Panzerabwehrdrohne – Nammo demonstriert Proof of Concept mit drohnengestützter M72

Waldemar Geiger

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Der norwegische Rüstungskonzern Nammo hat bekanntgegeben, dass er seit 2017 mit Unterstützung des norwegischen Defense Development Institute (FFI) an einem Konzept arbeitet, die leichte Panzerabwehrwaffe M72 drohnengestützt zum Einsatz zu bringen. Ziel ist die Entwicklung einer flexiblen und leistungsstarken Fahrzeug- oder Panzerabwehrwaffe, die aus der Ferne eingesetzt werden kann.

Eine kürzlich erfolgte Demonstration hat nach Angaben von Nammo erfolgsversprechende Ergebnisse geliefert. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge bereits mehrere Demonstrationen im scharfen Schuss erfolgte vor potentiellen Kunden, genannt werden die norwegischen Streitkräfte, durchgeführt. Nun solle in einer nächsten Phase das System weiter „verfeinert“ und „verbessert“ werden, teilt das Unternehmen weiter mit. Nammo geht davon aus, dass in den nächsten Jahren auch ein Qualifizierungsprozess in Zusammenarbeit mit potenziellen Kunden möglich ist. Auch wenn die einzelnen Komponenten – Drohne und Wirkmittel – bereits für sich alleine qualifiziert sind und sich im Einsatz befinden, wird das Gesamtsystem seitens des Unternehmens als Proof of Concept angesehen.

Die M72 ist eine leichte Einweg-Panzerabwehrwaffe im Kaliber 66 mm, die gegen eine Reihe von Zielen, wie beispielsweise gepanzerte Fahrzeugen, Personen und leichte befestigte Strukturen, eingesetzt werden kann. Die M72 ist qualifiziert und wird von einer Vielzahl von Streitkräften eingesetzt. Die Durchschlagsleistung, der für die Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen vorgesehenen Varianten der M72, wird seitens Nammo mit mindestens 450 mm Panzerstahl angegeben. Obwohl die Ursprünge der M72 in den frühen 1960er Jahren liegen, wurde die Waffe von mehreren Herstellern über die Jahrzehnte weiterentwickelt und wird bis heute produziert. Die als M72 EC LAW bezeichnete modernisierte Version verfügt über eine Montageschiene für eine Optik und ist durch die Verwendung von Karbon bei der Rohrherstellung mit 3,4 Kilogramm Gewicht überaus leicht und zugleich robust.

Während die meisten Varianten eine maximale effektive Reichweite von etwa 350 Metern haben, verspricht sich Nammo durch das neue Drohnenkonzept eine Vielzahl neuer Einsatzmöglichkeiten sowie wesentlich größere Reichweiten. „Mit der auf einer Drohne montierten M72 kann der Nutzer die Waffe in einer Weise zum Ziel bringen, die bisher nicht möglich war. Dies eröffnet sowohl eine „Top-Attack“-Option gegen stärker gepanzerte Ziele, sogar bis hin zu Kampfpanzern, als auch die Möglichkeit, den Schützen aus der Gefahrenzone zu halten“, wird Quoc Bao Diep, Nammos Vizepräsident für schultergestützte Systeme, in einer Unternehmensmitteilung zitiert.

Weitere Vorteile werden von Nammo in der Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit des Systems gesehen. So wird derzeit beispielsweise der Einsatz der M72 von kommerziell erhältlichen Drohnen untersucht. Der geringe Rückstoß der Waffe ließe einen Einsatz auch von solchen Systemen zu. Die Reichweite wäre dann aber aufgrund der Übertragungsreichweite des Live-Video-Feeds auf drei bis vier Kilometer begrenzt. Die Norweger geben jedoch an, mit verbesserten Signalstärken zu experimentieren, die im optimalen Fall eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern zulassen würden.

Auch an der Schwarmfähigkeit wird gearbeitet. Nammo geht davon aus, dass mittels eines gewissen Grades an Automatisierung die „Zahl der Bediener auf einem vernünftigen Niveau gehalten werden“ kann. Es ist zu vermuten, dass damit die Kontrolle von mehreren Drohnen durch einen Bediener gemeint ist.

Waldemar Geiger