StartBewaffnung„Wir sehen einen hohen Bedarf an hochwertigen Zieloptiken“

„Wir sehen einen hohen Bedarf an hochwertigen Zieloptiken“

Interview mit Christoph Weigler, Vice President of Sales & Marketing bei Steiner Optik

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Mit der Auswahl der M5Xi 5-25×56 von Steiner Optik als neue Scharfschützenoptik der deutschen Spezialkräfte im Jahre 2017 hat der Bayreuther Traditionshersteller auf Anhieb einen Markterfolg erzielt, welcher seitdem stetig ausgebaut werden konnte. Die M5Xi 5-25×56 wurde seitdem als querschnittliche Scharfschützenoptik in die Bundeswehr eingeführt und hat international und national weitere Erfolge bei Spezialkräften von Polizeien und Streitkräften erzielt. Soldat & Technik sprach mit Christoph Weigler, Vice President of Sales & Marketing bei Steiner Optik, über die Erfolge des M5Xi sowie Potenziale von digitalen Hybridoptiken.

S&T: Mit den deutschen Spezialkräften konnte Steiner den Pilotkunden für das M5Xi 5-25×56 Zielfernrohr gewinnen. Können Sie einen Einblick in den aktuellen Nutzerkreis geben?

Weigler: Die Referenz „Kommando Spezialkräfte“ war und ist natürlich für die Marke Steiner ein Meilenstein. Im Heimatmarkt Deutschland, wo man sich einem maximalen Wettbewerb zum einen und hohen Qualitätsansprüchen seitens der Anwender zum anderen stellen darf, ist dies umso bemerkenswerter.

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Dieser Erfolg, aber auch der Weg dorthin, hat die Marke und die Firma Steiner im Bereich der militärischen Zieloptik ohne jeden Zweifel in den Kreis der High-End Anbieter gebracht.

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Die Auswahl der M5Xi 5-25×56 Optik für das G29 Scharfschützengewehr der deutschen Spezialkräfte bildete die Basis für den internationalen Markterfolg der Zieloptik. (Foto: Bundeswehr / Jana Neumann)

Viel wichtiger als ein Vertrag ist für Steiner jedoch immer, dass das in der Papierlage gegebene Versprechen auch nachhaltig geliefert wird.

Dies ist uns sehr gut gelungen und somit konnten wir das M5Xi 5-25×56 auch bei weiteren Scharfschützensystemen der Bundeswehr in Dienst stellen.

Heute ist Steiner mit dem M5Xi 5-25×56 auch bei der GSG 9 und diversen SEK-Einheiten in Deutschland im Einsatz.

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Die Steineroptik M5Xi 5-25×56 ist auch bei der GSG 9 – im Bild ein Scharfschütze der GSG 9 – und diversen SEK-Einheiten in Deutschland im Einsatz. (Foto: Bundespolizei)

In Europa konnten wir z.B. einen sehr wichtigen Tender mit der französischen Armee gewinnen, wo seit 2019 nun ebenfalls das M5Xi 5-25×56, aber auch das M7Xi 2,9-20×50 zum Einsatz kommt.

In Finnland konnten wir im Jahre 2021 einen sehr anspruchsvollen Tender für uns entscheiden, wo nun die M7Xi Modelle 2,9-20×50 und auch die Variante 4-28×56 in Dienst gestellt wurde, und seit diesem Jahr dürfen wir auch die norwegische Armee zu unseren Kunden zählen.

Die italienischen Streitkräfte vertrauen dem neuen M8Xi 1-8×24 mit Absehen in der ersten und zweiten Bildebene, als ideale Lösung für deren DMR-Schützen.

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Auch auf dem internationalen Markt, wie beispielsweise beim neuen estnischen Scharfschützensystem, konnte sich die M5Xi 5-25×56 von Steiner durchsetzen. (Foto: Sako)

Das sind nur einige Beispiele und es gibt weitere Erfolge für Steiner in Griechenland, Ungarn, Estland, nur um einige unsere Erfolge der letzten 5 Jahre in Europa zu nennen. Dazu kommen noch Nutzer außerhalb Europas, wie beispielsweise aus den USA, Kanada, Indien oder Japan etc.

S&T: Sehen Sie den Markt damit als gesättigt an oder gibt es noch Perspektiven?

Weigler: Der Markt ist auf keinen Fall gesättigt. Wir sehen hier sowohl innerhalb von Streitkräften aber auch bei den Counter Terror Einheiten der Polizei nach wie vor hohen Bedarf an hochwertigen Zieloptiken. Steiner ist mit seinem Produktmix sehr gut für die aktuellen Anforderungen gerüstet und hat sein Portfolio zuletzt mit dem M8xi 1-8×24 mit Absehen in der ersten und zweiten Bildebene ausgebaut. So sind wir nun auch auf dem Bereich der DMR-Optiken bestens aufgestellt.

Als Optikspezialist haben wir uns zudem in den Kategorien Kampfvisierung mit fester Vergrößerung und ballistischem Absehen sehr gut etabliert und konnten auch mit dem Rotpunktvisier MPS Akzente setzen.

Da wir uns seit jeher auf den Behördenbereich konzentrieren und uns als verlässlicher Partner einen sehr guten Namen gemacht haben, sehen wir hohe Chancen, einige dieser Bedarfe für uns entscheiden zu können.

S&T: Mit dem M7Xi IFS hat Steiner nur wenige Jahre später ein Zielfernrohrfamilie auf den Markt gebracht, die auch über Fähigkeiten im Bereich der Dateneinspiegelung und Connectivity verfügt. Wie sieht das Marktinteresse auf diesem Gebiet aus?

Weigler: Steiner ist aktuell der einzige Anbieter eines militärischen ZF mit Datenspiegelung, Connectivity und einer ballistischen Lösung, der ein fertiges und funktionsfähiges Produkt auf Einsatzniveau anbieten kann.

Das Marktinteresse ist sehr groß und die Interessen bzw. Anwendungsoptionen sehr breit gefächert.

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Das Steiner M7Xi 4-28 x 56 IFS stellt im Display relevante Informationen wie die Entfernung bereit. (Foto: Jan-Phillipp Weisswange)

Die im Steiner IFS verbaute Technik bietet sowohl dem top ausgebildeten Scharfschützen viele hilfreiche Features (z.B. Anzeige der Turmstellung in Echtzeit im Sehfeld, ein künstlicher Horizont zur Verkantungsanzeige, oder individuell nutzbare Informationsfelder). Durch die einfache Handhabung und Vielseitigkeit ist es aber ebenfalls geeignet, Anwender mit durchschnittlichem oder gar niedrigem Ausbildungsniveau mit sehr geringem Trainingsaufwand und geringen Kosten schnell auf ein überdurchschnittliches Leistungslevel zu bekommen.

Das heißt, dass mit Einsatz des IFS eine Befähigungslücke sehr kurzfristig geschlossen werden kann.

Es ersetzt aber nicht den ausgebildeten Scharfschützen, welcher über deutlich mehr Fähigkeiten verfügt als den präzisen Schuss auf weite Distanzen! Trotzdem, wenn man sich vor Augen führt, dass nach rund eineinhalb Jahren Ukraine-Krieg sich zwei Armeen gegenüberstehen, die zu einem hohen Teil aus mobilisierten Kräften bestehen, versteht man vielleicht, welches Potenzial so eine Optik bietet.

Mit diesem Produkt ist es uns ebenfalls gelungen, mit wichtigen Partnern der Industrie, wie z.B. FN Herstal mit dem Elity, Kestrel, Wilcox Raptar und diverse Produkte aus der Safran Vectronix Familie zu kooperieren und so dem Systemgedanken gerecht zu werden.

S&T: Bis auf die U.S. Army mit dem NGSW-Programm gibt es kaum nennenswerte öffentlich bekannte Programme für digitale Optiken. Kennen Sie die Gründe dafür?

Weigler: Es gibt sehr viele Programme zu diesem Thema, aber noch wenige konkrete Beschaffungen, da teilweise die Einsatzszenarien noch nicht klar sind.

Der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln bietet mannigfaltige Optionen, aber eine Beschaffung ist nur nach entsprechender Testphase möglich.

Wir sind mit dem IFS bereits erfolgreich bei verschiedenen Einheiten im Einsatz und wir konnten so das IFS auch weiter optimieren. Diese Optimierungen fließen auch in jedes bestehende IFS ein und werden durch ein Softwareupdate über die App aktiviert. Hier sieht man auch, welches Potenzial in einer solchen modernen Optik steckt. Diese kann mittels einfacher Softwareupdates praktisch stetig kampfwertgesteigert werden. Dies ist mit klassischen Optiken nicht möglich.

Steiner hat sich aber bewusst für die Lösung einer Hybridoptiken entschieden, da diese über redundante Qualitäten verfügt. Sie kann gleichermaßen mit und ohne Elektronik genutzt werden können.

S&T: Die Zieloptik ist nur eines von mehreren optischen Geräten im Scharfschützenwesen, wie ist Steiner in diesem Bereich abseits der M5Xi-Optikfamilie aufgestellt?

Weigler: Unser Portfolio im Scharfschützenwesen besteht aus folgenden Produkten:

  • M5Xi 5-25×56
  • M7Xi 2,9-20×50
  • M7Xi 4-28×56
  • M8Xi 1-8×24
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Frankreich hat das Steiner Modell M7Xi 2,9-20 x 50 LPF MSR2 für die halbautomatischen Scharfschützengewehre vom Typ HK417 und FN SCAR HPR beschafft. (Foto: Armée de Terre / P. Gilles)

Unser Portfolio der Scharfschützen-Zielfernrohre wird ergänzt durch unsere militärischen Ferngläser und die daraus abgeleiteten Laserentfernungsmesser. Hier bieten wir eine Standard-Version an, die mit einem 905nm Laser bis etwa zwei Kilometer misst und in der 8×30 und 10×50 Variante erhältlich ist.

Unser Flaggschiff war in dem Bereich lange Zeit unser M830r LRF 1535nm, der als kompaktes handgehaltenes Fernglas problemlos bis sechs Kilometer misst und dank eines Bluetooth Adapters diese Daten auch an externe Geräte, wie z-B. das IFS oder einen Kestrel senden kann.

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Die Scharfschützen der australischen Streitkräfte werden in naher Zukunft ein neues Zubehörpaket, darunter auch ein LRF von Steiner, erhalten. (Foto: MoD Australia)

Seit diesem Jahr wird dieses Modell durch eine nahezu identisch aussehende Variante mit weiteren Zusatzfunktionen ergänzt. Der neue M830rc X LRF 1535nm ist ein handgehaltenes Fernglas mit einem 1535nm Laser, der Ziele auf zehn Kilometer und mehr messen kann. Ein verbauter Kompass und Neigungssensor sind Features, die in Verbindung mit einem Navigationsgerät nun auch die Koordinate des angemessenen Objektes liefert. Auch hier gibt es selbstverständlich die Option der Datenübertragung an externe Geräte.

S&T: Die wichtigste Frage zum Schluss: Welches Absehen ist das beste und wieso?

Weigler: Wir sind kein Hersteller von Strichplatten. Wir können aber unsere Kunden vollumfänglich bei der Umsetzung ihrer Idealvorstellung unterstützen.

Das beste Absehen ist das, mit dem der Kunde unter schwierigen Bedingungen und unter Stress in der Lage ist, die an ihn gestellten Aufgaben schnell und zuverlässig zu erfüllen.

Die Fragen stellte Waldemar Geiger.