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Die kroatische Unmanned Ground Vehicle (UGV) Schmiede DOK-ING plant mit dem Komodo die Reihe erfolgreicher und in der Praxis nutzbarer UGV fortzusetzen. Das mit finanzieller Unterstützung des europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESI-Fonds) entstandene Fahrzeug ist wie seine Vorgänger auch für den Einsatz in besonders gefährlicher Umgebung ausgelegt und weist eine besondere Spezialisierung für Missionen in einer CBRN Umgebung auf.

Der 1992 in Zagreb gegründete und ansässige Hersteller DOK-ING ist international bekannt für seine unbemannten Bodenfahrzeuge. Die Palette der möglichen Applikationen reicht vom Räumen von Minen über EOD und Feuerlöschaufgaben bis hin zur Überwachung von Räumen. Über ein Dutzend Streitkräfte haben bereits ein UGV aus kroatischer Fertigung eingeführt, so auch die U.S. Army, wo aktuell 41 MV-4 Minenräumsysteme verwendet werden. Auch die von den russischen Streitkräften verwendeten Uran- 6 und Uran-14 UGVs basieren auf dem von DOK-ING entworfenen MV-4 bzw. MVF-5. Der nun vorgestellte Komodo ist Teil des Permanent Structure Cooperation (PESCO) Programms und soll als einheitliches System für die Länder der Europäischen Union (mit Ausnahme von Malta und Dänemark) angeboten werden.

Das laut Herstellerangaben 7,2 m lange und 2,3 m Breite UGV gehört mit einem Systemgewicht von 17 Tonnen zu den schwersten Fahrzeugen dieser Klasse. Der Antrieb erlaubt dennoch eine Marschgeschwindigkeit von bis zu 30 km/h. Die Entwickler entschieden sich eigenen Angaben zufolge bewusst für eine hybride Antriebslösung, um auch in einer Atmosphäre mit sehr geringem Sauerstoffanteil Missionen durchführe zu können. Für die primäre Rolle der Nutzung in kontaminierter Atmosphäre und mit Schadstoffen belastetem Gelände ist der Komodo mit einem umfangreichen Sensorikpaket zur Detektion von ABC-Bedrohungen ausgestattet, welches modular erweitert werden kann. Zudem können Proben von Gasen, Aerosolen oder Festkörpern für die spätere Auswertungen in Laboren im Einsatzgebiet genommen werden. Durch die Kombination von Kameras und einem LIDAR System ist auch bei stark eingeschränkter Sicht ein vollumfängliches Lagebild rund um das Fahrzeug verfügbar.

Dazu verfügt der Komodo über einen am Heck montierten multifunktionalen Arm, welcher in der Rolle als Kran bei einer Reichweite von 4 m bis zu 900 kg Last zu heben vermag. Als weitere Funktion kann der Roboterarm die Dekontamination von Gegenständen oder Fahrzeugen durchführen. Über den integrierten Löschmitteltank können zudem Feuerlöschaufgaben und auch das Kühlen des Fahrzeuges sowie eine eingeschränkte Selbstdekontamination durchgeführt werden. Eine am Fahrzeug angebrachte Dusche erlaubt das Dekontaminieren von einzelnen Personen.

Zusätzlich ist am Bug ein Räumschild mit integriertem Greifer verbaut. Mit dem Schild vermag das Fahrzeug Lasten und Barrieren bis zu einem Gewicht von zehn Tonnen zu verschieben respektive bis zu zwei Tonnen zu heben. Zudem kann Erdreich abgetragen werden, um die Dekontamination von Flächen zu ermöglichen. Die Reichweite für eine zuverlässige Funkfernsteuerung gibt DOK-ING bei ungestörter Sichtlinie mit 1,5 km an, was durchaus realistisch erscheint. Zudem verfügt das Fahrzeug über eine follow Me Funktion, um die Zusammenarbeit mit eigenen Kräften zu gewährleisten, sowie über eine KI basierende Hinderniserkennung.

Der DOK-ING Komodo ist ein interessanter Entwurf für ein Missionsprofil, in dem der Einsatz von eigenen Kräften idealerweise so weit wie möglich auf Maschinen reduziert werden sollte. Mit der partiellen Selbstdekontaminationsfähigkeit ist zudem eine Schwachstelle von automatisierten Spür- und Entgiftungssystemen adressiert worden. Des Weiteren ist abzuwarten, ob der Komodo den deutlich leichteren aber auch leistungsschwächeren MVF-5 UGV aus eigener Fertigung ablösen oder nur ergänzen wird. Schließlich zeigen beide Fahrzeugen bei genauer Betrachtung eine deutliche Überschneidung in ihren Fähigkeiten.

Kristóf Nagy