StartAusrüstung & BekleidungEnde des Koppeltragesystems eingeleitet – Bundeswehr beschafft 305.000 MOBAST-Schutzwesten

Ende des Koppeltragesystems eingeleitet – Bundeswehr beschafft 305.000 MOBAST-Schutzwesten

Waldemar Geiger und Jan-Phillipp Weisswange

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Nach Jahren des Wartens kommt nun ordentlich Bewegung in die Bekleidung und persönliche Ausrüstung der Bundeswehr. So gehört die umfangreiche Modernisierung der Monturen zu den prioritären Projekten bei der Vollaustattung der deutschen Streitkräfte. So beauftragte die Bundeswehr Bekleidungsmanagement GmbH Bereits am 1. April 2022 die Fuldaer Firma Mehler Vario System mit der Lieferung von 305.000 Schutzwesten der Modularen ballistischen Schutz- und Trageausstattung (MOBAST). Dies geht aus einer gestrigen Veröffentlichung auf der europäischen Vergabeplattform TED hervor. Der Zulauf der Westen soll bis 2025 erfolgen. Die ursprünglichen Planungen sahen vor, dass bis 2025 knapp 46.000 MOBAST-Westen beschafft werden sollten. Die Vollausstattung sollte erst 2031 erreicht werden.

Bemerkenswert dabei ist, dass in den Ausschreibungsunterlagen explizit der russische Einmarsch in die Ukraine als Ursache für die „Dringlichkeit des hiesigen Beschaffungsvorhabens“ genannt wird. Da auch andere Streitkräfte die Modernisierung ihrer Ausrüstung prüfen, befürchten die Beschaffer fehlende Produktionskapazitäten – dies deckt sich mit den Erkenntnissen der S&T-Redaktion aus den Gesprächen mit mehreren Bekleidungs- und Ausrüstungsherstellern im Rahmen der EnforceTac 2022.

Aus den befürchteten mangelnden Produktionskapazitäten folgt wiederum, dass die jetzt erfolgte Beauftragung in Form einer “Nachbeschaffung des Anteils Schutzwesten der jüngst bei der Bundeswehr eingeführten Modularen ballistischen Schutz- und Trageausstattung (MOBAST)” geschieht. Als Grund führt die BW Bekleidungsmanagement GmbH die im Tagesbefehl vom 1. März 2022 dargelegte “ambitionierte Planung” des Generalinspekteurs an, bis 2025 die Vollausstattung der Bundeswehr zu erreichen. Daher könnten „insbesondere die Fristen eines Teilnahmewettbewerbs – auch in verkürzter Form – […] vorliegend nicht eingehalten werden.“

Die 305.000 MOBAST-Schutzwesten sind freilich nur ein Teil der Modernisierung der Bekleidung und persönlichen Ausrüstung. In den nächsten Jahren sollen über 100.000 neue Gefechtshelme, Kampfbekleidungssätze Streitkräfte und Rucksacksysteme 110 Liter in die Truppe zulaufen, S&T berichtete.

MOBAST

MOBAST soll mittel- bis langfristig alle bisher eingeführten Schutzwesten und die Trageausstattung („Koppeltragegestell 95“) ersetzen. Es ist eine modulare ballistische Schutz- und Trageausstattung bestehend aus einem Schutzwestensystem mit auftrags- und bedrohungsbezogen anpassbaren Komponenten, zusätzlicher ballistischer Unterwäsche und einer an die Schutzweste adaptierbaren Trageausstattung.

Schutzwestensystem

Die Schutzweste weist im Körperkernbereich einen weichballistischen Schutz der Schutzklasse 1 (Schutz gegen Beschuss aus Kurzwaffen mit Weichkerngeschoss, Referenz 9 mm x 19) sowie der Schutzklasse 4 (Schutz gegen Beschuss aus Langwaffen mit Hartkerngeschoss, Referenz 7,62 mm x 51) auf. Zusätzlich existiert ein separater Stichschutz gegen Klingen (Schutzniveau K2). Zusätzliche Elemente bieten einen Splitterschutz für den Schulter- und Halsbereich, die Oberarme, den Unterleib und die Oberschenkel. Ein optional einsetzbares Hüftgurtsystem überträgt wesentliche Anteile des Gewichts von Schutzweste und daran befestigter Ausrüstung auf das Becken und entlastet Schulter und Wirbelsäule. Mit der Herstellung und Lieferung des „MOBAST Anteil Schutzwestensystem“ wurde die Mehler Vario System GmbH aus dem hessischen Fulda beauftragt.

MOBAST besteht neben dem Schutzwestensystem aus folgenden weiteren Komponenten, die vermutlich ebenfalls in Kürze beauftragt werden.

Taschensätze

Eine Grundausstattung an Taschen ermöglicht das Mitführen von Gewehr- und Pistolenmagazinen, Ausrüstungsgegenständen und Kampfmitteln. Mit der Herstellung und Lieferung einzelner Taschensätze wurde neben Mehler Vario System GmbH die Lindnerhof Taktik GmbH – eine 74 Prozent Tochter von Mehler Vario Systems – aus dem bayerischen Lenggries und Tasmanian Tiger beauftragt.

Die Aufteilung wird wie folgt realisiert: Mehler liefert die Accressoires-Sets und die Zubehörtaschen. Lindnerhof Taktik liefert die Taschen Pistolenmagazin, Universalgranatentaschen, Taschen für Nebeltöpfe, Wasserblasenträger und die Abwurfsäcke für verschossene Magazine. Die Multikaliber-Einzelmagazintaschen kommen von Tasmanian Tiger.

Ballistische Unterwäsche

Die sogenannte „Ballistische Unterwäsche“, bestehend aus Schlauchschal, T-Shirt und Unterhose, wird durch die Hexonia GmbH geliefert. Diese wird unter der Kampfbekleidung getragen und soll die Soldaten gegen Verletzungen durch Kleinstsplitter und Sand – wie sie z. B. bei IED-Anschlägen auftreten – schützen.

Waldemar Geiger und Jan-Phillipp Weisswange