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Die Royal Marines beabsichtigen, die Mobilität ihrer Mörsertrupps zu erhöhen und haben dazu neue Fahrzeuge als Transportmittel getestet. Die Tests fanden auf der Salisbury-Ebene im zentralen Südengland statt, wie aus einer Veröffentlichung auf der Internetseite der Royal Navy hervorgeht.

Das Ziel ist es, die Beweglichkeit, Schnelligkeit und Mobilität der Mörsertrupps zu erhöhen, damit diese schwerer aufklärbar und damit für den Feind durch Gegenschläge auch schwieriger zu bekämpfen sind. Vor allem geht es darum, sich möglichst zügig nach erfolgtem Feuerkampf der gegnerischen Radar- und Schallmessaufklärung entziehen zu können.

Die Royal Marines setzten dabei 6×6-Quads vom Typ Can-Am Outlander ATV (All-Terrain Vehicle) ein, um Mörser und ihre Besatzungen schneller und mobil über das Gefechtsfeld zu bewegen. Die Can-Am-Quads befördern dabei je zwei Mörser-Soldaten und ziehen einen Anhänger, der die Waffenanlage und Munition transportiert. Bei den Tests entstandenen Fotos zufolge, handelt es sich offenbar um handelsübliche Anhänger. Zum Einsatz muss der Mörser vom Anhänger genommen und vom Boden aus abgefeuert werden. Auf den Fotos sind 81-mm-Mörser-Systeme zu sehen.

Fahrzeuge

Mörser sind seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der Kriegsführung. Sie können vorrückenden Truppen schnell Feuerunterstützung geben und den Feind bekämpfen und niederhalten. Ihre Mobilität muss aber dem hochdynamischen Gefecht von heute angepasst werden. Dabei sind sie bei zu statischem Einsatz anfällig für die Aufklärung durch immer wirksamere feindliche Radargeräte oder Schallmesssysteme, die sie aufspüren und einen Gegenschlag auslösen können. Daher müssen die Mörser-Systeme die gleiche Evolution im Bereich der Mobilität durchlaufen, wie dies die Artillerie schon vor Jahren getan hat.

Future Commando

Im Zuge der Weiterentwicklung der Royal Marines im Rahmen der Modernisierung der Future Commando Force werden Ausrüstung, Kleidung, Waffen und Taktiken auf den Prüfstand gestellt. Untersucht werden in diesem Zusammenhang auch Ausrüstung und Einsatzverfahren der Mörserkräfte auf Verbesserungspotenzial.

Die Quads steigern zwar die Mobilität, vor dem Feuerkampf müssen die Mörser aber auf dem Boden aufgebaut werden.(Foto: MoD UK)

Die dafür benötigte Testtruppe wurde durch das 45. Royal Marine Commando gestellt. Als Feindtruppe dienten Kräfte der Royal Artillery. Diese setzten Drohnen und Artillerie-/Mörserortungsradare ein, um die Stellungen der Mörser aufzuklären.

„Durch das Training mit der Artillerie, die aktiv versucht, uns zu finden und zu bekämpfen, können wir beginnen zu verstehen, wie wir unsere Taktiken, Techniken und Verfahren anpassen können, um dieser Bedrohung zu begegnen“, wird Hauptmann Dale Martin, kommandierender Offizier der Mörsertruppe des 45. Commandos, in dem Royal Navy Bericht zitiert.

Die Can-Am-Quads dienten dazu, die Mörser bei Aufklärung beziehungsweise nach Abschluss eines Feuerkommandos schnell zu verlegen und sich so einem Gegenschlag zu entziehen und die Feuerunterstützung für Infanteriekräfte aus anderen Stellungen aufrechtzuerhalten. Die 53. Batterie der Royal Artillery überwachte dieses Vorgehen mittels eines Spezialradars, das feindliches Steilfeuer aufspüren kann. So konnte genau analysiert werden, wie lange sich die Mörser in einer Position halten können, bevor sie entdeckt und bekämpft werden.

Hauptmann Martin unterstreicht: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir die Bedrohungen verstehen, denen wir auf dem modernen Schlachtfeld ausgesetzt sind. Mörser bieten den Kommandotruppen vor Ort eine wesentliche Feuerunterstützung und sind daher ein hochwertiges Ziel für jeden Gegner, dem wir uns möglicherweise gegenübersehen. Die Fahrzeuge, die wir ausprobieren, werden es uns ermöglichen, unsere Mobilität auf dem Schlachtfeld zu erhöhen und damit unsere Überlebensfähigkeit und die Fähigkeit zur Unterstützung befreundeter Streitkräfte zu verbessern.“

Einer der Schlüssel dabei ist es, beweglich und leicht zu sein, um feindliche Stellungen schnell anzugreifen und hochwertige Ziele zerstören zu können, bevor man selbst angegriffen werden kann. Die Kommandos nutzten die Fähigkeit des Can-Am-Fahrzeugs, unwegsames Gelände schnell zu durchqueren. Als Vergleichsfahrzeuge dienten die in Nutzung befindlichen BVS 10 Viking von Hägglunds, das zu BAE Systems gehört. Diese dienen gegenwärtig als Transportmittel der Mörsertrupps. Ein Vorteil der Viking-Fahrzeuge ist deren Panzerschutz und die Tatsache, dass der Mörser direkt vom Anhänger eingesetzt werden kann. Da der Viking den Rückstoß der 81-mm-Mörser-Systeme problemlos verkraften kann, entfällt das Abladen und Aufbauen der Mörser. Neben den Fahrzeugen wurden auch die damit verbundenen unterschiedlichen Taktiken verglichen. Die Ergebnisse der Erprobung wurden jedoch nicht veröffentlicht.

André Forkert