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Die ukrainische Nationalgarde hat diesen Dienstag mitgeteilt, dass alle aus der Sowjetära stammenden Gewehre aus dem Bestand genommen und durch neue Handwaffensysteme aus ukrainischer Fertigung ersetzt werden. Dies betrifft nicht nur die reinen Sturmgewehre, sondern auch die nach sowjetischer Nomenklatur in der Ukraine immer noch als Scharfschützengewehre bezeichneten Designate Markman Rifle (DMR) Plattformen.

Die ukrainische Nationalgarde ist eine paramilitärische Organisation, welche auf nationaler Ebene Aufgaben polizeilicher Natur wahrnimmt und auch über eigene spezialisierte Kräfte sowie Spezialkräfte verfügt. Die Modernisierung der Nationalgarde läuft bereits seit einigen Jahren und wird auch von der Europäischen Union finanziell sowie mit Ausbildungsmissionen unterstützt. So wurden beispielsweise einige geschlossene Einheiten mit modernem Körperschutz für Ordnungsdienstaufgaben ausgerüstet.

Die laut dem stellvertretenden Direktor der Logistik Abteilung der Nationalgarde, Oberst Serhiy Hrytsenko bereits begonnene Umrüstung umfasst die Einführung von Sturmgewehren des Typs UAR-15 bzw. UAR-10. Beide Waffen werden von dem für Sport- und Jagdwaffen bekannten und in Kiew ansässigen Hersteller Zbroyar gefertigt. Das 2007 gegründete Unternehmen war lange Zeit für seine Kleinserienfertigung von Präzisionswaffen wie dem Z-008 Gewehr bekannt. Ab 2011 begann Zbroyar mit der Montage des UAR-15 aus AR-15 Komponenten, welche vom im US-Bundesstaat Illinois ansässigen Produzenten Rock River Arms geliefert wurden. Mit zunehmender Weiterentwicklung der eigenen Fertigungskapazitäten und Technologien stellt die Handwaffenschmiede in Kiew heute alle Komponenten mit Ausnahme der Läufe und der Abzüge selber her. Als externer Lieferant für die noch benötigten Teile dient aktuell Daniel Defense. Gleiches gilt auch für die auf dem AR-10 basierenden UAR-10 Systeme, welche ebenfalls in die ukrainische Nationalgarde übernommen werden.

Die UAR-15 Plattform ist indes kein vollkommen neues System für die Beamten der Nationalgarde, wurde doch bereits letztes Jahr die eigene im Osten der Ukraine operierende Spezialeinheiten mit dem System ausgestattet. Auch die 10. schnelle Interventionseinheit mit der Bezeichnung DOZOR des Grenzschutzes und die KORD Spezialeinheit der nationalen Polizei erhielt im selben Jahr je ein Los UAR-15 Gewehre im Kaliber 5,56 mm x 45. Während die UAR-15 Gewehre die AK-74 und teilweise sogar noch vorhandenen AKM Systeme ablösen sollen, ist das UAR-10 im Kaliber 7,62 mm x51 dafür vorgesehen, das Dragunov SVD im Kaliber 7,62 mm x 54R zu ersetzten.

Interessant an der Ankündigung ist, dass sich Zbroyar gegen den über Jahre dominant erscheinenden ebenfalls ukrainischen Hersteller Fort durchsetzen konnte. Die im letzten Jahr bekanntgewordenen Lieferungen an Spezialeinheiten stellten eine noch recht geringe Stückzahl dar. Die ukrainische Nationalgarde, mit etwa 60.000 Beamten, stellt einen deutlich größeren kommerziellen Erfolg in Aussicht. Beachtenswert an dem Vorgang ist auch, dass sich das privat geführte Unternehmen gegen den im staatlichen Besitz befindenden Produzenten durchsetzen konnte.

Kristóf Nagy