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Dillion Aero ist ein etablierter Hersteller für nach dem Gatling Prinzip funktionierenden Waffen. Seit den frühen 90er Jahren fertigt das Unternehmen aus Scottsdale, Arizona Komponenten und Ersatzteile und seit 2003 auch das Gesamtsystem unter der Bezeichnung M134D, respektive darauf basierende Modifikationen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die nun als Prototyp vorgestellte Gatling im Kaliber .338 Norma Magnum auf genau dieser M134D basiert. Das Setup inklusive der Bedienelemente ist nahezu identisch. Dillon Aero hat sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu den Beweggründen der Entwicklung geäußert. So ist auch unklar, ob eine behördliche Stelle wie etwa das US Special Operations Command (US SOCOM) den Impuls gegeben hat. Es ist durchaus möglich, dass man bei Dillon Aero nur aufmerksam den Trend beobachtet hat und nun die Zeit als gekommen betrachtet, den Entwurf wenigstens als Technologidemonstrator zu präsentieren. Schliesslich ist spätestens seit 2017 klar zu erkennen, dass .338 eine Alternative zu Maschinenwaffen im Kaliber 7,62 x 51 mm sein kann, da Rückstoss- und Gewichtszunahme im Vergleich zur gesteigerten ballistischen Performance geradezu vernachlässigbar sind. Bestes Beispiel für diese Entwicklung ist die unlängst erfolgreiche Qualifikation des Maschinengewehr Entwurfs von SIG Sauer im besagten Kaliber für die US SOCOM.Über die technischen Parameter ist noch wenig bekannt. So sind im Vergleich zur M134D nur fünf anstelle von sechs Rohren zu einem Bündel zusammengefasst. Die Kadenz liegt bei 2500 Schuss pro Minute, sodass die Belastung der einzelnen Rohre wie bei der M134D bei 500 Schuss pro Minute liegt. Feuerdichte, eines der primären Vorteile bei Gatling Systemen, ist somit gerade einmal um 17 Prozent im Vergleich zu dem System im Kaliber 7,62 x 51 mm reduziert worden. Diese Einbußen scheinen bei der signifikant gesteigerten ballistischen Leistung auf den ersten Blick akzeptabel. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie das finale Gewicht der lafetetierten Waffe und der Rückstoss sich auf insbesondere leichten Trägersystemen auswirken werden. Auch ist nichts über die Lebensdauer der einzelnen Rohre oder des Gesamtsystems bekannt, welches laut Herstellerangaben bei der M134D bei 100.000 respektive 1.500.000 Schuss liegen.

Ein weiterer Aspekt ist das Munitionsgewicht, welches bei gegurteter .338 nicht zu vernachlässigen ist. Daher ist es naheliegend gewesen, dass Dillon Aero seinen Entwurf auf der SHOTShow 2020 zusammen mit dem Unternehmen True Velocity und dessen in Polymerhülse geladener Munition präsentierte. Ob die Verwendung von Polymerhülsen für Maschinenwaffen nach dem Gatlingprinzip bei aktuellem Entwicklungstand zuverlässig funktioniert und ob es Einfluss auf bereits gesetzte Benchmarks an Zuverlässigkeit hat ( Bei der M134D tritt im Schnitt laut Herstellerangaben nur alle 30.000 Schuss eine Störung auf) bleibt ebenfalls abzuwarten.

Sollte die .338 Version der Gatling von Dillion Aero die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen und zu einem serienreifen Produkt entwickelt werden, so könnte die Plattform eine deutliche Fähigkeitssteigerung bei leichten Trägerplattformen erbringen, für die bis dato Syteme im Kaliber .50BMG, wie z.B. die GAU-19 aus Strukturellen- und Gewichtsgründen keine Verwendung finden konnten und nur die M134D oder vergleichbare Systeme im Kaliber 7,62 x 51 mm in Frage kamen. Dies gilt insbesondere auch für die an Hardpoints montierbaren Pods welche für verschiedenste Luftfahrzeuge angeboten werden. Neben der Steigerung der Feuerkraft und Präzision ist auch die Erhöhung der Reichweite und die daraus resultierenden Standoff Performance für die Überlebensdähigkeit von Bedeutung.

Kristóf Nagy