StartBewaffnungKanadische Spezialkräfte setzen die Einführung der SIG 320 fort

Kanadische Spezialkräfte setzen die Einführung der SIG 320 fort

Kristóf Nagy

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Die kanadischen Spezialkräfte setzen die Ende 2020 unterbrochene Einführung der Selbstladepistole SIG 320 fort. Dies gab das kanadische Spezialkräftekommando (CANSOFCOM) in einer Erklärung bekannt. Die Einführung der Waffe war im November 2020 nach einem Schießunfall ausgesetzt worden. Die daraufhin folgende Untersuchung hatte bereits im Sommer 2021 festgestellt, dass die Ursache für den Unfall nicht bei der Pistole zu suchen seien.

Bei dem Vorfall im Herbst 2020 kam es bei einer Übung zu einer unbeabsichtigten Schussabgabe einer Waffe im Holster. Die eingesetzte Untersuchungskommission kam nach ausführlicher Betrachtung der Ereignisse zu dem Schluss, dass mehrere Faktoren zu dem Unfall geführt hatten. Die SIG 320 wurde von dem Soldaten in einem nicht für die Waffe entworfenen Holster geführt. Zudem sei ein nicht näher definiertes Fremdobjekt in das Holster geraten, wodurch im Laufe der Übung der Abzugsmechanismus der Waffe im Holster betätigt worden sei. Die Kommission bestätigte in ihrem Bericht, dass nach ausführlichen Versuchen mit der Waffe die außergewöhnliche Kombination der beiden oben genannten Faktoren als alleiniger Grund festzuhalten seien und die Selbstladepistole SIG 320 nach dem neusten Stand der Technik eine sichere Handwaffe sei. Dennoch wurde in einer Stellungnahme seitens CANSOFCOM bekannt, dass zusätzliche, nicht näher definierte Maßnahmen zur Steigerung der Sicherheit in einem Katalog zusammengefasst von der Kommission den Spezialkräften auferlegt wurden.

Basierend auf den Erkenntnissen der Untersuchungskommission wurde eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingesetzt, um die weiteren Möglichkeiten des Handels zu bewerten und über das Schicksal des Beschaffungsvorganges zu entscheiden. Diese berücksichtigte auch die Erkenntnisse einer hinzugezogenen externen Expertise in Bezug auf Sicherheitsfragen. Die finale Empfehlung der Arbeitsgruppe lautete, dass die unterbrochene Einführung fortzusetzen sei, was CANSOFCOM nach eigenen Aussagen seit Anfang des Monats auch umsetzt.

Kanadische Pistolenbeschaffungen stehen seit geraumer Zeit unter keinem guten Stern. Bereits seit 2011 versuchen die Streitkräfte die 1944 eingeführte Browning Hi-Power No. 2 Mk1 abzulösen, jedoch mit mäßigem Erfolg. Das 2021 mit der Bezeichnung C22 Modular Pistol Project begonnene Projekt zielte erneut auf die Beschaffung von bis zu 16.500 Waffen in sieben Losen über einen Gesamtzeitraum von fünf Jahren ab, wurde jedoch jäh durch die Rüge eines Marktteilnehmers unterbrochen. Die technischen Anforderungen würden demnach zu sehr eine Waffe bevorzugen, um einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Gerügt wurde, dass die Anforderungen der bei CANSOFCOM eingeführten SIG 320 konstruktiv stark ähneln. Diese Rüge ist mittlerweile überwunden. Mit dem Vorgang vertraute Personen weisen darüber hinaus darauf hin, dass neben der SIG 320, auch Beretta mit der APX Selbstladepistole ein technisch passendes Angebot aufweist. Die Beretta Gruppe, welche mit der vollständig im Konzernbesitz befindlichen Tochter Stoeger in Kanada vertreten ist, konnte sich zuletzt gegen die einheimische Konkurrenz mit dem Sako TRG M10 bei der Scharfschützengewehr-Ausschreibung durchsetzen.

Kristóf Nagy