StartS&T+Deutschland will Marschflugkörper Tomahawk beschaffen

Deutschland will Marschflugkörper Tomahawk beschaffen

Deutschland wird von den USA Marschflugkörper Tomahawk beschaffen. Das teilte Bundeskanzler Friedrich Merz am gestrigen Donnerstag nach dem NATO-Gipfel in Ankara in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag mit. Berichten zufolge hatten Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein amerikanischer Amtskollege Pete Hegseth bereit am Dienstag eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Damit wird das Projekt, das zuletzt wegen der transatlantischen Spannungen in Zweifel stand, offenbar doch umgesetzt.

Bereits Ende letzten Jahres kursierten Meldungen, dass Deutschland die Beschaffung von 400 Tomahawk der letzten Version Block Vb für drei Feuereinheiten anstrebe. Damit solle die Fähigkeitslücke für weitreichende Präzisionsangriffe bis zur Einführung einer europäischen Lösung im Rahmen des multinationalen European Long-Range Strike Approach (ELSA) im kommenden Jahrzehnt geschlossen werden. Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding sprach anschließend davon, bis 2029 hierfür eine erste Batterie als Kern einer Multi-Domain Task Force (MDTF) nach US-Vorbild aufzustellen.

US-System Typhon als mögliche Plattform für Marschflugkörper

Dies wurde umso dringender, nach dem die Regierung von Präsident Donald Trump kürzlich die geplante Verlegung eines Langstrecken-Artilleriebataillons der amerikanischen 2nd MDTF mit Hauptquartier in Mainz-Kastel nach Deutschland absagte. Das im vergangenen Oktober aufgestellte 3rd Battalion, 12th Field Artillery Regiment soll planmäßig drei Batterien mit unterschiedlichen Systemen umfassen: eine mit dem M142 High-Mobility Artillery Rocket System (HIMARS), eine mit dem Mid-Range Capability System (Typhon) und eine mit dem künftigen Long-Range Hypersonic Weapon System Dark Eagle.

Bei Typhon handelt es sich um eine mit Sattelschlepper bewegliche Landversion des Senkrechtstartsystems Mk 41 der U.S. Navy. Dieses kann Marschflugkörper Tomahawk mit über 1.600 Kilometer Reichweite und den Mehrzweck-Lenkflugkörper SM-6 gegen Luft-, Schiffs- und Bodenziele in bis zu 500 Kilometern Entfernung verschießen. Auch die Integration weiterer Lenkwaffen wie des Flugabwehr-Lenkflugkörpers Patriot wurde erprobt. Allerdings sucht die Army bereits ein mobileres Nachfolgesystem.

Dies könnte wiederum Deutschland zugute kommen, das bereits Interesse an Typhon als Startplattform für Tomahawk geäußert hat. Hersteller Lockheed Martin hat damit geworben, das System schnell liefern zu können, sofern sich beide Regierungen auf den Verkauf einigen können. Eine einfache Weitergabe aus dem US-Bestand dürfte ein zusätzlicher Vorteil ein. Durch das gut ausgebaute deutsche beziehungsweise europäische Straßennetz und ohne die Anforderung schneller weltweiter (Luft)-Verlegbarkeit fallen die Nachteile von Typhon bei der Beweglichkeit möglicherweise nicht so stark ins Gewicht.

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Stefan Axel Boes