StartBewaffnungFrankreich und Schweden kooperieren bei Panzerabwehr

Frankreich und Schweden kooperieren bei Panzerabwehr

Thomas Nielsen

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Wie die schwedische Rüstungsbeschaffungsbehörde Försvarets materielverk (FMV) und der Rüstungskonzern MBDA heute in einer Pressemitteilung bekannt gaben, haben die französische und die schwedische Regierung ein bilaterales Abkommen über die Entwicklung einer schwedischen Version des Panzerabwehrlenkflugkörpers MBDA Akeron MP samt einer Weiterentwicklung der Fähigkeiten und Varianten des Flugkörpers unterzeichnet. Die Vereinbarung wurde formell von der FMV und ihrem französischen Pendant, der Generaldirektion für Rüstung (Direction Générale de l’Armement, DGA), unterzeichnet, umfasst aber auch eine industrielle Zusammenarbeit zwischen MBDA und dem schwedischen Rüstungsunternehmen Saab.

Die Vereinbarung ist der Abschluss eines Projekts, das im Juli 2017 begann, als die FMV eine Ausschreibung für die Beschaffung eines neuen Panzerabwehrlenkflugkörpersystems mit der Bezeichnung RBS 58 als Ersatz für das in Betrieb befindliche RBS 55 veröffentlichte. „RBS“ ist die Abkürzung für „Robotsystem“, die schwedische Bezeichnung für „Lenkwaffe“ oder „Flugkörper“. RBS 55 ist die schwedische Bezeichnung für das US-Panzerabwehrsystem BGM-71 TOW.

Den Abschluss der Ausschreibung bildete im Juli 2021 die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen der französischen und der schwedischen Regierung, wiederum vertreten durch die DGA und die FMV, zur gemeinsamen Entwicklung eines neuen Panzerabwehrlenkflugkörpers für die schwedischen Streitkräfte auf der Grundlage des Akeron MP von MBDA, früher bekannt unter der Bezeichnung „Missile Moyenne Portée“ oder „Medium Range Missile“, der ursprünglich als Ersatz für den in Frankreich im Einsatz befindlichen Panzerabwehrlenkflugkörper MILAN entwickelt wurde.

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Die Integration der Akeron MP in eine Reihe von Fahrzeugen der schwedischen Streitkräfte, darunter den Schützenpanzer CV 90, und der Abschuss der Akeron MP von diesen Fahrzeugen aus wurden im Herbst und Winter 2022 erfolgreich demonstriert.

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Spezifischere Angaben über die genaue Ausgestaltung der Vereinbarung, wie z. B. die Gesamtkosten, die Anzahl der von Schweden zu beschaffenden Flugkörper, die für die Akeron MP vorgesehenen spezifischen Modifikationen, um sie für den schwedischen Einsatz anzupassen, oder die Möglichkeit, den Flugkörper in Schweden von Saab fertigen zu lassen, wurden nicht bekannt gegeben.

Akeron MP

Die Akeron MP ist ein leichter Mehrzweckflugkörper mit einem Gewicht von ca. 15 kg, einschließlich des Startrohrs, und einer Reichweite von über 4.000 m. Dank des geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen kann die Akeron MP sowohl von Fahrzeugen als auch von abgesessenen Truppen aus eingesetzt werden.

Der Flugkörper verwendet ein „Fire-and-Forget“-Leitsystem, bei dem der Benutzer das Ziel erfasst, den Flugkörper auf das Ziel richtet und abfeuert. Der IR/optische Suchkopf des Flugkörpers ermöglicht es ihm, das Ziel autonom und ohne weitere Eingaben anzuvisieren, so dass der Benutzer die Feuerstellung unmittelbar nach Abschuss verlassen kann. Außerdem ist die Akeron MP mit einer Glasfaserkabelverbindung zurück zum Startgerät ausgestattet, so dass ein so genannter „Man-in-the-Loop“-Modus möglich ist, bei dem der Flugkörper gestartet wird, ohne auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet zu sein. Die Bilder des Suchkopfes werden über das Glasfaserkabel an den Benutzer übertragen, der dann das Zielgebiet beobachten, den Flugkörper auf ein bestimmtes Ziel ausrichten, während des Fluges das Ziel wechseln oder den Schießvorgang abbrechen kann. Der Benutzer kann sogar einen bestimmten Zielpunkt auf dem gewählten Ziel auswählen. Dadurch kann der Flugkörper auch Ziele hinter Hindernissen bekämpfen und bei stark gepanzerten Zielen wie Kampfpanzern ein „Top-Attack“-Flugprofil durchführen, bei dem der Flugkörper die dünnere obere Panzerung des Ziels trifft.

Die Vielseitigkeit des Flugkörpers wird durch den Tandem-Gefechtskopf mit skalierbaren Effekten noch verstärkt, der es dem Flugkörper ermöglicht, ein breites Spektrum von Zielen auf dem Gefechtsfeld wirksam zu bekämpfen, darunter schwere und mittlere Panzer, Bunker und andere Strukturen, Boote sowie Infanterie im offenen Gelände.

Nicht zuletzt verfügt der Flugkörper über ein Startsystem mit reduziertem Rückstoß, das seine Startsignatur verringert und den Abschuss aus geschlossenen Räumen, z. B. im Häuserkampf, ermöglicht.

Thomas Nielsen