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Das Falcon IV AN/PRC-167 stellt die neueste Generation von Mehrkanal-Manpacks von L3Harris dar, welches unter anderem das zukünftige Standard-Manpack-Funkgerät der US-Spezialkräfte sein wird. So wurde erst im Oktober 2020 seitens des U.S. Special Operations Command (USSOCOM) die Beschaffung von AN/PRC-167-Geräten im Wert von 82 Millionen US-Dollar eingeleitet.

Nach Aussagen eines Vertreters von JK Defence, dem L3Harris-Vertriebspartner in Deutschland, darf das Funkgerät seit jüngstem auch in Deutschland angeboten werden. Ein Grund sich das AN/PRC-167 genauer anzuschauen.

Das AN/PRC-167 greift die Architektur des seit Jahren im Einsatz befindlichen AN/PRC-163 Handhelds auf, beide bieten 2+1 Kanäle. Das neue AN/PRC-167 erweitert die Nutzungsmöglichkeiten aber dahingehend, dass auf beiden Kanälen die gesamte Bandbreite von 30 MHZ bis 2600 MHz zur Auswahl steht. Das wiederum ermöglicht die Nutzung in den höheren harmonisierten NATO-Bändern (MIL-Band III), wo sowohl die Frequenzen als auch die Bandbreiten verfügbar sind. Beim AN/PRC-167 beträgt die maximal mögliche Bandbreite 40MHz, wohingegen das L3Harris PRC-158 auf 10MHz breiten Kanälen den Betrieb erlaubt.

Dank dieser großen Frequenzbandbreite erhöht sich die Flexibilität, denn der Nutzer kann im Einsatz auf das so genannte „Spectrum of Opportunity“ zugreifen, also die insgesamt verfügbaren Frequenzen. Dabei wird die Auswahl der verfügbaren Frequenzen durch kognitive Verfahren des Funkgeräts unterstützt. Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn im Einsatz(-land) kein behördliches Frequenzmanagement erfolgt.

Das Funkgerät liefert gleich seine eigenen Apps mit. Diese werden von L3Harris als sog enannte WebUI-Apps bezeichnet und unterstützen beispielsweise die Überwachung des Spektrums mit L3Harris „Spectrum Analyzer“. Der Zugriff erfolgt einfach vom Enduser-Device über den Browser. Eine weitere WebUI App, welche nativ auf dem Radio verfügbar ist, ist TacChat. Diese App dient der einfachen schriftlichen Kommunikation und dem Austausch von Sensorinformationen. Die USB-Schnittstelle des Funkgerätes erlaubt auf diese Weise die einfache Übertragung von Digitalkamera-Bildern. Die App „Soft KDU“ ermöglicht die Steuerung des Funkgerätes über einen Bildschirm, in der vom Radio-MMI (Multi-Media Interface) gewohnten Art. Die Bedienung am PRC-167 ist identisch mit der vom PRC-117G bereits bekannten Logik.

Dank des integrierten Radio-GPS-Service ist über Force-Tracker auch die Darstellung von Kräften auf einer Karte möglich. Dieses verbessert das Situationsbewusstsein und beugt dem Beschuss eigener Kräfte (Blue-on-Blue) vor. Zur Anzeige und Übermittlung des eigenen Standortes ist militärisches SAASM L1/L2 GPS verbaut.

Das Falcon IV AN/PRC-167 Funkgerät hat die Maße (H/B/L) 8,89 x 18,41 x 36,34 cm und ein Gewicht von 5,85 kg – inklusive der Batterie. (Foto: L3Harris)

Das Funkgerät bietet eine Leistung von 250 mW bis 10 Watt in den V/UHF Betriebsarten und 20 Watt im SatCom-(Satellitenkommunikation)-Betrieb. Darüber hinaus ist es ist mit dem beim PRC-163 verfügbaren Missionsmodul kompatibel. Das Missionsmodul ist flexibel nutzbar und ist aktuell u.a. für den Empfang von ISR-Videodaten verfügbar (Rover). Damit werden die beiden vorhandenen Kanäle des PRC-167 um einen dritten für die Kommunikation etwa mit Drohnen oder anderen Luftfahrzeugen erweitert. Das Missionsmodul bietet mit seiner hohen Flexibilität auch die Möglichkeit, Wellenformen anderer Anbieter darauf zu portieren. Darüber hinaus bietet das AN/PRC-167 unter anderem das vom PRC-117G bekannte Black-LAN Interface. So können unter durchgängiger Nutzung der Type-1 / NATO-SECRET Kryptologie, auch kommerzielle Transportwege (bspw. Inmarsat) genutzt werden.

Das AN/PRC-167 kombiniert mit der neuen Wellenform „WRAITH“ die Vorteile vollvernetzter Breitband-MANET Verfahren, mit höchster Robustheit in Lagen mit Elektronischer Kampfführung (EloKa/EW). Die Erfahrung von sich weltweit im Einsatz befindlichen Funkgeräten, gegenüber militärischen Gegnern mit qualifizierter EloKa (sog. „Near peer adversaries“) floss in die Entwicklung dieser robusten, kognitiven Wellenform ein. Gerade die aktuellen Einsätze in Syrien, der Ukraine und Berg-Karabach zeigen, wie extensiv EloKa dort genutzt wird.

Das AN/PRC-167 hat eine Zulassung bis NATO TOP SECRET. Es verfügt über so genannte Multiple Levels of Security (MLS) was bedeutet, dass in Verbindung mit den leistungsfähigen Crossbanding-Features auf allen Kanälen unterschiedliche Informationsklassifizierungen und Übertragungsverfahren (Wellenformen) genutzt werden können. So kann auf einem Kanal in Richtung erster Meile mit niedriger Einstufung gearbeitet werden, während auf dem zweiten bzw. dritten Kanal Informationen höherer Einstufung geteilt werden. Die Sicherheits-Architektur vermeidet dabei den ungewünschten Rückfluss von Daten, wie etwa Luftlage oder Blueforcetracking-Informationen höherer Hierarchieebenen. Zudem ist das Funkgerät fähig, die SATURN-Wellenform zu nutzen und besitzt einen integrierten taktischen Router.

André Forkert