StartStreitkräfteDänemark verschenkt komplette Artillerie an die Ukraine

Dänemark verschenkt komplette Artillerie an die Ukraine

Waldemar Geiger

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Die dänische Regierung hat beschlossen, die erst im Zulauf befindlichen 8×8-Radhaubitzen vom Typ CAESAR nicht weiter wie geplant in die dänischen Streitkräfte einzuführen, sondern alle bereits ausgelieferten und noch anstehenden Systeme an die Ukraine zu spenden. Dies geht aus einer gestern veröffentlichen Meldung der dänischen Regierung hervor.

Nachdem die dänischen Streitkräfte bei der Ausrichtung des dänischen Heeres auf Einsätze im Rahmen von internationalen Stabilisierungsoperationen quasi die kompletten Fähigkeiten im Bereich der Rohrartillerie aufgegeben und die Panzerhaubitzen vom Typ M109A3 außer Dienst gestellt hatten, wurde nach der Annexion der Krim und dem Krieg im Donbass Mitte der 2010er Jahre beschlossen, die Befähigung der dänischen Streitkräfte zur Landes- und Bündnisverteidigung wieder aufzubauen. Es wurde zum Ziel erklärt, eine mechanisierte Brigade mit organischer Steilfeuerkomponente in Form von Rohrartillerie kriegstüchtig zu machen. Mitte 2017 wurde mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter ein Vertrag über die Lieferung von insgesamt 15 Radhaubitzen des Typs CAESAR auf einer 8×8-Radplattform von Tatra geschlossen, welche bis 2020 ausgeliefert werden sollten, deren Auslieferung aber dem Vernehmen nach bis heute hinzieht. Später wurde der Vertrag auf insgesamt 19 Systeme ausgeweitet, mit einem Lieferzeitpunkt Mitte der 2020er Jahre.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf überrascht die Abgabe aller Systeme an die Ukraine aus mehreren Gründen: Zum einen befindet sich die dänische Artilleriefähigkeit erst wieder im Aufbau. Bis zum Zulauf neuer Ersatzsysteme werden die dänischen Artilleristen über keine Haubitzen verfügen und die dänischen Streitkräfte streng genommen nicht in der Lage sein, das Gefecht der verbundenen Waffen zu üben oder im Kriegsfall zu führen.

Zum anderen deutet die Abgabe aller ausgelieferten und erst in den kommenden Jahren noch zulaufenden CAESAR- Systeme darauf hin, dass die dänischen Streitkräfte unzufrieden mit der Radhaubitze sind. Dies wird zudem dadurch bekräftigt, dass in der Mitteilung der dänischen Streitkräfte von technischen Problemen mit der CAESAR gesprochen wird. „Es gibt noch technische Probleme mit dem System, die gelöst werden müssen, aber die Ukraine hat die Artillerie trotzdem angefordert“, heißt es dazu in der Mitteilung.

Zudem weisen die Dänen darauf hin, dass schnellstmöglich ein neues Artilleriesystem beschafft werden soll, ohne dieses weiter zu spezifizieren oder explizit darauf hinzuweisen, dass die abgegebenen CAESAR eins zu eins nachbeschafft werden sollen. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Der Passus „Politische Bemühungen sind im Gange, um neue Feuerunterstützungsfähigkeiten als Ersatz zu beschaffen“, deutet eher darauf hin, dass möglichst schnell Nachfolgesysteme in Form eines Geschäfts von Regierung zu Regierung zulaufen sollen. Dies deutet darauf hin, dass die Dänen sich entweder um modernere M109 aus den Beständen der US-Streitkräfte, K9 aus Südkorea oder Radhaubitzen des Typs ATMOS aus Israel bemühen. Andere Haubitzen, egal ob Rad oder Kette, dürften derzeit kaum in der Kürze der Zeit lieferbar sein.

Waldemar Geiger