StartBewaffnungMörser-Boxer: RBSL führt Schießkampagne mit Ragnarok-Missionsmodul durch

Mörser-Boxer: RBSL führt Schießkampagne mit Ragnarok-Missionsmodul durch

Waldemar Geiger

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Das 2019 gegründete Joint Venture zwischen Rheinmetall und BAE Systems, Rheinmetall BAE Systems Land (RBSL), hat jüngst eine Schießkampagne mit dem integrierten Mörser-Missionsmodul auf dem Boxer durchgeführt, wie RBSL heute mitgeteilt hat. Die Demonstration fand auf dem britischen Schießübungsplatz Salisbury Plain statt und beinhaltete den ersten jemals von einem Boxer abgefeuerten Mörserschuss.

Das Mörser-Missionsmodul wurde erstmals im Herbst 2021 auf der Rüstungsmesse DSEi in London – damals noch mit einem integrierten 81-mm-Mörser vom Typ MWS81 – vorgestellt. Die nun erfolgte Schießkampagne wurde mit dem MWS120 (Ragnarok) – einem halbautomatischen 120-mm-Mörser von Rheinmetall Norwegen – durchgeführt.

Die gesamte Systementwicklung und -integration erfolgte durch RBSL-Ingenieure in der Unternehmenszentrale in Telford in enger Zusammenarbeit mit einer Reihe von Industriepartnern, wie RBSL weiter mitteilt. Die Fertigung des Missionsmoduls erfolgte ebenfalls in Telford durch Schweißer, die sich auf die Serienproduktion der Boxer vorbereiteten, die bereits im Rahmen des laufenden MIV-Vertrags (Mechanised Infantry Vehicle) an die britische Armee geliefert werden.

Rheinmetall Norwegen hat das 120-mm-Mörserwaffensystem Ragnarok  (MWS120) erstmals 2019 auf der DSEi der Öffentlichkeit vorgestellt. Das manuell geladene und vollelektrische System mit mechanischer Übertragung ermöglicht eine Schussrate von 18 bis 20 Schuss pro Minute. Das Systemgewicht beträgt knapp eine Tonne. Die Nutzung moderner Rückstoßtechnologien erlaubt die Integration des Systems in eine breite Palette an Fahrzeugplattformen. Neben schwereren 8×8-Fahrzeugen ist auch eine Nutzung in 6×6- und leichten 4×4-Fahrzeugen möglich.

Bei der Entwicklung des Ragnarok standen nach Angaben des Herstellers eine möglichst hohen Feuerrate sowie Modularität bei einem möglichst geringen Preis im Vordergrund. Daher hat man auf einen automatischen Lademechanismus verzichtet und das System so ausgelegt, dass fast jedes in Nutzung befindliche 120-mm-Rohr (glatt und gezogen) weiterverwendet werden kann. Das Mörsersystem wird optional ohne eigenständiges Feuerleitsystem angeboten, um auch hier eine Weiternutzung eingeführter Systeme zu ermöglichen. Eine Integration ist Rheinmetall zufolge aufgrund der Modularität des MWS120 recht einfach möglich.

Das Rohr kann im Transportzustand durch den Trupp entnommen und bei Bedarf unter Nutzung einer Bodenplatte und eines Zweibeines abgesessen eingesetzt werden.

Integriert in den Boxer benötigt das Waffensystem RBSL zufolge eine vierköpfige Besatzung. Das System kann dann sowohl bei Tag als auch bei Nacht und unter allen Wetterbedingungen operieren und hat einen 270-Grad-Wirkradius nach hinten.

Die Konstruktion ist offensichtlich für eine potenzielle Beschaffung durch die britischen Streitkräfte entwickelt worden. Für die deutschen Streitkräfte spielt der Mörserboxer nach derzeitiger Sachlage keine Rolle. Einem Vortrag des Abteilungsleiters Kampf im Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw auf dem FKH-Herbstsymposium zufolge, beabsichtigt die Bundeswehr weiterhin die Realisierung eines neuen 120-Mörsersystems auf Basis des Transportpanzers Fuchs.

Waldemar Geiger