StartMobilitätÜberschneemobilität: U.S. Army beschafft Beowulf als Cold Weather All-Terrain Vehicle

Überschneemobilität: U.S. Army beschafft Beowulf als Cold Weather All-Terrain Vehicle

Gerhard Heiming

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Die U.S. Army hat sich nach einem langen Wettbewerb entschieden, den Beowulf von BAE Systems im Rahmen des Cold Weather All-Terrain Vehicle (CATV)-Programm zu beschaffen. Wie BAE Systems mitgeteilt hat, wurde das Unternehmen beauftragt, für 278 Millionen US-Dollar Fahrzeuge und Ersatzteile zu liefern und logistische Unterstützung zu leisten. Nach früheren Informationen beabsichtigt die U.S. Army, über fünf Jahre 110 Fahrzeuge zu beschaffen.

Der Beowulf habe die Prototyp-Evaluierungsphase des CATV-Programms Anfang dieses Jahres in Alaska erfolgreich abgeschlossen, schreibt BAE Systems. Er habe mehrere Aufgaben erfüllt und ist dabei voll einsatzfähig geblieben. Die Tests umfassten amphibische Operationen, das Navigieren in unterschiedlich komplexem Gelände, das Starten und den Betrieb bei extremer Kälte und vor allem die Bewertung durch die Soldaten.

An der Evaluierungsphase hatte auch der Bronco 3 von Oshkosh/ST Engineering teilgenommen, der aber im Lieferauftrag nicht berücksichtigt wurde. Über die Wintererprobung hatte S&T berichtet.

Der Beowulf basiert auf dem gepanzerten BVS10, dem Nachfolger des legendären BVS 206, den er bei der U.S. Army ersetzen soll. Das knickgelenkte Fahrzeug besteht aus zwei Kabinen, die über je zwei Ketten angetrieben werden. Die Lenkung erfolgt über das Knickgelenk, das beide Kabinen verbindet. Er wird von einem 210-kW-Cummins-Diesel angetrieben, der das Gefährt an Land auf bis zu 70 km/h beschleunigt. Dank des niedrigen Bodendrucks und des Kettenantriebs kann der Beowulf übergangslos von festem Untergrund über sumpfigen Boden bis in Gewässer fahren und dort schwimmen. Die maximale Schwimmgeschwindigkeit wird mit vier km/h angegeben. Bei einem Gesamtgewicht von 15,5 Tonnen können in der vorderen Kabine (in der der Antrieb untergebracht ist) bis zu drei Tonnen und in der hinteren Kabine bis zu fünf Tonnen Nutzlast befördert werden. Das Fahrzeug bietet Platz für bis zu 14 Soldaten.

BAE Systems beschreibt den Beowulf als ein ungepanzertes, vielseitig einsetzbares Kettenfahrzeug, das in seinen beiden Kabinen Personen und verschiedene Nutzlasten transportieren kann. Beowulf könne Schnee, Eis, Felsen, Sand, Schlamm und Sümpfe durchqueren und in steilen Gebirgsregionen operieren. Dank seiner amphibischen Eigenschaften könne er auch in überfluteten Gebieten oder Küstengewässern schwimmen. Durch seine modulare Bauweise könne er je nach Bedarf für verschiedene Einsätze wie logistische Unterstützung, Katastrophenhilfe und humanitäre Hilfe, Such- und Rettungseinsätze und andere Missionen umkonfiguriert werden.

Mit seinen großen Fenstern und der geräumigen Kabine eigne sich der Beowulf für die Aufgaben des CATV-Programms, so BAE Systems. Hierzu gehören Such- und Rettungseinsätze, Unterstützung ziviler Behörden und Heimatschutz. Sein modernes, kommerzielles Design gewährleiste die operative Effizienz der Soldaten bei der Durchführung einer Vielzahl schwieriger Missionen.

Die U.S. Army wird somit Erstkunde für den Beowulf. Mit dem zunehmenden Fokus auf arktische Mobilitätseinsätze sieht BAE Systems wachsende Möglichkeiten für den BvS10 und den Beowulf auf anderen Märkten und eine steigende Nachfrage, um alte BV206 zu ersetzen.

Der Beowulf wird von BAE Systems Hägglunds in Nordschweden gebaut und verfüge damit über Erfahrungen aus erster Hand mit dem Einsatz in arktischen Umgebungen, erläuterte BAE System die Produktion. Die Plattform enthalte mehrere Schlüsselkomponenten von US-Zulieferern, z. B. den Motor, das Getriebe und das Hydrauliksystem.

Das CATV-Programm wird die bisherige Flotte der Small Unit Support Vehicles (SUSV) ersetzen, die ebenfalls von BAE Systems Hägglunds gebaut wurden und international als BV206 bekannt sind. Der BV206 ist seit Anfang der 1980er Jahre weltweit im Einsatz, auch bei den US-Streitkräften.

Unter demselben Kürzel CATV haben in Europa Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Schweden ein gemeinsames Programm zur Beschaffung eines Collaborative All-Terrain Vehicle mit ähnlichen Anforderungen wie die U.S. Army gestartet. Der Bedarf für die Bundeswehr liegt bei 140 Fahrzeugen mit einem geschätzten Finanzbedarf in der Größenordnung von 276 Millionen Euro. Die Bundeswehr will das CATV aus dem 100-Mrd-Euro-Sondervermögen finanzieren. Die dafür notwendige 25-Mio-Euro-Vorlage wird noch im Lauf diesen Jahres erwartet.

Gerhard Heiming