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Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat den ersten Zwischenbericht zur Reform des Kommandos Spezialkräfte vorgelegt. Er ging zunächst an den Bundestag, wo er am Mittwoch im Verteidigungssausschuss diskutiert werden soll.

Im Großen und Ganzen gibt es nur eine wirkliche Neuigkeit, die Insidern freilich schon früher bekannt war. So lässt sich das Fehl von 62 Kilogramm Sprengstoff und Munition auf Buchungsfehler zurückführen.

Ansonsten listet das Dokument die beschlossenen Maßnahmen und deren Stand der Umsetzung auf. Eine der einschneidensten Aktionen ist umgesetzt, nämlich die Auflösung der 2./-. Andere Maßnahmen sind langfristiger angelegt. So erfolgt die Ausgliederung großer Teile der Ausbildung an das Ausbildungszentrum Infanterie. Zudem soll es neben mehr Logistikpersonal auch mehr Innere Führung geben. Ein Rotationsverfahren bei der Besetzung von Dienstposten soll den Austausch des Kommandos mit der Linientruppe gewährleisten. Weiterhin begleiten mehr Psychologen die Anwärter beim neuen, zwei Wochen längeren Potentialfeststellungsverfahren. Die Aspiranten werden, so ist zu hören, unter großer physischer und psychischer Belastung beispielsweise zu ihrer Einstellung zu aktuellen gesellschaftspolitische Themen befragt. Weiterhin soll ein neues vierstufiges Sicherheitsüberprüfungsverfahren dafür sorgen, dass Extremisten nicht dorthin kommen, wo sie absolut nichts zu suchen haben – und hierzu zählen Spezialkräfte natürlich.

In den sozialen Medien zeigen sich die Bundesministerin der Verteidigung und der Generalinspekteur mit den Maßnahmen zufrieden. Sie seien hart, aber gerechtfertigt gewesen. Die „Mauer des Schweigens“ beginne zu bröckeln. Die Kräfte innerhalb des Kommandos, die dieses nach vorne bringen wollten, würden gefördert. Über die weitere Umsetzung sollen weitere Zwischen- und der Abschlussbericht im Sommer nächsten Jahres informieren.

Die Feststellung der Ministerin gleich zu Anfang ihres Video-Statements, dass die absolut überwiegende Anzahl der Soldatinnen und Soldaten auf dem Boden des Grundgesetzes stünde und dass dies auch für das KSK gelte, ist ein gutes Signal. Denn eine Voraussetzung für den Einsatzerfolg von Spezialkräften als strategischem Hochwertinstrument bleibt das Vertrauen von Politik und Gesellschaft in ihre Kommandos.

Hoffnungsvoll stimmt darüber hinaus, dass der Befehlshaber des Einsatzfühungskommandos der Bundeswehr evaluiert, wie andere Staaten ihre Spezialkräfte aufgestellt haben. Es bleibt zu hoffen, daß in diesem Zuge der Gedanke eines teilstreitkräftegemeinsamen Spezialkräftekommandos wieder betrachtet werden wird. Das wäre eine wirkliche strategische Reform, die die militärische Schlagkraft der Bundeswehr und damit nicht zuletzt die sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit der Bundesrepublik Deutschland stärken würde.

Jan-Phillipp Weisswange