StartMobilitätZapad 2021: Russischer B-19 BMP Schützenpanzer erstmalig bei einem Großmanöver eingesetzt

Zapad 2021: Russischer B-19 BMP Schützenpanzer erstmalig bei einem Großmanöver eingesetzt

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Die russischen Streitkräfte haben erstmalig die als B-19 bezeichnete Version des BMP-3 Schützenpanzers bei einem öffentlichen Manöver gezeigt. Der B-19 stellt die neuste Entwicklungsstufe des BMP-3 Schützenpanzers dar. Bereits im August war das Fahrzeug in der statischen Ausstellung auf dem internationalen militärtechnischen Forum „Army-2021“ ausgestellt worden. Der Fokus der Neuentwicklung liegt auf der Bewaffnung und der Sensorik.

Der 1987 eingeführte BMP-3 hat im Laufe der Jahre zahlreiche Modernisierungen erfahren. Neben der Ausgestaltung von Sonderversionen wie z. B. als Waffenträger oder Bergefahrzeug konzentrierten sich die Maßnahmen zumeist auf die Felder Schutz, Bewaffnung und Sensorik. Die B-19 Version scheint der Beleg dafür zu sein, dass die Weiterentwicklung und Fähigkeitssteigerung des Schützenpanzers trotz der seit Jahren angekündigten Ablösung durch die modulare Fahrzeugfamilie Kurganets-25 weiter verfolgt wird. Neben den offenkundigen Verzögerungen im Kurganets Programm und der daraus entstehenden Fähigkeitslücke innerhalb der russischen Streitkräfte ist zu vermuten, dass auch die Steigerung der Attraktivität in den bereits bestehenden Exportmärkten eine treibende Kraft für die Entwicklung darstellt. So konnte der russische Exportverbund Rosoboronexport in den letzten Jahren signifikante Ausfuhren in Länder wie den Vereinigten Arabische Emiraten, Venezuela, Zypern, Kuwait und Irak, aber auch nach Südkorea verbuchen.

Laut Pressemitteilung nahm ein Zug ausgestattet mit B-19 BMP Schützenpanzern an einem komplexen Gefechtsschießen auf dem östlich von Moskau gelegenen Übungsplatz bei Mulino teil. Das Herzstück der neuen Variante ist der unbemannte Turm mit der Herstellerbezeichnung „Epokha“. Für Verwirrung sorgte die Aussage in der Pressemitteilung, dass die bei der Übung genutzte Version mit einer 57-mm-Kanone ausgestattet sei. In der Tat ist der Einbau einer 57 mm x 93 Niederdruckkanone des Typs LShO-57  in den Epokha Turm möglich. Die relativ langsamen Geschosse haben neben einer ausreichenden Durchschlagsleistung gegen Schützenpanzer und bei entsprechender Munitionsauswahl eine sehr gute Spreng und Splitterwirkung gegen Weichziele. Die vom Pressedienst von der Übung verbreiteten Bilder zeigen jedoch den Einbau einer 2A42 Maschinenkanone im Kaliber 30 mm x 165. Als weiteres Element der unter der Bezeichnung AU-220M „Baikal“ zusammengefassten Bewaffnungskomponente sind die seitlich am Turm paarweise angebrachten 9M133 Kornet Lenkflugkörper zu nennen. Zudem erfolgte laut Mitteilung der russischen Streitkräfte bereits die Integration des Lenkflugkörpersystems Bulat. Das überaus kompakte und kosteneffiziente System, welches laut Herstellerangaben in den Turm versenkt und erst kurz vor der Feuereröffnung ausgefahren wird, dient der Bekämpfung von leicht gepanzerten Zielen oder Feldbefestigungen und erlaubt die Nutzung schwerer und teurer Systeme wie des Kornet Lenkflugkörpers gegen Ziel höherer Priorität. Der Bulat Lenkflugkörper hatte zuletzt vor einem Jahr von sich reden gemacht, als ein Sprecher von Rostec über den erfolgreichen Abschluss der Erprobung berichtete.

Das angesprochene modernisierte Sensorik- und Feuerleitpaket ist indes nur partiell bekannt. In Zentrum der Betrachtung steht ein automatisiertes Ortungs- und Zielverfolgungssystem, welches über die fusionierten Daten einer Tagsicht- und einer Wärmebildkamera einen hohen Grad an Automatisierung sicherstellen soll, um damit die Besatzung zu entlasten. Die angesprochene Automatisierung erlaubt laut Mitteilung, dass sowohl Lenkflugkörper als auch die Rohrwaffen des Fahrzeuges gleichzeitig abgefeuert werden können. Zudem können zwei Lenkflugköper, welche im Abstand von zwei Sekunden hintereinander verschossen werden, zeitgleich ins Ziel geführt werden.

Das Großmanöver Zapad 2021 dient den russischen Streitkräften neben der Beübung von bedeutenden Truppenkontingenten auch der Erprobung neuer Waffensysteme im Verbund mit bestehenden Strukturen. Nicht zuletzt ist aber auch das öffentliche Präsentieren von potentiellen Exportprodukten im Kontext solch einer medial viel beachteten Übung ein nicht unwesentlicher Aspekt. Der Schützenpanzer BMP-3 wird zudem offenkundig auch im Falle eines fortschreiten Kurganets-25 Programms noch für absehbare Zeit ein relevantes Fahrzeug der mechanisierten Truppen der russischen Streitkräfte bleiben.

Kristóf Nagy