Erste Mobilitätstests mit Robotik-Kampffahrzeug Type-X

Gerhard Heiming

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Ein gutes halbes Jahr nach der Ankündigung von Milrem Robotics hat das Robotik-Kampffahrzeug Type-X (Robot Combat Vehicle, RCV) den Weg vom Reißbrett zum Erprobungsgelände geschafft. Erste Mobilitätstests haben das Fahrzeugkonzept bestätigt. Jetzt beginnt die Optimierung der installierten Komponenten. Von den acht Varianten (Kampf, Fliegerabwehr- und Artillerieradar, Fliegerabwehr, Panzerabwehr, Mörser, Transport und Bergung) steht derzeit die Entwicklung des Kampffahrzeugs an erster Stelle.

Der Type-X ist eine modulare Plattform, die das Fähigkeitsspektrum von bemannten Kampf- oder Schützenpanzern ergänzen soll. Für den voll- oder teilautonomen Betrieb hat der Type-X einen Hybridantrieb erhalten, der in Kombination von Batterie, Treibstofftank, Elektro- und Dieselmotor einen wahlweise nahezu lautlosen Fahrbetrieb ermöglicht. Dazu trägt auch die Gummikette bei. Die Reichweite wird mit ca. 600 km angegeben.

Als Bewaffnung ist wahlweise eine 50-mm- oder 30-mm-Kanone, ergänzt durch ein Koaxial-Maschinengewehr, vorgesehen. Darüber hinaus trägt der Turm Mehrfachraketenwerfer auf beiden Seiten sowie Wurfbecher für Nebel- bzw. Sprenggranaten. Die Bestückung ist beispielhaft und kann dem Bedarf zukünftiger Nutzer angepasst werden.

Mit 30-mm-Kanone kann der Type-X aus der Luft abgesetzt werden. Bei zwölf Tonnen Gefechtsgewicht kann das Roboterfahrzeug in Transportflugzeugen wie Lockheed Martin C-130J oder Embraer KC-390 transportiert werden. Die Airbus A400M trägt zwei, die Boeing C-17 Globemaster sogar fünf Type-X.

Von den acht Varianten (Kampf, Fliegerabwehr- und Artillerieradar, Fliegerabwehr, Panzerabwehr, Mörser, Transport und Bergung) steht derzeit die Entwicklung des Kampffahrzeugs an erster Stelle. (Foto: Milrem Robotics)

Für die Fahrzeugführung können verschiedene Autonomiegrade gewählt werden. Neben der Folgefunktion, bei der das Fahrzeug einem Vorausfahrenden oder Vorausgehenden folgt, sind die Wegpunktnavigation und Fernsteuerung (man-in-the-loop) die bedeutenden Verfahren. Eine neuartige Hinderniserkennung mit künstlicher Intelligenz ermöglicht höhere Geschwindigkeiten bei ferngesteuerten Operationen im Gelände.

Damit kann der Type-X bei Kampfeinsätzen die gefährlichsten Aufgaben und Positionen übernehmen, ohne dass eigenes Personal einer Gefährdung ausgesetzt werden muss. Das geringe Gefechtsgewicht von nur zwölf Tonnen ermöglicht das Befahren wenig tragfähigen Brücken, Wegen und Geländeabschnitten. Dabei ist das Fahrzeug wegen seiner geringen Höhe und des lautlosen Elektroantriebs über Gummiketten schwer aufzuklären.

Für die Zuverlässigkeit hat Milrem in den Type-X ein System zur Zustandsüberwachung der Komponenten integriert, das vorausschauende Wartung ermöglicht, um lange ununterbrochene Betriebsdauern zu erreichen. Durch Verwendung von schnell auswechselbaren Baugruppen (Line Replacement Units) bleiben Standzeiten für die Instandsetzung kurz und die Lebenszykluskosten gering.

Die Entwicklung des Type-X mit Unterstützung der Streitkräfte eines nicht näher bezeichneten Landes soll bis Mitte 2023 zu einem marktreifen Produkt führen.

Gerhard Heiming