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Bei einer Anhörung in der Nationalversammlung bestätigte die französische Verteidigungsministerin Florence Parly die absolute Bereitschaft des Verteidigungsministeriums, die Verteidigungsindustrie zu unterstützen. In diesem Zusammenhang bestätigte Parly einen am 29. September 2020 getätigten Vertragsabschluss über die Lieferung von zehn NH90-Hubschraubern an die französischen Spezialkräfte. Gemäß Angaben der französischen Rüstungsagentur DGA handelt es sich dabei um eine Umwidmung eines zu einem früheren Zeitpunkt geschlossenen Vertrages. Aus dem dort noch nicht ausgelieferten Anteil sollen nun zehn der Hubschrauber nicht in einer regulären, sondern in einer Spezialkräfteversion beschafft werden.

Die Spezialkräfteversion der NH90 basiert nach Angaben von Airbus Helicopters (siehe Infografik) auf der TTH Version der NH90 und soll französischen Presseberichten zufolge im 4. Spezialkräfte-Hubschrauberregiment eingesetzt werden.

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(Grafik: Airbus Helicopters)

Der Hubschrauber soll 20 Kommandosoldaten aufnehmen können und ein umfangreiches Ausrüstungspaket enthalten, das es der Maschine ermöglichen wird, auch bei sehr schlechten Sichtverhältnissen zu operieren. Dazu gehören beispielsweise die neue Optronik Euroflir 400 von Safran, ein Bildsystem, welches Informationen aus dem Cockpit für den im Transportraum des Hubschraubers sitzenden Einsatzleiter dupliziert. Daneben werden auch neue Pilotenhelme von Thales eingeführt. Weitere Modifikationen des Hubschraubers erlauben zusätzliche Möglichkeiten für Absetzverfahren (Fast-Roping und Rappelling) aus den Seitentüren sowie der Heckrampe. Die Spezialkräfteversion des Hubschraubers wird es auch erstmalig ermöglichen beide Seitentüren gleichzeitig mit einem schweren Maschinengewehr (M3M von FN-Herstal) zu bewaffnen. Die ersten fünf Maschinen sollen im Jahr 2025 ausgeliefert werden, die nächsten fünf im Jahr danach.

Für das europäische Herstellerkonsortium NH Industries, zu dem Airbus Helicopters, der italienische Hubschrauberhersteller Leonardo und die niederländische Firma Fokker gehören, ist dies ein entscheidender Schritt, da mit diesem Muster eine Lücke in dieser Produktklasse für Spezialkräftehubschrauber geschlossen wird. Dies könnte auch den Weg für weitere Aufträge aus NH90-Nutzerstaaten ebnen.

Waldemar Geiger