StartS&T+Minenräumsysteme: Aktuelle Ansätze zum Öffnen von Sperren

Minenräumsysteme: Aktuelle Ansätze zum Öffnen von Sperren

Im Kalten Krieg war das Thema Überwachen und Öffnen von Sperren allgegenwärtig. Danach wurde es wie so viele Fähigkeiten vernachlässigt und die Minenräumung auf die Beseitigung von IEDs (Improvised Explosive Device) reduziert. „Dank“ der russischen Aggressionen und dem Überfall auf die Ukraine ist auch diese Fähigkeit wieder gefragt. Heute aber sicherlich breiter, als es damals der Fall war.

Wie können Sperren geöffnet werden? Ist der traditionelle (Minen-)Räumpanzer – Keiler, Rheinmetall Keiler New Generation, M1150 Assault Breacher Vehicle (ABV), VAB Génie, FFG WiSENT 1/2 MC, etc.  – noch das Mittel der Wahl? Denn heute gibt es mehr Optionen als den klassischen Kampfpanzer, der zur Minenbeseitigung umgerüstet wurde. Es stellen sich die Fragen nach bemannt oder autonom, Rad oder Kette sowie gepanzert oder geschützt.

Minenräumpanzer Keiler – hohe Räumsicherheit bei niedriger Räumgeschwindigkeit und hohem logistischen Aufwand.
Minenräumpanzer Keiler – hohe Räumsicherheit bei niedriger Räumgeschwindigkeit und hohem logistischen Aufwand. (Foto: Bundeswehr)

Entwicklungen in der Minenräumung

In den Schlachten der Westfront in den Jahren 1915 bis 1918 erstickte das (Artillerie-)Feuer jede Form des Bewegungskrieges schon im Ansatz. In den folgenden Kriegen des 20. Jahrhunderts war die Bewegung der dominierende Faktor auf dem Gefechtsfeld. Aktuell errichten sowohl die Ukraine als auch Russland Sperren, teilweise mit einer Tiefe von bis zu 1.000 Metern, und verhindern damit den Versuch des Gegners in den Bewegungskrieg überzugehen.

In der Zeit der „Friedensdividende“ haben die Streitkräfte ihren Fokus auf Räumsicherheit gelegt. Fräsen- und Schlegelsysteme können die Forderung nach einer Räumquote von bis zu 98 Prozent erfüllen, erreichen in der Praxis nach Angaben der Bundeswehr jedoch lediglich einer Räumgeschwindigkeit von weniger als 700 Metern pro Stunde und sind äußerst wartungsintensiv. Je langsamer die Räumgeschwindigkeit, desto mehr Zeit hat der Gegner, das Fahrzeug frühzeitig auszuschalten und die Öffnung seiner Sperre zu verhindern. Denn im Grundsatz wird jede Sperre überwacht.

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Diese Randbedingungen führten zu einem Umdenken der militärischen Führung weg von Fräs- und Schlegelsystemen hin zum Minenräumpflug und Minenräumleitern. Dabei nimmt man bewusst die geringere Räumquote beider Systeme in Kauf. Der Räumpflug bringt einen Teil der Minen zur Detonation, schiebt aber andere aus der Räumgasse. Dies resultiert in der zumindest theoretischen Möglichkeit, dass diese Minen wieder in die geräumte Gasse rutschen und nachfolgende Kräfte gefährden. Aber es wird mehr Geschwindigkeit geboten. Daher können letztere Systeme eher unter Kampfbedingungen eingesetzt werden, auch wenn sie immer noch hoch gefährdet sind.

Hydrema 910 MCV aus Dänemark

Ein Ansatz aus Dänemark ist das System Hydrema 910MCV (Mine Clearing Vehicle) V2. Dies ist ein 18 Tonnen schweres, hochmobiles Minenräumfahrzeug. Es ist darauf spezialisiert, sowohl Panzer- als auch Antipersonenminen sicher zu neutralisieren, und wird weltweit für militärische und humanitäre Räummissionen eingesetzt. Die Funktionsweise des Flächenminenräumsystems verläuft in zwei Richtungen: Das Fahrzeug fährt auf der Straße wie ein gewöhnlicher Lkw. Im Einsatzgebiet angekommen dreht sich die Besatzung um und fährt rückwärts über die zu räumende Fläche. Hierdurch entsteht eine größere Distanz zwischen Führerhaus und dem Räumwerkzeug.