StartFührung & KommunikationMAVIS – L3Harris entwickelt taktisches AR System

MAVIS – L3Harris entwickelt taktisches AR System

Kristóf Nagy

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L3Harris entwickelt ein als Mission Augmented Vision Information System (MAVIS) bezeichnetes Augumented Reality (AR) System für die taktische Nutzung in den Streitkräften. Dies gab das Unternehmen in einer Mitteilung bekannt. Ziel ist es, Informationen direkt und intuitiv im Sichtfeld des Nutzers darzustellen und so den Entschlussfassungs- und Führungsprozess zu erleichtern beziehungsweise zu beschleunigen. L3Harris hat diese Technologie für die Nutzung in Nachtsichtsystemen wie der Enhanced Night Vision Goggle – Binocular (ENVG-B) der U.S. Army zur Einsatzreife gebracht. Im nächsten Schritt sollen die Vorzüge der Technologie den Soldaten auch am Tag verfügbar gemacht werden.

Unter Augumented Reality, zu Deutsch erweiterte Realität versteht man das gezielte und künstliche Einspeisen von Informationen unter Zuhilfenahme der menschlichen Sinne in das Sichtfeld des Nutzers. Die Technologie hat neben dem militärischen Bereich auch in der Industrie oder des Katastrophenschutzes Einzug gehalten und beschränkt sich zumeist auf die visuelle Ebene, zum Beispiel in Form von Datenbrillen.

Laut Hersteller ist MAVIS ein unauffälliges, durchsichtiges, kompaktes und wegklappbares Display für den taktischen Einsatz, das dem Soldaten eine intuitive Visualisierung von einsatzspezifischen Daten bieten soll. Eingeblendete Wegpunkte, Routen und Ziele helfen dem Soldaten bei der Orientierung. Hierdurch soll der Soldat kognitiv entlastet werden und Verzögerungen, die durch die Nutzung von konventionellen Navigationshilfen wie Karte, Kompass oder auch einem GPS-Handgerät deutlich reduziert werden. Dabei projiziert das System Positions- und Navigationsdaten in Form von Symbolen auf ein dünnes, leichtes und robustes monokulares Objektiv, welches am Gefechtshelm befestigt werden kann. Dieses kann tagsüber als eigenständiges Gerät oder bei schlechten Lichtverhältnissen in Verbindung mit Restlichtverstärkern oder Wärmebildgeräten fusioniert betrieben werden. Hierdurch ist das MAVIS vollumfänglich nachtkampffähig.

Das Gesamtsystem bestehend aus einem sogenannten See-Through Head Mount Display (STHMD) sowie einem Batteriepack, welches auch die Benutzersteuerung beinhaltet, und wiegt zusammen etwa 900 Gramm. Das STHMD wird mit einem verstellbaren Arm an das Sichtfeld des Trägers angepasst und bietet ein 40-Grad-Sichtfeld, ein Vollfarbenauflösung von 1280 x 720 Pixeln und ein 4.500 cd/m2-Display.

Mission Augmented Vision Information System MAVIS Foto L3Harris
In das MAVIS-Display eingeblendete Wegpunkte, Routen und Ziele helfen dem Soldaten bei der Orientierung. (Grafik: L3Harris)

Leith Ames, Business Development Director bei L3Harris, hebt in der Stellungnahme des Unternehmens die benutzerfreundliche Bedienbarkeit und Adaptionsfähigkeit von MAVIS hervor. So kann der Nutzer grafische Oberflächen selber konfigurieren und auf die jeweiligen Einsatzanforderungen oder nach persönlicher Präferenz zugeschnitten anpassen. Über die Einbindung in ein Netzwerk von Sensoren erhält der Nutzer so ein deutlich erweitertes Lagebild für die eigene Entschlussfassung. Zudem sei das System auch mit älteren Nachtsehmitteln etwa der AN/PVS-31 und AN/PVS-31A Baureihe rückwärtskompatibel. Auch ist MAVIS mit den Systemen wie Nett Warrior oder dem Tactical Assault Kit der US-Streitkräfte kompatibel. Die Verbindung zu den Netzwerken als auch die Bedienung des Displays mittels einer Fernbedienung kann kabellos über WIFI oder Bluetooth erfolgen.

Für den nächsten Schritt ist ein Technologiedemonstrator vorgesehen, welcher auch dem bereits erfolgten Feedback aus den Streitkräften basiert. Leith Ames betont, dass L3Harris MAVIS teilstreitkräfteübergreifend für Versuche zur Verfügung stellt, um im Laufe des Jahres noch mehr Erfahrungen und Nutzerrückmeldungen zu sammeln, welche dann in die Produktentwicklung einfließen werden. Einige Punkte sind laut Mitteilung des Unternehmens jedoch schon ausgemacht. So fokussieren sich die aktuellen Anstrengungen auf die Optimierung der Batterieleistung, sowie die Verbesserung der Benutzeroberfläche und der Ergonomie.

Kristóf Nagy