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ATP 4-35 Munitions Operations – Die U.S. Army gibt sich eine neue Munitionsvorschrift

Kristóf Nagy

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Die Versorgung mit Munition ist eine Schlüsselkomponente für die Kriegsführung auf allen Ebenen. Dies zeigt auch die kürzlich von den US-Streitkräften angekündigte deutliche Investition in die Erweiterung von Fertigungskapazitäten. Fast zeitgleich veröffentliche die U.S. Army nun die neue Vorschrift „ATP 4-35 Munitions Operations“ als aktualisierte Doktrin für die logistischen Vorgänge im Umgang mit Munition. Dazu zählen, Lagerung, Transport und Nachweisführung. Auch wenn der Konflikt in der Ukraine naturgemäß keine Erwähnung findet, ist das Dokument auch als Reaktion auf die neuen, beziehungsweise wieder entstandenen Herausforderungen eines Near Peer Konfliktes anzusehen.

Die frei zugängliche Vorschrift ATP 4-35 Munitions Operations bietet einen Einblick in die aktuellen Anforderungen an das moderne Munitionsmanagement im Lichte der sich veränderten Bedrohungslage, welche langanhaltende Konflikte hoher Intensität im Bündnisumfeld wahrscheinlicher machen und auf die sich Streitkräfte dringen vorbereiten müssen. Neben der industriellen Bereitstellung, welche entsprechende Kapazitäten voraussetzten, ist die effiziente Distribution und (temporäre) Lagerhaltung von entscheidender Bedeutung. Die Beschäftigung mit dem Themenkomplex ist daher nicht nur den Fachleuten, sondern auch jedem sicherheitspolitisch Interessierten dringend angeraten.

Die neue ATP 4-35 behandelt die Herausforderungen rund um das Management von Munition unterschiedlichster Art und Kaliber in fünf Kapiteln. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der zeit- und bedarfsgerechten Versorgung in einem dynamischen Umfeld. Im Anhang finden sich zudem aktuelle Fragen, wie die Handhabung von erbeuteten Munitionsbeständen zu bewerkstelligen ist.

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Dabei geht die Publikation auf die Handhabung von Munition und ihre Distribution durch die Logistikkette auf allen Ebenen und in allen Operationsarten vom Beginn eines Konfliktes bis zu Nachgang, nach Abklingen der Kampfhandlungen, ein. Zudem bildet die neue Vorschrift die seit 2014 erfolgten Änderungen in der Streitkräfteplanung, dem Verteilungsmanagement und der Materialverwaltung ab.

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Eine bedeutende Rolle in der Betrachtung der bedarfsgerechten Munitionsversorgung findet sich bereits eingangs im ersten Kapitel bei der Beschäftigung mit der Abdeckung von teilstreitkräfteübergreifenden bzw. multinationalen Anforderungen, insbesondere im Bündniskontext der NATO. Folgend wird die Planung und die dafür relevante Prozesslandschaft betrachtet, auch im Verbund mit dem Anlegen von Depots und deren Verlagerung dieser auf Grundlage von operativen Anforderungen. Auf diesen stützt sich die Versorgungsarchitektur ab, welche die synchronisierte Versorgung von der strategischen bis runter zu der taktischen Ebene ermöglicht. Dabei erstreckt sich das untersuchte Feld von der industriellen Fertigung bis zur Ebene des einzelnen Soldaten und erfordert eine ununterbrochene Versorgung vom Produzenten über das Verteilernetz bis zur anfordernden Einheit.

Ein weiterer Schwerpunkt des Dokuments liegt in der Betrachtung der Munitionsdistribution ab der Ebene Brigade und abwärts. Neben dem relevanten Arbeitsmuskel und organisatorischen Aspekten, wie mobile Transferpunkte, wird auch auf technische Aspekte wie die palettierte Munitionsversorgung eingegangen. Letzter Punkt hat sich in dem einen Jahr des Ukrainekrieges als dem russischen Versorgungssystem gegenüber deutlich überlegen erwiesen. Aber auch auf Aspekte des Arbeits- und Umweltschutzes geht die Publikation ein.

Die PDF-Variante des Dokumentes kann hier heruntergeladen werden: ATP 4-35 Munitions Operations

Kristóf Nagy