21 internationale Teams – so viele wie nie zuvor – stellten sich Mitte Juni auf dem Waffenplatz Thun in der Schweiz den Aufgaben des European Land Robot Trials (ELROB). Unter realitätsnahen Bedingungen testeten sie ihre unbemannten Bodensysteme in Szenarien wie Aufklärung, Konvoi und begleitendem Transport (»Mule«). Die fünftägige Veranstaltung machte zweierlei deutlich: Die Technologie hat spürbare Fortschritte gemacht, zugleich bestehen aber weiterhin erhebliche Fähigkeitslücken. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr vor allem die Themen Navigation und Autonomie.
Insgesamt fünf verschiedene Szenarien hatte das Team des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE, das ELROB seit 2006 alle zwei Jahre organisiert, auf dem ältesten und zugleich größten Waffenplatz der Schweiz vorbereitet. Neben den beiden Disziplinen Aufklärung und begleitendem Transport, in denen die Startplätze höchst begehrt waren, standen Konvoi, das Auffinden und Retten von Verletzten sowie die Aufklärung und Entschärfung von Kampfmitteln auf dem Zeitplan.

Orientierung am praktischen Bedarf der Streitkräfte
Bei ihren Vorbereitungen erhielten die Wissenschaftler wertvolle Unterstützung durch das Amt für Heeresentwicklung (AHEntwg) sowie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), wodurch die enge Orientierung am praktischen Bedarf der Streitkräfte sichergestellt war. Seit 2006 bringt zudem die NATO Research Task Group (RTG) 206 die internationale Perspektive in den Leistungsvergleich ein: Deren Mitglieder tagen regelmäßig während der Veranstaltung vor Ort. Ihre Ergebnisse und Standardisierungsvorschläge werden in das ELROB-Regelwerk eingebunden.
»Es ist dieses einzigartige Konzept, das die Veranstaltung auch 20 Jahre nach der Premiere so erfolgreich macht«, sagt ELROB-Initiator Dr. Frank E. Schneider, stellvertretender Leiter der FKIE-Abteilung »Kognitive Mobile Systeme«. »Hier treffen Forschung und Industrie, KMU und Start-ups, Bedarfsträger und Bedarfsdecker aufeinander und tauschen sich aus. Damit stellen wir sicher, dass sich die Veranstaltung stets am Puls der Zeit bewegt und aktuelle Entwicklungen aufgegriffen werden.
Teilnehmer reisen aus der ganzen Welt an
Einzigartig ist aber nicht nur das Konzept. Auch das internationale Teilnehmerfeld, das in diesem Jahr erneut aus ganz Europa, den USA und Kanada zur ELROB anreiste, macht den Leistungsvergleich zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung. In der Zeltstadt arbeiten die Teams rund um die Uhr an ihren robotischen Systemen, machen sie fit für den nächsten Durchgang, gehen auf Fehlersuche oder fachsimpeln mit den Kollegen. »ELROB erinnert immer auch ein wenig an ein großes Familientreffen«, sagt Schneider. »Der Wettbewerb gehört dazu – der offene Austausch untereinander und die Zusammenarbeit machen die Veranstaltung jedoch zu dem, was sie ist.«
Die Leistungen der Teams bewertete auch in diesem Jahr ein international besetztes Schiedsrichtergremium unter Leitung des Robotik-Experten Prof. Dr. Henrik I. Christensen. Die Jury stellte substanzielle Fortschritte bei der Automatisierung und Autonomie fest, wo es solide Ansätze bei der Navigation und Detektion gebe. Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz hingegen seien die Systeme »noch nicht in einem fronttauglichen Stadium«, so Schneider in seinem Fazit. »Insgesamt konnten wir kein System identifizieren, welches alle Anforderungen vollumfänglich erfüllt.«

Österreich ist Gastgeber der ELROB 2028
Besonders im bewaldeten Gelände zeigten sich weiterhin Grenzen automatisierter Fahrfunktionen. Insbesondere bei engen Durchfahrten oder dynamisch auftretenden Hindernissen hatten viele Systeme deutliche Schwierigkeiten. Schneider betont: »Marktverfügbarkeit ist nicht gleichzusetzen mit der Fähigkeit der Systeme, alle Anforderungen in den Szenarien vollständig zu erfüllen. Zwar sind die Fahrzeuge ausgereift, aber kein Komplettsystem aus Fahrzeug, Software und Bedienschnittstelle konnte die Herausforderungen überzeugend bewältigen.«
Ob und welche Fortschritte es bei den robotischen Systemen gibt, können die Teams erneut 2028 unter Beweis stellen: Dann organisiert das FKIE-Team den Leistungsvergleich auf dem eindrucksvollen Areal des Tritolwerks in Eggendorf. Gastgeber auf österreichischer Seite ist das Amt für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT) unter Leitung von Brigadier Jürgen Schlechter. Schneider: »Bereits 2016 und 2022 haben wir ELROB dort mit großem Erfolg durchgeführt. Jetzt freuen wir uns, unter der fachkundigen Leitung des ARWT die nächste Ausgabe vorzubereiten.«
Redaktion/sab











