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Die Bundeswehr führt neue Fallschirmsysteme des Typs „Ensemble de Parachutage du Combattant“ (EPC) ein, um die ab 1957 eingeführten Systeme T-10/T-10R zu ersetzen. Nachdem die Bundestagsausschüsse Ende Juni 2021 grünes Licht für die Finanzierung gegeben hatten, kann die Beschaffung jetzt erfolgen. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hatte im Vorfeld durch die NATO Procurement and Support Agency (NSPA) einen Rahmenvertrag mit Safran Electronics & Defense abschließen lassen, mit dem die EPC in Kooperation mit Belgien und den Niederlanden beschafft werden sollen, S&T berichtete.

Technische Daten EPC – Variante B

Soldat & Technik hatte auf der Rüstungsmesse DSEi in London die Möglichkeit mit dem Hersteller des zukünftigen Fallschirmsystems zu sprechen und so weitere Einzelheiten des Systems in Erfahrung zu bringen.

Nach Angaben eines Safran-Vertreters steht das Variante B nicht für eine zweite Version des Fallschirms. Das B steht für Belgien, welche das System in dieser Konfiguration als erstes beschafft haben. Das neue Fallschirmsystem der Bundeswehr basiert auf dem Ensemble de Parachutage du Combattant der französischen Streitkräfte, welches dort 2010 eingeführt wurde.

Das EPC-System ist Herstellerangaben zufolge bedingt steuerbar – der Schirm kann für die Landung gegen den Wind eingedreht werden – und erlaubt das Absetzen von Soldaten mit einem Gesamtgewicht von bis zu 180 Kilogramm. Die Sinkgeschwindigkeit wird mit 4m/s (80kg) beziehungsweise 5.2m/s (165kg) angegeben. Die Fallschirmfläche des Hauptschirms beträgt 115 m², die des Reserveschirms 60 m². Das Gewicht des Fallschirmsystems beträgt 22,9 kg. Safran zufolge hat das System eine Lebensdauer von 180 Sprüngen bzw. 18 Jahren. Der EPC-Schirm erlaubt es, Fallschirmjäger bei einer Mindestabsetzhöhe von 80 Metern sicher abzusetzen.

Beschaffung

In einem ersten Los sollen S&T vorliegenden Informationen zufolge 1.662 Haupt- und 1.162 Reservefallschirme sowie das erforderliche Zubehör abgerufen werden. Vorseriensysteme sollen noch in diesem Jahr geliefert werden. Sie dienen der integrierten Nachweisführung und der luftfahrttechnischen Zulassung der Fallschirme. Die Seriengeräte sollen im Zeitraum 2022 bis 2026 der Truppe zulaufen. Der Abruf eines zweiten Loses mit 2.674 Haupt- und 1.928 Reserveschirme aus demselben Rahmenvertrag ist ab 2023 geplant. Dafür werden rund 30 Millionen Euro benötigt.

Da der EPC bereits in Partnernationen eingeführt ist und in Frankreich auch für das Absetzen von Springern aus der A400M qualifiziert ist, könnte unter Umständen eine schnelle Zulassung der Fallschirme möglich sein. Militärisch genutzte Luftfahrtsysteme, wozu auch Fallschirme zählen, müssen vom Luftfahrtamt der Bundeswehr zugelassen sein. „Aktuell werden Zulassungsdokumente der Partnernationen für eine vereinfachte Musterprüfung geprüft“, antwortete die Bundesregierung bereits Anfang 2021 auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, S&T berichtete.

Waldemar Geiger