Die U.S. Army strebt die Entwicklung eines Universalstarters an, der verschiedenste offensive und defensive Lenkwaffen von NATO-Partnern verschießen kann. Das sagte der Befehlshaber der U.S. Army Europe and Africa, General Christopher Donahue, kürzlich bei der ersten LandEuro-Konferenz der Association of the U.S. Army (AUSA) in Wiesbaden. Hintergrund ist das Interesse an weitreichenden Präzisionswaffen und Flugabwehr aufgrund der Lehren aus den Kriegen in der Ukraine und dem Nahen Osten.
Gewünscht sei ein Starter mit einem gemeinsamen Feuerleitsystem, das von jeder Nation genutzt werden könne, um die Munition aller anderen Länder zu verwenden. Zudem solle er optinonal bemannt, also auch ohne Bedienung am Gerät einsetzbar sein. Auch solle er wie das Raketenartilleriessystem HIMARS auf verschiedene Fahrgestelle montiert werden können. Dies würde die Interoperabilität wie auch die Verfügbarkeit von Munition im Bündnis stärken. Zugleich gab Donahue zu, dass solche Projekte in der Vergangenheit schon an der Bürokratie gescheitert seien.
Verschollen im U.S. Army-Buchstabensalat
So stellte die Army 2019 die Entwicklung eines Multi-Mission Launchers (MML) im Rahmen der Indirect Fires Protection Capability (IFPC) ein, der verschiedene Bedrohungen wie Mörser- sowie Artilleriegranaten und -raketen, Drohnen und Marschflugkörper bekämpfen sollte. Dieser hätte die Luft-Luft-Lenkwaffe AIM-9X Sidewinder, den Flugkörper Tamir des israelischen Systems Iron Dome und die Minature Hit-to-Kill Missile (MHTK) verwendet. Kürzlich stellte das Heer eine Industrieanfrage für einen Common Autonomous Multi-Domain Launcher (CAML).
Dieser soll in der schweren Ausführung CAML-H, ähnlich des bereits eingeführten Typhon-Systems auf Basis des Marine-Lenkwaffenstarters Mk 41, den Marschflugkörper Tomahawk und die Flugabwehrwaffe Patriot integrieren. Die mittlere Version CAML-M soll die Artillerieraketen der MLRS/HIMARS-Familie und die AIM-9X verschießen können. Beide Systeme sollen durch autonome Versorgungsfahrzeuge mit Munition versorgt und nachgeladen werden. Prototypen sollen innerhalb von 18 bis 24 Monaten für die Starter und 36 Monaten für die Versorgungsfahrzeuge gebaut werden.
Deutsches Interesse an Typhon
Die Lockheed Martin Corporation, die Eigentumsrechte an verschiedenen möglichen Komponenten wie HIMARS, Typhon und Patriot hält, sieht die notwendige Technologie bereits als weitgehend verfügbar an. Typhon kann neben Tomahawk auch die Mehrzweck-Lenkwaffe SM-6 der U.S. Navy gegen Luft-, See- und Landziele verschießen und ist bereits mit Patriot getestet worden. HIMARS könnte nach Angaben des Unternehmens wiederum auch zum Verschuss von Flugabwehr-Lenkwaffen modifiziert werden und habe bereits autonome Fähigkeiten demonstriert. Lockheed Martin scheint damit Typhon und HIMARS als Grundlage für die Army-Forderungen CAML-H und -M positionieren zu wollen.
Auch Deutschland hat bereits Interesse an Typhon als Übergangslösung für weitreichende Präzisionsschläge geäußert, bis die europäische ELSA-Initiative im kommenden Jahrzehnt eigene Lösungen zur Verfügung stellen soll. LM wirbt damit, das System schnell liefern zu können, sofern sich beide Regierungen auf den Verkauf einigen können. Im kürzeren Entfernungsband haben KNDS und Kongsberg kürzlich bereits der Verschuss von See- und Landzielflugkörpern Naval Strike Missile aus dem Raketenartilleriesystem EuroPuls getestet, das ebenfalls von Deutschland beschafft wird.
Stefan Axel Boes




