StartBewaffnung1st Armored Division testet Abrams mit Minigun gegen Drohnen

1st Armored Division testet Abrams mit Minigun gegen Drohnen

Die allgegenwärtigen Drohnen haben sich im Ukrainekrieg als erhebliche Bedrohung auch für moderne Kampfpanzer erwiesen. Als eine Lösung hat die amerikanische 1st Armored Division jetzt die Kombination von zwei Ikonen der US-Feuerkraft getestet: Ein Kampfpanzer M1 Abrams wurde mit einer M134 Minigun im Kaliber 7,62 mm ausgestattet. Das elektrisch angetriebene Gatling-Maschinengewehr, das mit sechs rotierenden Rohren eine Feuergeschwindigkeit von 6.000 Schuss pro Minute erreicht, wird vor allem als Bordwaffe auf Hubschraubern eingesetzt.

Die Aufnahme zeigt das massive festmontierte Magazin mit 3.000 Schuss.
Die Aufnahme zeigt das massive festmontierte Magazin mit 3.000 Schuss. (Foto: U.S. Army)

Aber auch an Bord von Schiffen für die Abwehr von Schnellbooten, auf Landfahrzeugen für Spezialkräfte und auf diversen anderen Plattformen wird die Waffe mit dem charakteristischen Bohrmaschinen-Sound genutzt. Da lag es nahe, sie zur Drohnenabwehr auf einem Kampfpanzer zu montieren. Nach Bildern, die das 1st Armored Brigade Combat Team der 1st Armored Division auf Instagram postete, wurde sie auf der Luke des Ladeschützen anstelle des dort üblichen mittleren Maschinengewehrs M240 (FN MAG) lafettiert.

Minigun auf Abrams ist zunächst nur Testanordnung

Die Munition wird aus einem nebenliegenden Magazin von nicht eben geringen Ausmaßen mit 3.000 Schuss zugeführt. Richten und Abfeuern erfolgt demnach manuell über Luke mithilfe eines Trijicon MGRS-Visiers. Der Höhenrichtbereich, wichtig für die Bekämpfung von Luftzielen, erscheint recht groß. Dagegen ist der Seitenrichtbereich vermutlich durch die Montierung und das festinstallierte Magazin begrenzt und müsste bei Bedarf durch Schwenken des gesamten Turms erweitert werden. Schwachpunkt dürfte zudem das rechtzeitige Erkennen angreifender Drohnen sein, um diese überhaupt bekämpfen zu können.

Auch wie das manuell gerichtete System trotz der hohen Feuergeschwindigkeit – selbst beim Einsatz im Zug- oder Kompanierahmen – mit Massenangriffen fertig wird, müsste sich noch erweisen. Dabei ist zu bedenken, dass es sich um eine Testanordnung mit relativ einfachen Mitteln handelt. Weiterentwicklungen könnten durchaus eine automatische Erkennung und Bekämpfung von Drohnen umfassen, ähnlich wie bei Punktverteidigungssystemen vom Typ Phalanx und ähnlich gegen Lenkwaffenangriffe auf Kriegsschiffen.

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Diverse Abwehrsysteme in der Entwicklung

Es ist auch nicht das erste Mal, dass eine Gatling-Waffe zur Drohnenabwehr vorgesehen wird. Bereits im vergangenen Jahr stellte das polnische Unternehmen Zakłady Mechaniczne Tarnów ein System mit dem vierläufigen WLKM im Kaliber 12,7 mm als vollautomatisierte Stand-alone-Lösung auf gezogener Lafette vor. Diese Waffe erreicht eine Feuergeschwindigkeit von 3.600 Schuss pro Minute. Andere Anbieter setzen auf Splittermunition mit Annäherungszünder im Kaliber 40 x 53 mm für Granatmaschinenwaffen oder 30 x 113 mm für leichte Maschinenkanonen mit geringerer Kadenz.

Alle diese Entwicklungen zeigen, dass die Bedrohung durch Kampfdrohnen im Westen ernst genommen wird. Die Lösung wird vermutlich nicht in einem einzelnen System, sondern einer Kombination aus diversen Stör- und Hardkill-Mitteln auf verschiedenen Ebenen vom Verband bis hinunter zum einzelnen Fahrzeug oder der Infanteriegruppe liegen, wo zu diesem Zweck bereits elektronische Feuerleitvisiere für Sturmgewehre beschafft werden.

Stefan Axel Boes