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Arquus, ein französischer Hersteller für geschützte Fahrzeuge, hat während der Verteidigungsgütermesse IDEX erstmals einen serienreifen Prototypen des geschützten Aufklärungsfahrzeugs Scarabée im Ausland vorgestellt.

Als kennzeichnende Technologien hat der Hersteller unter anderem Hybrid-Antrieb, Energiemanagement, Höhenverstellbarkeit, Schiebetüren und unabhängige Hinterachslenkung hervorgehoben. Die Kombination ergibt ein hochgeschütztes, hochmobiles und mit geringer Signatur versehenes Gefechtsfahrzeug.

Der acht Tonnen schwere Scarabée wird von einem 220-kW-Diesel und einem 70-kW-Elektromotor angetrieben. Die beiden Motoren können in vier Modi betrieben werden: rein Verbrennungsmotor, rein Elektrisch, Elektromotor und Verbrennungsmotor gemeinsam (boost) und Verbrennungsmotor lädt Batterie. Damit kann das Fahrzeug gleichzeitig von den Vorzügen des Elektromotors (hohes Anfahrdrehmoment, leise, geringe Wärmeabstrahlung) und des Verbrennungsmotors (Dauerbetrieb, große Reichweite, schnelles Auftanken) profitieren. Der Scarabée kann sich also mit einer spezifischen Leistung von 36 kW/Tonne über große Entfernung schnell annähern und im Einsatzgebiet nahezu geräuschlos operieren.

Der Energievorrat der Batterie erlaubt den Betrieb der Aufklärungs- und Kommunikationseinrichtungen sowie von Drohnen, Radar, Drohnenabwehr und elektronischen Gegenmaßnahmen. Bei langen Standzeiten kann die Batterie über den leise laufenden Verbrennungsmotor nachgeladen werden.

Die Besatzung ist in der Sicherheitszelle gegen Bedrohungen durch Geschosse, Splitter und Ansprengungen geschützt. Für den Schutz wurden neue Verbundwerkstoffe und neue Montageverfahren angewendet. Der Standardschutz kann durch add-on-Armour bedarfsgerecht angepasst werden. Dies geht zulasten der zwei Tonnen verfügbarer Nutzlast.

Bei der IDEX wurde die Version PATSAS für den Patrouillendienst der Spezialkräfte ausgestellt, die in einer fernbedienbaren Waffenstation Hornet mit einem schweren 12,7-mm-Maschinengewehr ausgerüstet ist. Die Aufklärungsversion kann mit einer 30-mm-Maschinenkanone bestückt werden. Eine dritte Version für Sicherheitskräfte in urbanem Umfeld (z.B. Terrorabwehr) ist mit dem Arquus Battlenet Gefechtsführungssystem ausgestattet.

Das Fahrwerk verfügt über zwei Besonderheiten. Mit elektrohydraulischer Verstellung kann die Bodenfreiheit dem Gelände angepasst werden. Im Beobachtungshalt kann sich das Fahrzeug „ducken“. Die Räder an der Vorder- und Hinterachse können unabhängig voneinander gelenkt werden. Bei gegensinnigem Einschlag wird der Wendekreis auf weniger als fünf Meter erheblich verringert. Bei gleichsinnigem Einschlag kann der Scarabée im „Krebsgang“ seitwärts fahren.

Der kompakte Scarabée kann in und unter Hubschraubern transportiert werden und ist abwurffähig. Die A400M kann vier dieser Fahrzeuge aufnehmen.

Nach Aussage von Arquus ist der Scarabée in den drei beschrieben Versionen produktionsreif.

Gerhard Heiming