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In den letzten Jahren haben sich in der Presse die Meldungen gehäuft, in denen bemängelt wurde, dass bei wehrtechnischen Projekten – u.a. auch bei Panzerentwicklungen – in vielen Fällen die ursprünglich geplante Entwicklungszeit in erheblichem Maße überschritten wurde. Dieses Phänomen ist nicht ein Merkmal der letzten Jahre, sondern ist bereits vor über 50 Jahren auch bei entsprechenden Rüstungsprojekten in der Anfangszeit der Bundeswehr, darunter auch bei der Entwicklung des Luftlande-Waffenträger (LLWaTrg) Wiesel 1, aufgetreten.

blankDie militärischen Forderungen für einen in der CH-53 lufttransportierbaren Waffenträger wurden im Frühjahr 1973 erlassen. Sie enthielten die anspruchsvollen Vorgaben, dass in dem relativ kleinen Laderaum der CH-53 (Breite: 2,29 m, Höhe: 1,98 m) zwei Fahrzeuge transportiert werden müssen. Dies limitierte das Fahrzeuggewicht auf 2,75 t. Somit waren für die Konstruktion extreme Kompaktheit und konsequenter Leichtbau angesagt. In einer ersten Ausschreibungsrunde haben sich fünf Firmen beworben (Faun, GST, IBH, Porsche, Rheinstahl). Davon wurde am Ende das Porsche-Konzept als Sieger ausgewählt. Bereits ein Jahr später (1974) wurde der Entwicklungsvertrag einschließlich des Baus von fünf Prototypen abgeschlossen. Ab 1976 waren die Prototypen produziert und es erfolgten in den kommenden zwei Jahren Erprobung und Truppenversuch. Überraschenderweise mussten im Sommer 1978 auf Weisung des Bundesministeriums der Verteidigung alle Projektarbeiten eingestellt werden, da dringend Haushaltsmittel zur vorrangigen Finanzierung des NATO-Vorhabens AWACS benötigt wurden.

Da der Bedarfsträger in der Folgezeit auf die Einführung eines LLWaTrg drängte, wurden die Arbeiten Mitte 1981 mit einer erneuten Marktsichtung wieder aufgenommen. In der Folgezeit litt der Programmfortschritt nochmals wegen heftiger Streitigkeiten zwischen zwei Bewerbern auf der Industrieseite. Daher konnte erst im Jahr 1985 der Entwicklungsvertrag mit der Firma Porsche abgeschlossen werden, der auch den Bau von vier Prototypen beinhaltete. Die restlichen Entwicklungsarbeiten inklusive Erprobung und Truppenversuch verliefen erstaunlich zügig, so dass im Jahr 1988 nach Abschluss des Beschaffungsvertrages mit MaK bereits zwei Jahre später die ersten Fahrzeuge an die Truppe übergeben werden konnten.

Rolf Hilmes