StartTaktik & AusbildungModernisierung im Grabenbau: vom Holzbalken zur Hightech-Nut

Modernisierung im Grabenbau: vom Holzbalken zur Hightech-Nut

Das Bundesheer in Österreich – vertreten durch die Theresianische Militärakademie und die 4. Panzergrenadierbrigade – absolvierte vom 16. bis 27. Juni 2025 auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig die Ausbildungsübung „Waldviertel 25“. Teil der Übung war der Grabenbau. Gleichzeitig wurde das neue und modulare Kunststoffgrabensystem der Firma Romold GmbH getestet. Ähnliche Systeme sind bereits in Deutschland installiert. Das modulare Kunststoffgrabensystem zeigte, dass es nicht nur im Ausbildungseinsatz überzeugt, sondern auch unter realistischen Gefechtsbedingungen – Erfahrungswerte aus Österreich ergänzen den deutschen Vorreiteransatz.

Scharfschießen mit dem PAR (Panzerabwehrrohr 66/79), der österreichischen Bezeichnung für die Carl Gustaf M3. Es ist ein tragbares und vielseitig verwendbares Waffensystem. In erster Linie wird es von Jägern und Panzergrenadieren zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen eingesetzt. Das System ist aber auch in der Lage, Bunker oder feindliche Truppen zu bekämpfen.
Scharfschießen mit dem PAR (Panzerabwehrrohr) 66/79, österreichische Bezeichnung für die Carl Gustaf M3. Es ist ein tragbares und vielseitig verwendbares Waffensystem. In erster Linie wird es von Jägern und Panzergrenadieren zur Bekämpfung von Panzerfahrzeugen eingesetzt. Das System ist aber auch in der Lage, Bunker oder feindliche Truppen zu bekämpfen. (Foto: Bundesheer)

An der Übung nahmen neben 1.850 Soldaten des Bundesheeres rund 250 Soldaten aus Deutschland, der Tschechischen Republik, Lettland, der Schweiz, Ungarn, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro teil. Die Ausbildungsübung „Waldviertel 25“ bietet den Truppenteilen eine Möglichkeit, um die militärische Landesverteidigung als Kernaufgabe des Österreichischen Bundesheeres im Sinne der „Mission vorwärts“ gemeinsam zu üben. Eine Besonderheit ist die Durchführung der Übung in hybrider Form. Das bedeutet, dass nur ein geringerer Teil der Kräfte draußen im Gelände ist, der Rest wird am Computer simuliert. So lässt sich kostengünstig auch die Führung von zahlenmäßig viel stärkeren Verbänden als tatsächlich vorhanden üben.

Kunststoffgräben im Einsatz

Der Schutz der eingesetzten Soldaten steht bei jeder militärischen Operation an erster Stelle – insbesondere dann, wenn es um statische Verteidigungsstellungen geht. Traditionelle Systeme aus Holz oder Wellblech bieten seit Jahrzehnten bewährten Schutz, bringen jedoch auch Nachteile mit sich: hoher logistischer Aufwand, lange Aufbauzeiten, laute Bauverfahren und geringe Wiederverwendbarkeit. Vor diesem Hintergrund wurde in Deutschland 2025 durch die Pionierschule in Ingolstadt erstmals ein serienreifer Kampfgraben aus Kunststoff – das sogenannte ROM-Trench-System – durch Reservisten des Pionierbataillon 905 (PiBtl 905) aus Ingolstadt erprobt.

Das Pionierbataillon 905 ist ein Ergänzungstruppenteil. Seine vier Kompanien sind in Ingolstadt, Holzminden und Gera stationiert. Es verstärkt die Fähigkeiten der Pioniertruppe bei der Landes- und Bündnisverteidigung. Das nicht-aktive Bataillon besteht ausschließlich aus Reservisten. Nun zeigt sich: Auch in Österreich ist das Interesse groß, das System fand im Juni anlässlich von „Waldviertel 25“ erstmals im Rahmen einer taktischen Gefechtsübung. Welche Bedeutung Schützengräben (wieder) haben, zeigt sich ganz aktuell in der Ukraine. Auf den „Lessons Learned“ aus der Analyse der Verteidigung der Ukraine bauen diese Übungen und die Nutzung des Schützengrabens jetzt auf.

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Österreich testet das System unter realitätsnahen Bedingungen

Im Zuge der mehrtägigen Übung, bei der ein Angriff auf heimisches Staatsgebiet im Rahmen der militärischen Landesverteidigung simuliert wurde, entschied sich die Übungsleitung bewusst dafür, auch ein innovatives Grabensystem zum Einsatz zu bringen. Die Entscheidung fiel auf das aus Deutschland stammende ROM-Trench-System, ein vormontierbares Kunststoffgrabensystem mit Metallrahmen, das in wenigen Stunden betriebsbereit ist. Ein Trupp von vier Offizieranwärtern der Militärakademie baute auf einem definierten Abschnitt der Übungsfläche eine etwa 18 Meter langen Laufgraben inklusive Kampfstand auf – innerhalb von drei Stunden.

Vergleich zwischen der alten, traditionellen Bauweise mit Holz, die arbeits- und zeitintensiv ist …
Vergleich zwischen der alten, traditionellen Bauweise mit Holz, die arbeits- und zeitintensiv ist … (Foto: Bundesheer)

„Die Zeitersparnis ist enorm. Was früher mindestens einen Tag dauerte, steht jetzt in kürzester Zeit einsatzbereit zur Verfügung“, erklärte ein Ausbilder des Akademikerbataillons. Von dieser Schnelligkeit des Bauens war auch der stellvertretende Generalstabschef Generalleutnant Bruno Hofbauer beeindruckt. Der zweithöchste Soldat Österreichs besuchte seine Truppe während der Übung und ließ sich dabei auch detailliert in das ROM-Trench-System einweisen.

Modular, leise, wieder verwendbar – ein System für den Grabenbau im 21. Jahrhundert

Der große Vorteil liegt in der modularen Bauweise: Die vormontierten Rahmenelemente aus Metall werden im Gelände aufgestellt und durch einfache Steckverbindungen mit den Kunststoffwand- und Deckenelementen verbunden. Geräusche durch Maschinen oder Werkzeuge sind nicht notwendig, die Bauteile lassen sich weitgehend lautlos montieren. Ein Umstand, der insbesondere im Einsatz unter gegnerischer Beobachtung lebensrettend sein kann. Dennoch ist ein Bagger beim Ausheben der Erde natürlich von Vorteil und spart ebenfalls enorm Zeit. „Gerade im Zeitalter flächendeckender Aufklärung durch Drohnen sind Lärm und Zeit entscheidende Faktoren. Wer heute zu lange oder zu laut gräbt, wird morgen nicht mehr kämpfen können“, brachte es ein Fähnrich auf den Punkt.

... und dem neuen, wieder verwertbaren ROM-Trench-System.
… und dem neuen, wieder verwertbaren ROM-Trench-System. (Foto: Bundesheer)

Der Kommandeur des Akademikerbataillons Oberst Fleischmann ergänzte, warum auch für ein neutrales Land wie Österreich Stellungssysteme wieder von Bedeutung sind: „Unsere Neutralität verpflichtet uns zur Fähigkeit zur Selbstverteidigung. Die geopolitische Lage hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Wir müssen davon ausgehen, dass klassische Landesverteidigung wieder mehr Gewicht bekommt – auch in Österreich. Dazu zählt auch der Stellungsbau. Er ist ein elementarer Bestandteil der taktischen Verteidigung und damit für jede infanteristische Einheit von Bedeutung. Dass wir nun ein System einsetzen können, das modern, effizient und taktisch sinnvoll ist, stärkt unsere Ausbildungs- und Einsatzfähigkeit erheblich.“

Stabilität bewiesen – auch bei Verfüllung und Dauerbelastung

Der während der Übung verbaute Kampfgraben wurde nicht nur errichtet, sondern auch unter realitätsnahen Bedingungen genutzt: er wurde mit Erdmaterial verfüllt, Soldaten bewegten sich darin mit voller Ausrüstung, es gab bewusst provozierte Belastungstests. Das System hielt. „Wir haben das Ganze regelrecht getestet. Kein Verbiegen, keine Setzungen. Das System wirkt robust und ist offenkundig für Mehrfachverwendung geeignet“, resümierte ein Stabswachtmeister des Truppenübungslatzes Allentsteig. Die durchgeführten Tests zeigen vor allem eins: Das Kunststoffsystem bringt klare Vorteile gegenüber den bislang genutzten Grabentypen.

Holzsysteme, die bisher oft in der Truppe zur Anwendung kamen, sind zwar bewährt, aber schwer, sperrig und verbrauchen Material, das meist nach der Nutzung entsorgt oder verbrannt wird. Ein Pionieroffizier, der vor Ort einen Holzunterstand baute und den Nachbarbauabschnitt aus Kunststoff beobachtete, schilderte: „Unsere bisherigen Systeme – vor allem Holz – erfordern viel Handarbeit, Zeit und Know-how. Die Kunststofflösung hingegen ist fast selbsterklärend. Nach kurzer Einschulung können auch Infanteristen den Aufbau übernehmen. Dadurch werden unsere Pionierkräfte entlastet, können mehrere Baustellen gleichzeitig betreuen oder an anderen Schwerpunkten eingesetzt werden. Im Ernstfall bringt uns das operative Vorteile.“

Zusammenarbeit zwischen Infanterie und Pionieren auf neuem Niveau

Ein weiterer Pluspunkt: Die Systemteile sind vollständig wieder verwendbar. Nach der Übung wurden sie gereinigt, eingelagert und stehen künftig erneut zur Verfügung. Ein nachhaltiger Ansatz – ökologisch wie wirtschaftlich sinnvoll. Ein bemerkenswerter Nebeneffekt: Die Zusammenarbeit zwischen Pionieren und Infanterieeinheiten wird durch das neue System erleichtert. „Früher waren wir als Pioniere oft tageweise an Ort und Stelle, weil der Einbau von Holzsystemen viel Fachkenntnis erforderte. Jetzt heben wir die Stellung aus, die Infanterie übernimmt, und wir ziehen weiter – das spart Zeit und gibt der Truppe mehr Eigenständigkeit“, erklärte ein Oberwachtmeister aus der Übungseinheit.

Diese Art von modularer Kooperation entspricht genau dem Ansatz der Auftragstaktik: Truppen handeln selbstständig im Rahmen des übergeordneten Plans – mit dem richtigen Werkzeug auch im Stellungsbau. Ergänzend bringt das werkzeuglose Klick- und Stecksystem – analog dem Lego-Prinzip – weitere Vorteile mit sich, gerade weil es durch Soldaten ohne bauliche Vorkenntnisse umgesetzt werden kann. Mit dem erfolgreichen Einbau und der intensiven Nutzung des Kunststoffgrabensystems im Rahmen einer taktischen Gefechtsübung zeigt das Österreichische Bundesheer: Moderne Verteidigung braucht moderne Mittel.

Der ROM-Trench überzeugte durch einfache Handhabung, hohe Stabilität, taktische Vorteile und nachhaltige Wiederverwendbarkeit. Was 2023 als Prototyp im deutschen Lehnin begann, ist nun auch in Österreich möglicherweise auf dem Weg zur truppenweiten Nutzung. Die positiven Rückmeldungen aus der Praxis und die konkreten Erfahrungswerte aus der Übung auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig legen nahe: Dieses System könnte bleiben – als Bestandteil moderner Landesverteidigung, auch in einem neutralen Staat.

André Forkert