StartBewaffnungSIG Sauer P320: U.S. Air Force sperrt Dienstpistole M18

SIG Sauer P320: U.S. Air Force sperrt Dienstpistole M18

Nach einem tödlichen Vorfall mit einer SIG Sauer P320 hat die U.S. Air Force die Nutzung der dienstlich als M18 bezeichneten Version der Pistole bis auf Weiteres gesperrt. Am 20. Juli starb demnach ein aktiver Luftwaffensoldat der zur 90th Missile Wing gehörenden 90th Security Squadron, als sich aus ungeklärten Gründen ein Schuss aus seiner Waffe löste. Zunächst soll eine Untersuchung der Pistole und der Umstände erfolgen. Darüber hinaus sollen „100 Prozent“ der den Geschwadern der Air Force zugewiesenen M18 inspiziert werden.

Im Dienst soll stattdessen zunächst der Karabiner M4 genutzt werden. Während das für Bodenpersonal praktikabel ist, dürfte sich das für Flugzeugbesatzungen allerdings schwierig gestalten. Zwar existiert die M4-Variante Aircrew Self Defense Weapon (ASDW), die in zwei Teile zerlegt und mit zwei Magazinen auch in Schleudersitzen verstaut werden kann. Jedoch waren davon 2020 lediglich 2.700 Stück verfügbar. Andererseits gibt es möglicherweise noch Bestände der vorherigen Dienstpistolen M9 (Beretta 92) sowie M11 (SIG Sauer P228), die seit 2019 von der M18 abgelöst werden.

Bereits länger Klagen über Sicherheit der P320

Die P320 gewann 2017 den Wettbewerb für ein „Modular Handgun System“ der U.S. Army und wurde von dieser in der langen Version M17 und der Kompaktversion M18 eingeführt. Die M17 hat eine Gesamtlänge von 203 Millimetern, eine Höhe von 140 und eine Lauflänge von 120 Millimetern. Sie wiegt ungeladen 833 Gramm, das Magazin fasst 17 Schuss Kaliber 9 x 19 mm in der Standard- und 21 Schuss in einer verlängerten Version. Die P320 war SIG Sauers erste Pistole mit vorgespanntem internen Schlagbolzensystem und ist ein Rückstoßlader mit kurz zurückgleitendem Lauf.

Bereits seit längerem gab es Klagen über ungewollte Schussabgaben bei dem Modell, insbesondere durch mangelnde Fallsicherheit. 2017 überarbeitete SIG Sauer die Abzugsgruppe, um dieses Problem zu beseitigen. Dennoch haben mehrere US-Behörden die Waffe inzwischen aufgrund von Vorfällen, bei denen sich angeblich Schüsse ohne Betätigung des Abzugs lösten, durch andere Modelle ersetzt. Teilweise wird dies darauf zurückgeführt, dass der Schlagbolzen der P320 vor der Schussabgabe nicht wie bei ähnlichen Typen teil-, sondern vollgespannt ist.

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Zusammen mit einer fehlenden manuellen Sicherung bei zivilen Varianten erhöhe dies die Gefahr für unfreiwillige Schussabgaben erheblich, so Kritiker. Die militärischen Ausführungen verfügen allerdings über eine beidseitige manuelle Sicherung. SIG Sauer selbst erklärt, dass eine Schussabgabe ohne Bewegung des Abzugs unmöglich sei und verweist darauf, dass die Vorfälle unter den angeblichen Umstände bislang nicht unabhängig reproduziert werden konnten.

Stefan Axel Boes