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In einem Tweet vom 24. Juni erlaubt der Inspekteur Heer, Generalleutnant Alfons Mais, einen Blick in die Ausstattungsplanung für die Jägertruppe. Anlass war sein Antrittsbesuch beim Jägerbataillon 1 in Schwarzenborn.

In dem Tweet auf seinem offiziellen Kanal bekräftigt er noch einmal die Planung des Heeres, die in der Jägertruppe noch vorhandenen Waffenträger (WaTr) Wiesel durch einen „Kampfboxer“ zu ersetzen.

Dieses Fahrzeug soll aus dem Fahrmodul des Gepanzerten Transportkraftfahrzeuges (GTK) Boxer bestehen. Als Bewaffnung kommt ein 30 mm Turm sowie die Ausstattung mit dem Werfer des Typs MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) hinzu. Bei der MELLS Ausstattung geht diese einher mit den Planungen zur Ausstattung des Schützenpanzers (SPz) Puma sowie der Nutzungsdauerverlängerung beim Waffenträger Wiesel für die Fallschirmjägertruppe. Bei der Luftlandetruppe ersetzt MELLS das veraltete TOW-System.

In einem Bericht des Heeres 2019 steht dazu: „Infanteristen sind im Wesentlichen mit leichter Ausrüstung zu Fuß unterwegs. Künftig soll ihnen zusätzlich das schwer bewaffnete Gepanzerte Transportkraftfahrzeug (GTK) Boxer zur Verfügung stehen. (…) Die Einführung eines schweren Waffenträgers, des GTK Boxer mit einer 30 Millimeter Maschinenkanone, soll der Infanterie durch die hohe Reichweite und Feuerkraft neue taktische Möglichkeiten eröffnen.“

Die Idee, den Boxer so einzusetzen, wurde schon vor längerer Zeit unter dem Begriff PuBo (Puma-Boxer) geboren. Die Vorstellung im Heer war es, einen Radschützenpanzer aus schon eingeführten Anteilen zu kreieren, also aus dem Fahrzeugmodul GTK Boxer und dem Turm des SPz Puma als Missionsmodul. Damit wären alle Systeme eingeführt, inklusive Ausbildung und Sonderwerkzeugen. Aus wettbewerbstechnischen Gründen ist dies aber nicht so einfach, da es auf dem Markt noch andere Lösungen gibt. Neben dem „PuBo“ der Krauss-Maffei Wegmann wird der Boxer auch mit einem 30 mm Lance-Turm von Rheinmetall angeboten. Aus Berlin ist zu hören, die Auswahlentscheidung sei schon für den Lance-Turm gefallen. Dieses wurde bisher noch nicht offiziell bestätigt.

In seinem Tweet gibt der Inspekteur Heer den Bedarf mit 85 Stück an, frühere Planungen sahen bis zu 100 Fahrzeuge vor. Diese sollen dann in den 5. Kompanien, den schweren Kompanien der Jägerbataillone, zum Einsatz kommen. Er bittet gleichzeitig das Bundesamt für Ausrüstung, Infrastruktur und Nutzen der Bundeswehr, die Politik und die Industrie um eine rasche Umsetzung, damit die Fahrzeuge für die „Division 2027“ auch tatsächlich zur Verfügung stehen.

Schon bei der Ankündigung dieses Radschützenpanzers als Ersatz für den Waffenträger Wiesel fragten sich viele, wie ein Boxer den Wiesel ersetzen soll, da er aufgrund seiner Größe und seines Gewichtes nicht luftlandefähig ist. Der schwere GTK-Boxer soll nur die Wiesel der Jägertruppe, nicht die der Fallschirmjägertruppe ersetzen. Für letztere wird eine Nutzungsdauerverlängerung durchgeführt und danach ein neues Fahrzeug, der LuWa (Luftbeweglicher Waffenträger) eingeführt. Dafür wird derzeit ein erster Prototyp und Demonstrator entwickelt. Neben den Jägern soll auch das mit Boxer ausgestattete Gebirgsjägerbataillon 231 die neue Variante erhalten.

Mit der Umstrukturierung verlor die Jägertruppe die Fähigkeitsforderung nach der Luftlandefähigkeit. Damit ist der Wiesel in der Jägertruppe ein Relikt vergangener Tage. Die Forderungen zur Einführung neuer Fahrzeuge erfordern ganz andere Optionen, gerade in Bezug auf Größe und Gewicht. Ob es sinnvoll ist, die Forderung nach der Luftlandefähigkeit aufzugeben, soll an dieser Stelle nicht bewertet werden. Natürlich bietet der Boxer der Jägertruppe ganz andere Möglichkeiten im Bereich Durchschlagsleistung und Schutz. Wiesel und Boxer haben je nach Szenario ihre Vor- und Nachteile.

Wenn diese Boxer bereits Bestandteil der „Division 2027“ sein sollen, müssten die Fahrzeuge spätestens Mitte der zwanziger Jahre in die Truppe zulaufen. Somit muss der Beginn des Beschaffungsprozesses noch in den Jahren 2020/2021 liegen.

André Forkert