StartFührung & KommunikationMobile Gefechtsstände für die US Army

Mobile Gefechtsstände für die US Army

Advertisement

Print Friendly, PDF & Email

Anfang Dezember gab die US Army bekannt, dass die Initiative zur Einführung neuer Führungsfahrzeuge (expeditionary command-post) einen bedeutenden Meilenstein erreicht hat. Die Entwurfsphase dieses Projekts konnte abgeschlossen und mit der Integration begonnen werden.

Das Command, Control, Communications, Computer, Cyber, Intelligence, Surveillance and Reconnaissance Center der Army – auch als C5ISR Center bekannt – führt die Entwicklung und Konstruktion von zwölf integrierten Führungsfahrzeugen und zeltgestützten Gefechtsständen durch. Damit soll die Modernisierung der Teilstreitkraft weiter vorangetrieben werden. Das Ziel ist die Schaffung einer neuen und geschlossenen Kommandopostenstruktur, die mit einem kleineren Fußabdruck auskommt und die alten, unflexiblen Zeltlösungen ersetzt. Dabei dürfte auch die Analyse eines potentiellen Gegners und seiner Aufklärungsfähigkeiten durch große Drohnenverbände sowie die Größe seiner Artillerieverbände eine Rolle spielen. Analysen der US-Streitkräfte sowie der NATO besagen, dass alle taktischen Einrichtungen, die länger als acht Minuten stationär an einer Stelle verweilen, schnell durch die Drohnenverbände aufgeklärt werden können. Nur wenig später – in Abhängigkeit von der taktischen Bedeutung – können Artillerieschläge erfolgen. Daher sollen, wo immer möglich, stationäre Lösungen durch kleine und hochmobile ersetzt werden.

CPI2-Programm

Das Programm Command Post Integrated Infrastructure (CPI2) wird vom Office for Command, Control, Communications-Tactical verantwortet. Es vereint Dutzende von C5ISR-Infrastrukturkomponenten, um mehr Flexibilität, Mobilität und Anpassungsfähigkeit zu gewährleisten. Dabei müssen die neuen Systeme schneller und einfacher beweglich sein und gleichzeitig eine Kontinuität der Führung sicherstellen.

Dies entspricht den Forderungen fast aller modernen Streitkräfte, vor allem innerhalb der NATO. Nur die Umsetzung der neuen Erkenntnisse und Forderungen erfolgt dann doch recht unterschiedlich.

Die US Army begann das Projekt im März 2019 mit einer Reihe von Workshops. Dabei sollte vor allem festgestellt werden, wie Einheiten im taktischen Einsatz ihre Befehlsfahrzeuge und -gefechtsstände einsetzen. Im Anschluss wurden Entwürfe mit Unterstützung der Truppe – dem 3rd Brigade Combat Team, der 101st Airborne Division (Air Assault) – erstellt. Ein wesentlicher Aspekt des Programms besteht darin, zu verstehen, wie Nutzer die neuen mobilen Gefechtsstände in allen Betriebsphasen einsetzen. Dazu wurde sehr viel Wert gelegt, dass die taktischen Nutzer (Soldaten) und die technischen Entwickler Seite an Seite arbeiteten. Nur so konnten praxiserprobte Ideen entstehen.

Neue Ansätze

Große Gefechtsstände mit vielen Zellen bieten viele effektive Funktionen, aber ihre großen Signaturen machen sie auch leichter aufklärbar. Wegen der politisch-militärischen Neuausrichtung, aufgrund derer gleichrangigen Gegnern heute wieder auf Augenhöhe begegnet werden soll, soll mit der Entwicklung der neuen Technologien Effektivität und Überlebensfähigkeit in Einklang gebracht werden. Der Gegner verfügt über eigenen Aufklärungsmittel, und davon sogar sehr viele, und außerdem über weitreichende Waffen. Eigene Lufthoheit kann nicht mehr bedingungslos vorausgesetzt werden, wie dies zum Beispiel in Einsätzen wie Afghanistan, Irak oder Mali der Fall ist.

Die neuen Entwürfe umfassen eine beträchtliche Menge an C5ISR-Geräten, einschließlich Netzwerkkommunikation, Hardware und Software, Stromversorgungssysteme, Funkgeräte, Antennen, Server und Computer sowie Heiz- und Kühlaggregate. Jede Komponente verfügt über komplexe Schnittstellen, Verkabelung, Sicherheits- und Leistungsanforderungen, die berücksichtigt werden müssen.

Die Anzahl und Art der Fahrzeuge waren ebenfalls Teil des Experimentierprozesses, der auch Änderungen an den Standardfamilien in Nutzung befindlicher Fahrzeuge beinhaltete – in der mittleren taktischen Klasse bis hin zu ultraleichten All-Terrain Vehicles (ATV). Neben reinen Fahrzeugen wurden auch Lösungen auf Zelt- oder ISO-Containerbasis betrachtet.

Kürzlich konnte nun der Überprüfungsprozess für die Genehmigung und Fertigstellung von Entwürfen des CPI2 abgeschlossen werden. Das C5ISR-Center erstellt nun computergestützte 3D-Konstruktionsmodelle und -zeichnungen, die die technischen Pläne für die Änderung von drei Fahrzeugtypen enthalten. Anschließend werden die Fertigungs- und Integrationsphasen für die Erstellung eines voll funktionsfähigen Kommandopostens für die Brigade-Ebene fortgesetzt. Ziel ist es, eine zeitnahe Lösung vorzulegen, und unter zeitnah versteht die US Army weniger als ein Jahr.

Der „Expeditionsgefechtsstand“ soll in Zukunft eine schnelle Reaktion auf die Bedürfnisse der Army ermöglichen. Mit ihm soll die Integration von C5ISR-Systemen von fast zehn Organisations-Ebenen in der gesamten US Army in einen einzigen, agilen Gefechtsstand zusammengeführt werden. Das erste System soll im Juni 2020 an den Produktmanager CPI2 übergeben werden. Die Übergabe an das 3. Brigade Combat Team der 101. Airborne Division (Air Assault) ist für (das Finanzjahr) 2021 vorgesehen.

André Forkert