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Das aus Boeing und Lockheed Martin/Sikorsky bestehende Konsortium hat mit dem DEFIANT X gestern seine Lösung für das Future Long-Range Assault Aircraft (FLRAA)-Programm der U.S. Army vorgestellt. Die US-Streitkräfte beabsichtigen mit diesem Programm, beginnend ab 2030 die Blackhawk-Hubschrauberflotte der Army zu ersetzen.

Nach Angaben der Hersteller ist DEFIANT X (zu Deutsch: Keck, trotzig oder aufmüpfig) ein sehr wendiges, manövrierfähiges Waffensystem, das im Vergleich zum Blackhawk über die doppelte Reichweite und Geschwindigkeit verfügen soll. Die Größe des neuen Hubschraubers soll dem des Blackhawks entsprechen. Die Maschine soll daher abgestützt auf die derzeitige Infrastruktur genutzt werden können.

Das Herstellerteam verweist auf die enorme Erfahrung und Expertise, die hier zusammenkommen. Schließlich haben beide Unternehmen kumuliert über 90 Prozent der Hubschrauber hergestellt, die in der U.S. Army in Nutzung sind. Die beiden Hersteller versprechen, dass der DEFIANT X in den Bereichen Missionssysteme, Ausbildung und Instandhaltung die Art und Weise revolutionieren werde, wie die U.S. Army ihren Bedrohungen im Jahr 2035 und darüber hinaus begegnet.

Der jetzt vorgestellte Hubschrauber ist praktisch eine optimierte Version des Koaxialtechnologie-Demonstrators SB-1 DEFIANT. Das modifizierte Luftfahrzeug wird DEFIANT X genannt und trägt damit den gleichen Nachnamen wie der kleine Bruder RAIDER X, den Lockheed/Sikorsky für den anderen Hubschrauberwettbewerb der U.S. Army eingereicht haben, das Future Attack Reconnaissance Aircraft (FARA)-Programm. Dieses läuft parallel. Beide Maschinen bauen auf dem X2-Demonstrator von Sikorsky auf, der 2008 zum ersten Mal geflogen ist. Sowohl FLRAA und FARA sollen ab 2030 zulaufen.

Die jetzt vorgenommenen Änderungen am Design, im Vergleich zu den ursprünglichen Demonstratoren, sind das Ergebnis von rund 1.500 Stunden an Algorithmen-Tests im Systemintegrationslabor, 135 Stunden im Propulsion Systems Test Bed und 31 Flügen, die sich zu 26 Stunden Flugzeit summieren, so die Unternehmen.

DEFIANT X Ausstattungs- und Designmerkmale

Zu den Ausstattungsmerkmalen des DEFIANT X gehört unter anderem ein fortschrittliches Koaxial-Rotorsystem, das vollständig aus Verbundwerkstoff gefertigte, starre Rotorblätter nutzt. Damit sollen eine beispiellose Manövrierfähigkeit und Agilität erreicht werden, die einen taktischen Vorteil bieten. Am Heck befindet sich ein Schubpropeller mit Kupplung. Dieser bietet ein hohes Maß an Manövrierfähigkeit durch schnelles Beschleunigen und Abbremsen. In der Vorstellung wurde dies als Sikorskys X2-Technologie bezeichnet.

Der Rumpf besteht ebenfalls komplett aus Verbundwerkstoff. Das verringert den Angaben zufolge die Schwingungseffekte und damit die Belastung für die Crew und Insassen. Außerdem begrenzt die Materialwahl die Korrosion in rauen Umgebungen. Die Kabine bietet Platz für zwölf komplett ausgerüstete Infanteristen oder rund 1,67 Tonnen Fracht. Zudem wird eine komplett vernetzte Umgebung und hohe Überlebensfähigkeit geboten, so das Herstellerkonsortium.

Das einziehbare Fahrwerk reduziert den Luftwiderstand und ermöglicht damit einen Hochgeschwindigkeitstransport. Die Fly-by-Wire-Flugsteuerung sowie mehrere Autopiloten ermöglichen Stabilität und Kontrolle basierend auf dem neuesten Stand der Technik und eine erhebliche Reduzierung der Arbeitsbelastung der Besatzung. Viele Einsatzabschnitte können in Zukunft autonom geflogen werden, so die Anbieter. DEFIANT X wird mit einem bewährten „optionally piloted“ Flugsteuerungssystem ausgestattet sein, das einen zuverlässigeren und sichereren Betrieb in sehr niedriger Höhe, in Umgebungen mit vielen Hindernissen oder unter unübersichtlichen und unsicheren Bedingungen ermöglicht. Dank der Steuerung kann das Luftfahrzeug höhere Geschwindigkeiten im Tiefflug erreichen und damit den Schutz und die Überlebensfähigkeit der Insassen erhöhen. Die doppelte Reichweite soll zudem Infiltrationen und Exfiltrationen erleichtern und den Überraschungseffekt erhöhen.

Der digitale Faden werde sich nahtlos durch die gesamten Design-, Entwicklungs-, Produktions- und Instandhaltungsprozesse des DEFIANT X ziehen, so die Unternehmen in der Ankündigung. DEFIANT X wird Teil eines vernetzten Logistiknetzwerks sein, das wartungsfreie Betriebszeiten ermöglicht, die Interoperabilität und Instandhaltung verbessert und die Gesamtkosten durch die Datenanalyse der zustandsorientierten Wartung senkt. Damit soll eine hohe Verfügbarkeit bei gleichzeitiger Nachhaltigkeit erreicht werden.

André Forkert