StartMobilitätSignifikante Änderungen in US-Hubschrauberplanungen

Signifikante Änderungen in US-Hubschrauberplanungen

Andre Forkert

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Die U.S. Army beendet ihre Planungen zur Entwicklung eines neuen bewaffneten Aufklärungshubschraubers. Dieses Projekt ist unter der Bezeichnung Future Attack Reconnaissance Aircraft (FARA) bekannt. Damit leitet die U.S. Army einen abrupten Richtungswechsel ein.

Das FARA-Projekt wurde 2018 als eines der wichtigsten zukünftigen Beschaffungsvorhaben der U.S. Army gestartet. Die Führung wollte dieses Projekt auch als Blaupause für alle zukünftigen Anschaffungen von komplexen und teuren Waffensystemen nutzen. Ziel war es, dass die beiden geplanten Prototypen in 2024 fliegen sollten. Dazu hatten Bell Trextron und Lockheed Martin/Sikorsky entsprechende Entwicklungsaufträge erhalten. (S&T berichtete). Damals schied z.B. ein weiterer Entwurf von Boeing aus.

FARA sollte vor allem aber nach einer jahrzehntelangen Verzögerung und einer entsprechenden Fähigkeitslücke die neue und seit langem benötigte bewaffnete Aufklärungslösung liefern. Eine kritische Lücke der U.S. Army entstand im Bereich einer leichten Angriffs- und Aufklärungsfähigkeit durch die Ausphasung der Bell OH-58D Kiowa Warrior in 2012. Seitdem mussten die AH-64 Apache diese Fähigkeiten mit übernehmen.

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Aus für das FARA-Projekt. (Grafik: Lockheed Martin)Laut einem entsprechenden Haushaltsdokument haben die Streitkräfte bisher mindestens $ 2 Milliarden ausgegeben. Weitere $ 5 Milliarden würden in den kommenden fünf Jahren benötigt.

Die U.S. Army hatte bereits zwei Vorläufer-Programme von FARA eingestellt. Im Jahr 2008 das Comanche-Projekt, in das bis dahin rund neun Milliarden für die beiden Prototypen geflossen waren. Danach setzte man auf eine Commercial-of-the-Shelf-Lösung, die jedoch die Anforderungen nicht erfüllen konnte.

Am 8. Februar 2024 nun das Aus für das FARA-Programm. Damit einher geht eine umfassende Neuorientierung im Bereich „Luft“ der U.S. Army. Denn neben der Einstellung des FARA-Projektes gab es eine ganze Reihe weiterer Entscheidungen. So werden die gesamte Flotte der unbemannten Systeme AAI RQ-7 Shadow und Aerovironment RQ-11 Raven abgeschafft.

Die Shadow-Drohne hat eine Länge von 3,4 m, eine Spannweite von 3,9 m bei einem betankten Gewicht von 154 kg. Die Reichweite wird mit 50 km und die Nutzlast mit 27 kg angegeben. Die Aerovironment RQ-11 Raven ist eine unbemannte, kleine Flugdrohne für die taktische Gefechtsaufklärung in urbaner Umgebung. Die Drohne ist 1,13 m lang und wird durch einen Elektromotor angetrieben. Die Reichweite liegt bei rund zehn Kilometern.

Auch wird die National Guard nicht weiter das Victor-Modell als Ersatz für die UH-60L (Lima) Black Hawk erhalten. Stattdessen werden diese jetzt mit der UH-60 M (Mike)-Variante ausgestattet. Diese wird bereits auch in der aktiven Truppe genutzt. Mit den Entscheidungen einher geht auch die Verzögerung für eine Beschaffung eines neuen universellen Hubschraubermotors der nächsten Generation. Dieser sollte laut bisherigen Planungen in allen Sikorsky UH-60 Black Hawk, Boeing AH-64 Apache Kampfhubschraubern sowie bei FARA genutzt werden.

Das bisher geplante Budget für diese Projekte wird nun umgeschichtet und stattdessen für weitere UH-60 Black Hawks, weitere Boeing CH-47F Block II Chinook sowie das zukünftige Langstrecken-Angriffsflugzeug und andere Forschungs- und Technologievorhaben gesteckt.

Als Ersatz für FARA wollen die Streitkräfte jetzt vor allem auf unbemannte Flugzeuge und Sensoren zurückgreifen. Dies sei auch eine Lesson Learned aus dem Krieg gegen die Ukraine, so die U.S. Army in ihrem Statement. Die U.S. Army hat allein einen aktiven Bestand von 575 Shadows und 19.000 Ravens.

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Eine RQ-7 Shadow-Drohne hebt während eines Trainingsfluges in Volk Field, Wisconsin, ab. (Vaughn R. Larson/US Army)Das große und parallele Projekt Future Long Range Assault Aircraft (FLRAA) wird hingegen weiterhin vorangetrieben, so geht es aus einer Erklärung der U.S. Army hervor. Bell Textron hatte Ende 2022 den Auftrag erhalten, dafür sein Tiltrotorflugzeug V-280 bereitzustellen. Bis 2030 soll hier die erste einsatzbereite Einheit aufgestellt sein.

Parallel soll es nun einen neuen und mehrjährigen Vertrag zur Beschaffung von UH-60M ab dem Geschäftsjahr 26 geben, ebenso für die CH-47F Block II Chinook. Eigentlich sollten für den CH-47 Transporthubschrauber keine Mittel mehr bereitstehen. Jetzt die Kehrtwenden, die auch für Deutschland von Bedeutung ist. Denn auch die Bundeswehr hat sich für dieses Modell entschieden. Die US-Entscheidung bedeutet nun eine Vollproduktion bei Boeing mit entsprechenden Synergien und Weiterentwicklungspotential.

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UH-60V. (Foto: U.S. Army)

Hingegen werden die Investitionen beim UH-60V (Victor) zugunsten des UH-60M eingeschränkt. Victor besitzt bereits ein modernes digitales Cockpit und weitere Verbesserungen. Die erste Maschine wurde im Juli 2021 an die National Guard ausgeliefert. Das Programm verzeichnet jedoch eine Kostenexplosion.

Andre Forkert