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Der im russischen Staatsbesitz befindliche Rüstungskonzern Rostec hat Ende letzter Woche eine neu entwickelte Nebelmunition zur Steigerung des Schutzes gegen Präzisionsmunition vorgestellt. Entwickelt wurde die Patrone vom Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Präzisionsmaschinenbau (TsNIITochMash). Dem Fachpublikum soll das neue System Ende August im Rahmen des siebten internationalen Militärtechnik Forum in Kubinka genauer vorgestellt werden.

Das im westrussischen Klimowsk gelegene, 1944 gegründeten Zentralen Forschungsinstitut für Feingerätetechnik TsNIITochMash, welches zur staatlichen russischen Holding Rostec gehört, hat bereits Erfahrung mit der Entwicklung von Schutzsystemen für Fahrzeuge der russischen Streitkräfte. Die aktuell vorgestellte Munition im Kaliber 76 mm hat gemäß Herstellerangaben ein beachtliches Gewicht von 2800 g.

Verschossen wird der Nebelkörper aus einem Werfer mit vier Rohren, welcher an unterschiedlichen Fahrzeugen montiert werden kann. Der laut Rostec Pressemitteilung aus Aerosol und Düppeln bestehende, faktische Multispektralnebel soll mit seiner Werferanlage leicht in bestehende und zukünftige Fahrzeuge integriert werden können.

Nach Detonation der Verzögerungsladung entsteht eine effektive und großflächige Sichtlinienunterbrechung in einem breiten elektromagnetischen Spektrum. Dadurch werden direkt oder über Tagessichtkameras gelenkt Waffen genauso gestört wie lasergelenkte Wirkmittel. Dabei ist es unerheblich, ob die Zielführung manuell, teil- oder vollautomatisch erfolgt. Zudem ist zu vermuten, dass IR- und auch IIR-Systeme effektiv durch Täuschkörper abgelenkt bzw. geblendet werden können. Wieweit der Nebelvorhang bei der Größe der Patrone und des Werfers auch dynamische aus der Bewegung aufrechterhalten werden kann ist jedoch fraglich.

Die Vorstellung des Systems kommt zu einer Zeit, wo nicht zuletzt durch die Erfahrungen des Konfliktes um Berg-Karabach die Exportchancen für Abwehrmittel gegen Drohnen und Loitering Munition deutlich gestiegen sind. Im Rahmen eines mehrschichtigen Abwehrkonzeptes kann Multispektralnebel integriert in einen Sensor/Effektor Verbund einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Überlebensfähigkeit von Fahrzeugen leisten. Des Weiteren ist der Schutz gegen weiterhin relevante Systeme wie panzerbrechende Lenkflugkörper mit unterschiedlichsten Steuerungssystemen unverändert von Bedeutung.

Kristóf Nagy