallelen zur deutschen GSG9, die ebenfalls nach der misslungenen Geiselbefreiung bei den Olympischen Spielen in München aufgestellt wurde.

Der Einsatzschwerpunkt der YAMAN ist neben der Geiselbefreiung die Terrorismusbekämpfung. Zum Aufgabenspektrum gehören aber auch direkte Kampfeinsätze – in Abstimmung mit der Israel Defence Force (IDF) im „grenznahen Einsatzgebiet“ und außerhalb Israels, sowie der Personenschutz und verdeckte Einsätze. Eine offizielle Angabe zur Größe der Einheit gibt es nicht, Experten sprechen von rund 200 Mitgliedern.

Neben der YAMAM unterhält MAGAV noch die JAMAG (taktische Verbrechensbekämpfungs- und schnelle Eingreiftruppe) und die MATILA (nachrichtendienstliche Infiltrations- und Abwehreinheit). Zur Ausrüstung der Einheit sollen bisher u.a. die GLOCK 17 und GLOCK 19 als Pistolen, das Sturmgewehr IWI TAVOR TAR-21 im Kaliber 5,56 mm x 45 NATO, die Maschinenpistolen UZI, verschiedene Scharfschützengewehre – IMI Galil Galat’z, Mauser 86SR, M24 und Steyr SSG 69 – sowie die taktischen Flinten Remington 870 und Mossberg 500 gehören.

Das ARAD-Sturmgewehr

Das IWI ARAD Sturmgewehr ist für den Einsatz in der Infanterie, in Spezialeinheiten und in der Strafverfolgung konzipiert. Es handelt sich um ein Multi-Kaliber-Sturmgewehr – im Kaliber 5,56 mm x 45 und .300BLK – auf Basis des AR-15-Designs. Die Waffe wurde seit 2017 durch IWI und die SK Gruppe entwickelt und zusammen mit dem IWI Carmel erstmals auf der LAAD 2019 in Rio de Janeiro in Brasilien offiziell vorgestellt.

Die ARAD hat eine Gesamtlänge von 800 mm (Schulterstütze ausgezogen, 720 mm eingeschoben), wobei die Rohrlänge mit 292 mm angegeben wird. Das Gewicht ohne Zubehör liegt bei 2,85 kg und die Schussrate bei 700 bis 1.100 Schuss/Minute. Das IWI ARAD Sturmgewehr ist ein Gasdrucklader mit Kurzhubgestänge, sowie verstellbarer Gasabnahme. Der Gasregler ermöglicht zwei Einstellungen für den Betrieb mit und ohne Signaturreduzierer.

Das Gewehr ist mit einer durchgehenden oberen Picatinny-Schiene ausgestattet, die die Verwendung einer Vielzahl von Optiken und anderen Anbauteilen ermöglicht. Die Picatinny-Schiene ist ein integraler Bestandteil des oberen Gehäuses der ARAD. Darüber hinaus befinden sich MIL-STD 1913/M-LOK Aufnahmen an den Positionen 3, 6 und 9 Uhr entlang des Handschutzes. Die Waffe weist zudem eine Teleskopschulterstütze auf, die es dem Benutzer ermöglicht, die Länge individuell auf seine Bedürfnisse einzustellen.

Eines der Hauptmerkmale des modularen Aufbaus ist der Rohrwechsel auf Nutzerebene. Zudem verfügt die Waffe über beidseitig ausgeführte Bedienelemente. Die ARAD soll laut Hersteller eine minimale Wartung benötigen, die vor allem durch den Nutzer durchgeführt werden kann. Dadurch sollen die Instandhaltungs- und Lebenszykluskosten reduziert werden.

André Forkert