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Slowenien präsentiert seine Modernisierungsvorhaben

Andre Forkert

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Diese Woche veranstaltete das slowenische Verteidigungsministerium im Beisein von Verteidigungsminister Marjan Šarec eine hausinterne Messe, um die vom Ministerium unterstützten Modernisierungs- und Entwicklungsprojekte (F&E) hervorzuheben. In der Edvard-Peperk-Kaserne wurden insgesamt 19 Projekte im Verteidigungsbereich präsentiert, die von neun slowenischen High-Tech-Unternehmen entwickelt werden.

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(Foto: Slowenisches Verteidigungsministerium)

Verteidigungsminister Šarec wies darauf hin, dass sich die slowenische Armee in einer Phase dringender Modernisierung befinde. Er betonte die Bedeutung von Investitionen in Forschung und Entwicklung, insbesondere in die eigene Verteidigungsindustrie. Daher brachte das Ministerium anlässlich der Veranstaltung auch Militär- und Industrievertreter zusammen. „Wir werden nie die Größten sein und wir werden uns nicht wie andere viele Serienproduktionen leisten können, aber wir können zu den technologisch Fortschrittlichsten gehören. Und das sind wir“, betonte Šarec.

Er glaubt, dass Forschung und Entwicklung sowie eigene Ausrüstung, Rüstung und Technologie nicht nur eine Frage des Geldes sind, sondern eine Frage der Unabhängigkeit und des Patriotismus ist. Er betonte, dass sowohl Slowenien als auch Europa trotz etwas höherer Kosten dringend eine eigene Industrie entwickeln müssen, denn „wenn Stürme kommen, ist es wichtig, über eigene Ausrüstung zu verfügen“.

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23 Millionen Euro in diesem Jahr

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Ab 2022 erhöht das Ministerium die Mittel für Forschung und Entwicklung deutlich. So sagte der Verteidigungsminister: „Wir haben zwei Millionen für F&E im Jahr 2022, knapp zwölf Millionen im Jahr 2023, 23 Millionen in diesem Jahr und 23,5 Millionen im nächsten Jahr. Das bedeutet, dass F&E ganz oben auf unserer Agenda steht. Die Wertschöpfung, ist in dieser Branche extrem hoch, viel höher als in anderen Branchen.“

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Verteidigungsminister Marjan Šarec bei seiner Ansprache. (Foto: Slowenisches Verteidigungsministerium)

Der Kommandeur der 1. Brigade, Oberst Gregor Vodep, ergänzte: „Ich glaube, dass die Veranstaltung unsere Zusammenarbeit beschleunigen kann, dass Forschungs- und Entwicklungsprojekte noch erfolgreicher werden und ihr Ziel erreichen werden. Dabei handelt es sich um inländisches Know-how und inländische Produktion, integriert in moderne Waffensysteme, die die slowenische Armee betreibt.“

Und der Generaldirektor der Logistikdirektion des Ministeriums, Željko Kralj, erklärte, es sei entscheidend, dass sich slowenische Unternehmen mit großem Erfolg bei der Entwicklung von Waffensystemen und ferngesteuerten Waffenstationen, insbesondere für die deutsche Verteidigungsindustrie, durchsetzen konnten. In seiner Präsentation hob Kralj das Projekt Mangart 25 hervor. Dabei handelt es sich um den Turm für ein Flugabwehrsystem des Herstellers Valhalla auf dem JLTV-Fahrzeug. „Es geht um Flugabwehr, und ein solches System gibt es derzeit weltweit nicht“, betonte Kralj.

Auch der Simulationsexperte Guardiaris zeigte einige seiner Lösungen. Unter anderem den Modular Joint Light Tactical Vehicle Crew Trainer, ein anpassbarer Trainingssimulator für Fahrzeuge und ferngesteuerte Waffenstationen für vier Besatzungsmitglieder: Fahrer, Schütze, Kommandant, vierter Bediener. Der Simulator ist eine mechanische, funktionale und prozedurale digitale Nachbildung des tatsächlichen Innenraums des JLTV 4×4-Fahrzeugs auf einer Bewegungsplattform mit sechs Freiheitsgraden. Auch eine Simulation für abgesessene Kräfte wurde vor Ort gezeigt.

Weitere Projekte waren das ultraleichte Luftfahrzeug OK-BLS zur Aufklärung und Wirkung (mit Raketen) mit einem fortschrittlichen Gimbal von Timetec Defence, oder das Strix-Elektromotorrad für Spezialkräfte. Strix eMotors d.o.o. hat sein Elektromotorrad für die härtesten Einsätze ausgelegt. Genau vor zwei Jahren wurde der Demonstrator erstmals auf der Eurosatory in Paris präsentiert. Dieses Jahr ist das Serienmodell verfügbar. Und das Bike ist schon bei etlichen Einheiten – hier vor allem Spezialkräfte und Fernspäher – in Nutzung. Unter anderem auch in Slowenien.

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Strix-Elektromotorrad am Heck des JLTV, hier auf der Eurosatory. (Foto: AF)

Doch Elektromotorräder gibt es bereits einige am Markt, was unterscheidet das Strix von diesen? Es fährt wie die anderen ebenfalls rein elektrisch mit einem gekapselten und damit wasserdichten Antrieb. Auch die Wartung bei solchen Motorrädern ist im Vergleich zu den Verbrennern sehr gering. Strix hat aber bereits eine NATO-Versorgungsnummer, und kann so einfach und schnell von allen NATO-Ländern aus dem Warenkorb der NATO gekauft werden. Das Fahrzeug wird komplett in Slowenien gefertigt, keine Teile aus Fernost. Und damit auch keine Abhängigkeiten.

Das Fahrzeug bietet eine Leistung von 70 kW oder 95 PS bei einem Eigengewicht von 118 Kilogramm. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 125 km/h, und die Batterie erlaubt einen Betrieb von bis zu 80 Minuten (100 bis 120 Kilometer Reichweite). Die Nutzlast wird mit 150 Kilogramm angegeben. Der Hersteller besteht aber darauf, dass das Strix vor allem ein Elektro-Hard-Enduro-Bike ist, also für schwere Lasten und schweres Gelände zu nutzen ist. Das liegt unter anderem am höchstzugfähigen und nicht spröden CrMo-Rahmen.

Hinzu kommt der proprietäre Elektromotor mit Innenrotor. Dies garantiert einen geringen Wartungsaufwand, da keine Teile dem Schmutz der Umgebung ausgesetzt sind. Der kompakte Motor mit maximal 8.000 Umdrehungen pro Minute ermöglicht eine niedrigere Gangschaltung und geringere Trägheitsmassen der rotierenden Teile, was zu einem direkteren Ansprechverhalten des Fahrrads führt. Die Batterie mit einer Kapazität von 6,3 kWh ist schnell wechselbar, was eine noch größere Reichweite ermöglicht. Zehn-Minuten-Schnellladung von 20 auf 80 Prozent mit CCS-Automobilstandardstation ist sowohl bei eingelegter als auch bei entnommener Batterie möglich. Eine Aufladung über eine Standrad-Steckdose benötigt rund 75 Minuten.

Strix hat zum Beispiel für den JLTV 4×4 eine entsprechende Halterung für das Elektromotorrad entwickelt. Im Mitnahmetransport wird die Batterie des Motorrads in der Halterung automatisch durch den JLTV aufgeladen. So ist das Bike immer einsatzbereit. Der individuelle Fahrstil kann in Sekundenschnelle durch verschiedene, vorprogrammierte Fahrmodi über das intelligente Dashboard und die Strix-App eingestellt werden. So stehen zum Beispiel Stealth (Lautlos und minimale Wärmeabstrahlung), Walkmode, ECO (Strom sparen), Rearmode oder Sport zur Verfügung.

Sport bedeutet die Maximalleistung aus dem Bike zu holen, zum Beispiel um sich schnell vom Feind zu lösen. Der Rearmode wird dann genutzt, wenn aus dem Motorrad ein Schneemobil wird. Das Vorderrad wird dann durch einen Ski, das Hinterrad gegen einen Raupenantrieb ersetzt. So können die Spezialkräfte das Fahrzeug ganzjährig nutzen. Der Hersteller konfiguriert das Bike ganz nach Kundenwünschen, auch was Taschen, Waffenbehälter, Aufnahmen für Munitionskisten oder andere Ausrüstung angeht. Der entscheidende Unterschied ist aber sicherlich die Robustheit.

Andre Forkert