StartBewaffnungSmart ProtectoR: FN Herstal stellt neues Less Lethal System vor

Smart ProtectoR: FN Herstal stellt neues Less Lethal System vor

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Der belgische Handwaffenproduzent FN Herstal stellte sein neues als Smart ProtectoR genannte System auf der internationalen Fachmesse Milipol 2021 in Paris vor. Smart ProtectoR besteht aus einer fünfschüßigen Pistole mit Leuchtpunktvisier und einem gekoppelten Bildverarbeitungssystem. Soldat & Technik hatte am ersten Messetag die Möglichkeit das System genauer zu betrachten und Auskunft über die Funktionsweise vom Hersteller zu erhalten.

Fabrique Nationale vertreibt seit 2003 mit der FN 303 und 303P eine Less Lethal Waffenfamilie. Eine modernisierte Version der 303 wurde erst unlängst vorgestellt. Die beiden Selbstladewaffen verschießen die gleiche Munition im potenten und vielseitigen Kaliber .68, dessen Wirkung gerade im Nahbereich als zuweilen zu stark wahrgenommen wird. Auch ist die Nutzung im Nächstbereich nicht angeraten, da schwere Verletzungen möglich sind. Mit dem neuen Ansatz will FN das Problem über zwei Wege gleichzeitig lösen. Das Wirkmittel FN 306 verschießt einen deutlich weicheres Projektil aus einem Elastomere mit der Kaliberbezeichnung 12,55 mm FN SP. Fünf Patronen finden in einem Rohrbündel Platz, welches über zwei seitliche Verschlüsse arretiert wird und auch das Korn der offenen Visierungen aufnimmt. Das 7,5 Gramm schwere Geschoss wird mittels einer elektronisch gezündeten pyrotechnischen Ladung ausgestoßen und im jeweiligen Rohr drallstabilisiert. Mit einer Mündungsenergie von 30 Joule ist die Waffe bis etwa zehn Meter effektiv einsetzbar. Laut Herstellerangaben ist das elastische Geschossmaterial auch bei deutlichen Minusgraden noch weich genug um schwere Verletzungen zu vermeiden.

Als weitere Maßnahme zur Verringerung von schweren Verletzungen, insbesondere auch Unbeteiligter, dient ein Bildverarbeitungssystem, welches Schüsse auf den Kopf vermeiden soll. Das als FN VictoR-SP bezeichnete System nutzt eine Kamera am Griffstück als Sensor. Besteht die Gefahr, dass eine Schussabgabe den Kopf einer Person treffen könnte, blockiert die Software den 2,5 kg schweren Abzug und somit die Schußabgabe. Selbstverständlich wird die FN 306 als kostengünstige Alternative auch ohne Kamera und Bildverarbeitungssoftware verfügbar sein.

Die Waffe mit einem Systemgewicht von knapp 500g im geladenen Zustand mit Leuchtpunktvisier und montierter Kamera soll mit einem Holster des italienischen Traditionsherstellers Radar angeboten werden. Die Lebensdauer der Waffe wird herstellerseitig mit über 5000 Schuss angegeben.

Die Plattform ist indes noch nicht vollständig fertig entwickelt, wobei sich die Änderungen bis zur alsbald geplanten Serienfertigung vermutlich in Grenzen halten werden. FN will mit dem Smart ProtectoR System auch vertrieblich neue Wege gehen. So schwebt dem Unternehme ein Leasingmodell vor, indem der komplette Support, Wartung und die durch ständig kürzer werdende Technologiezyklen notwendig werdende Upgrades vom Hersteller durchgeführt werden. Der Nutzer erhält somit eine vollständige Systembetreuung über die jeweils vereinbarte Laufzeit.

Kristóf Nagy