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Die Bundespolizei und weitere Kolleginnen und Kollegen europäischer Polizeibehörden führten vom 21. Juni bis zum 24. Juni 2021 die maritime Übung SEAL 21 durch. Dabei standen der Einsatz und das internationale Zusammenwirken von Spezialkräften bei maritimen Gefahrenlagen im Mittelpunkt. Die Übung wurde am 24. Juni 2021 erfolgreich und ohne Verletzte beendet. Unterstützt wurde die Bundespolizei dabei, wie bereits in den Jahren zuvor, vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Die Herausforderung in diesem Jahr bildete eine ganz besondere Kooperation: Neben den Kräften der Bundespolizei – vornehmlich aus den Direktionen 11 Spezialkräfte und Bad Bramstedt – waren europäische Spezialeinheiten des ATLAS-Verbundes aus Finnland, Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Schweden in das Übungsszenario eingebunden.

Der ATLAS-Verbund ist ein Zusammenschluss von derzeit 38 polizeilichen Spezialeinheiten der EU-Mitgliedsstaaten und assoziierten Staaten zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit insbesondere auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung. Gemeinsam mit der GSG 9 der Bundespolizei, dem Flugdienst der Bundespolizei und der Bundespolizei See übten sie an mehreren Tagen auf der Ostsee nordöstlich von Rügen. Die Verantwortung für die Übungsdurchführung lag bei der GSG 9 der Bundespolizei, im engen Benehmen mit den Einsatzkräften der Expert Group (EG) Naval.

Das Übungsszenario sah vor, die Bewältigung einer maritimen Gefahrenlage bei einem terroristischen Angriff an Bord einer auf See befindlichen Fähre gemeinsam mit den europäischen Partnern zu trainieren. Unter anderem standen Annäherung, Nehmen der Fähre und das taktische Abarbeiten der Lage an Bord im Fokus. An Bord der Fähre wurden diverse Gefahrenszenarien und deren Lösung realitätsnah nachgestellt und geübt – darunter auch einsatzmedizinische Maßnahmen.

Bei der Übung bewährten sich die neuen Bundespolizei-Schiffe der POTSDAM-Klasse. Durch ihre Größe, ihren Aktionsradius, das Hubschrauberlandedeck, die Möglichkeit der Aufnahme besonderer Einsatzmittel der GSG 9 sowie das Führen der Gesamtlage von Bord aus, schaffen diese neuen Schiffe die Voraussetzung, autark ohne landseitige Unterstützung zu operieren. So konnten die GSG 9-Einsatzkräfte parallel mit Mehrzweckbooten und Polizeihubschraubern von den Einsatzschiffen aus starten, den Zugriff einleiten und die Gefahrenlage erfolgreich bewältigen. Auch die internationalen Kräfte waren mit ihren Einsatzmitteln, Schiffen aus Finnland und Schweden sowie einem finnischen Polizeihubschrauber eng in die Lagebewältigung eingebunden.

Bundespolizei-Einsatzschiffe der POTSDAM-Klasse: Die drei neuen hochseefähigen Einsatzschiffe stellen einen technologischen und einsatzoptimierten Quantensprung in der Schiffsausrüstung und der Aufgabenerfüllung der Bundespolizei See dar. Die 86,20 m langen und 13,40 m breiten Mehrzweckschiffe mit einer Bruttoraumzahl von 1980 erreichen eine Geschwindigkeit von 21 kn. Hinsichtlich Verdrängung und Größe gleichen sie den Korvetten der Klasse K130 (1.870 t) der Deutschen Marine und zählen weltweit zu den größten Polizeischiffen. Sie verfügen über Stellplätze für Missionscontainer und über ein Hubschrauberdeck für den Einsatz (Start und Landung) des Hubschraubers vom Typ H225 Super Puma. Auch besitzen sie einen kleinen Hangar für den möglichen Betrieb von Aufklärungsdrohnen. An Bord können 48 Personen untergebracht werden. Dazu zählen vor allem Spezialkräfte der Bundespolizei (GSG 9). Zur Bewaffnung bzw. Selbstschutz gehört ein 57-mm-Geschütz von Bofors/Schweden. (Foto: Bundespolizei)

Positives Fazit

Die Präsidenten der übenden Bundespolizeidirektion 11 und Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt sowie der Kommandeur der GSG 9 der Bundespolizei ziehen ein positives Fazit.

„Die diesjährige ATLAS Übung war für den Ausbau der maritimen Kompetenz polizeilicher Spezialkräfte von erheblicher Bedeutung. Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern trainierten wir professionell und zielgerichtet die Bekämpfung von Terrorangriffen auf See. Die Übung war ein voller Erfolg. Unser Ziel, die Leistungsfähigkeit der beteiligten Einheiten im nationalen und internationalen Verbund bei der Bewältigung von maritimen Sonderlagen zu steigern, haben wir erreicht. Wir sind gut aufgestellt und werden uns weiter professionalisieren“, so Präsident Olaf Lindner, Bundespolizeidirektion 11.

Präsident Horst Kriesamer, Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, fügt hinzu: „Der Übungsverlauf hat aufgezeigt, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen der letzten Monate zur Bewältigung komplexer polizeilicher Lagen auf See Früchte getragen haben. Der eingeschlagene Kurs stimmt. Wir werden ihn fortsetzen.“

Jerome Fuchs, Kommandeur der GSG 9 und Head of EG Naval stellt die besonderen Herausforderungen dieser Übung heraus: „Da wir seegestützt arbeiteten, kam der Kommunikation ebenfalls eine große Bedeutung zu. Einsatzschiffe, Hubschrauber und Mehrzweckeinsatzboote mussten vor und während der Zugriffphase durch ein gemeinsames Führungselement koordiniert werden. Dieses Einsatzverfahren gilt als eines der körperlich und taktisch anspruchsvollsten unter den Spezialeinheiten. Die Expert Group Naval hat einen weiteren Entwicklungsschritt genommen, dafür bedanke ich mich ausdrücklich bei unseren europäischen Partnern des ATLAS Verbundes.“

Parallele Workshops des BSH

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie organisierte den diesjährigen Workshop SEAL UNITEX zum ISPS-Code an Bord der Fähre. Aufgrund der Besonderheit der Einbindung europäischer Spezialeinheiten in diesem Jahr, war ein Schwerpunkt des Workshops die Optimierung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der maritimen Sicherheit. Daneben wurden auch die reedereiinternen Sicherheitssysteme einem Praxistest unterzogen. Ziel war es, Vorgehensweisen bei Gefahren im internationalen Seeverkehr zu entwickeln, zu erproben und zu verbessern.

Grundlage für diese Übungen ist ein internationales Abkommen, der „Internationale Code für die Gefahrenabwehr an Bord von Schiffen und in Hafenanlagen – ISPS-Code“. Der nach dem 11. September 2001 in Kraft gesetzte ISPS-Code regelt den Zugang zu Schiffen und Hafenanlagen. Das Regelwerk soll verhindern, dass Schiffe und Hafenanlagen zum Ziel von Terroristen oder durch Terroristen zur Waffe werden. Als maritimer Bundesoberbehörde obliegt dem BSH die Umsetzung dieser Vorgaben.

Das BSH ist für die Überprüfung der Gefahrenabwehrsysteme auf deutschen Seeschiffen zuständig. Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) veranlasst das BSH regelmäßig Übungen mit unterschiedlichen Gefährdungsszenarien. Die Bundespolizei ist für die Vorbereitung, Organisation und praktische Durchführung der konkreten Übung verantwortlich. Damit sollen die Schutzmaßnahmen für Schiffe auf hoher See regelmäßig überprüft und stetig verbessert werden. Eine Verwaltungsvereinbarung zwischen der Bundespolizei und dem BSH von 2016 bildet die Grundlage für eine dauerhafte Zusammenarbeit mit praktischen Übungen zur maritimen Gefahrenabwehr.

Jan-Phillipp Weisswange