Das U.S. Air Force Special Operations Command (AFSOC) testet derzeit das Nahunterstützungsflugzeug OA-1K Skyraider II auf der Eglin Air Force Base in Florida. Ziel ist der Nachweis, dass der Typ die operationellen Anforderungen zur Unterstützung von Spezialkräften in geografisch isolierten Einsatzgebieten unter einfachen Bedingungen erfüllen kann. Zum Missionsprofil gehören neben der direkten Luftnahunterstützung auch Präzisionsangriffe sowie bewaffnete Überwachungs- und Aufklärungsmissionen. AFSOC überprüft dazu die Herstellerangaben und die allgemeine militärische Lufttüchtigkeit des Flugzeugs.
Die Skyraider II trägt einen stolzen Namen: die originale Douglas A-1 Skyraider wurde während des Zweiten Weltkriegs als trägergestützter Jagd- und Torpedobomber für die U.S. Navy entwickelt, aber erst nach Kriegsende eingeführt und kam erstmals in Korea zum Einsatz. Seinen wirklichen Ruf erarbeitete sich der kolbengetriebene Einsitzer jedoch erst durch seine Nutzung in der Luftnahunterstützung während des Vietnamkriegs auch durch die U.S. Air Force und die südvietnamesische Luftwaffe. Obwohl im Jetzeitalter ein Anachronismus, kam in dieser Rolle nichts der Durchschlagskraft der alten „Spad“ gleich.
Skyraider II muss große Fußstapfen füllen
Die Kombination von großer und vielfältiger Waffenlast, langer Ausdauer, niedriger Geschwindigkeit und großer Robustheit machte sie etwa ideal geeignet für die Unterstützung von Hubschraubereinsätzen zur Rettung abgeschossener Flugzeugbesatzungen, bei denen der Typ das Rufzeichen „Sandy“ trug. Neben den Einsitzern gab es zudem Versionen mit zwei- bis vierköpfiger Besatzung für verschiedenste Aufgaben wie Nachtangriffe, elektronische Kampfführung und Radar-Frühwarnung. Auch Frankreich nutzte die Skyraider zur Bekämpfung von Aufständischen in Algerien und setzte sie noch bis in die 1970er Jahre im Tschad ein.
Im Vergleich dazu kommt die Skyraider II auf Basis des Agrarflugzeugs Air Tractor AT-802 äußerlich relativ mundan daher. Das Rüstungselektronik-Unternehmen L3Harris entwickelte den typischen „Cropduster“ zum Besprühen von Getreidefeldern mit der hohen einsitzigen Kabine und dem starren Heckrad-Fahrwerk für das Programm „Armed Overwatch“ des U.S. Special Operations Command (USSOCOM) zur AT-802U Sky Warden mit diversen Sensoren und Bewaffnungsoptionen. Mit „Armed Overwatch“ sollte aufgrund der Erfahrungen aus dem Irak und Afghanistan ein Nachfolger für das unbewaffnete Aufklärungsflugzeug U-28A Draco gefunden werden, eine militärische Variante des leichten Transportflugzeugs Pilatus PC-12.
AFSOC geht zurück in die 70er
Mitbewerber waren Versionen der Turboprop-Kampftrainer Beechcraft T-6 Texan II (AT-6E Wolverine) und Embraer 314 Super Tucano (A-29) sowie die Bronco II der südafrikanischen AHRLAC, ebenfalls nach einem klassischen Nahunterstützungsflugzeug – der Rockwell OV-10 Bronco – benannt. Hinzu kamen weitere Ableitungen leichter Zivilflugzeuge, die polnische PLZ M28 Skytruck als MC-145B Wily Coyote und die Cessna 208 Caravan als MC-208 Guardian. 2022 erhielten Air Tractor und L3Harris einen Auftrag für 75 Flugzeuge.
2024 wurden zwei unmodifizierte AT-802 zur Pilotenausbildung ausgeliefert. Für das seit Jahrzehnten nicht verwendete Heckrad-Fahrwerk musste die 96th Test Wing eigens das fliegerische Training entsprechend ergänzen. Jedoch wurde der Auftrag nachfolgend auf 62 Stück reduziert. Im Februar 2025 erhielt der Typ den offiziellen Namen „Skyraider II“, nachdem schon die bereits 2022 vergebene Bezeichnung OA-1K ihn als Version der ursprünglichen A-1 erscheinen ließ. Im April wurde die erste modifizierte Maschine mit geschütztem Cockpit und Triebwerk, Sensoren und zehn Waffenstationen geliefert.
Stefan Axel Boes






