StartStreitkräfteDas Schweizer Taschenmesser im Brigadeformat – Mittlere Kräfte des Deutschen Heeres

Das Schweizer Taschenmesser im Brigadeformat – Mittlere Kräfte des Deutschen Heeres

Oberstleutnant i.G. Konrad Fuchs

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Mit der kontinuierlichen Verlegung russischer Truppen an die ukrainische Grenze in Verbindung mit umfassenden Übungsaktivitäten wächst Ende 2021 zunehmend die Sorge vor einer militärischen Intervention Russlands auf dem Territorium der Ukraine. Am 24.Februar 2022 führt Präsident Putin das aus, was viele zuvor für höchst unwahrscheinlich hielten – er beginnt einen Angriff auf die Ukraine.

Bereits am 2. Februar 2022 kündigt, aufgrund der zunehmenden Drohkulisse, ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums die Verlegung von US-amerikanischen Streitkräften in den Osten Europas an – unter anderem Kräfte eines „Stryker Brigade Combat Teams“ nach Rumänien. Außer einem „sichtbaren Beitrag zur Abschreckung an der NATO-Ostflanke“ wird der konkrete Auftrag nicht klar definiert: „They will be establishing themselves (…) to be able to respond to multiple contingencies and to conduct whatever missions are called on to do.“ Die Auswahl genau dieser Kräfte für die schnelle Verlegung bei relativ unklarer Auftragslage scheint kein Zufallsprodukt zu sein, sind die Mittleren Kräfte der U.S. Army doch so aufgestellt, dass sie Aufträge über das gesamte Intensitäts- und Aufgabenspektrum übernehmen können.

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U.S. 2nd Cavalry Regiment übt mit einem Gefechtsfahrzeug des Typs Stryker auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Januar 2022 (Foto: U.S. Army / Markus Rauchenberger)

Dazu verfügen sie zum einen über hohe taktische und operative Flexibilität, zum anderen verkörpern sie gleichzeitig die notwendige Robustheit für eine glaubwürdige Abschreckung. Auch in Deutschland gibt es derzeit Überlegungen zu Mittleren Kräften im Heer, um politischen Entscheidungsträgern eine größere Auswahl militärischer Handlungsoptionen anbieten zu können.

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Wozu „Mittlere Kräfte“ im Heer?

Die Zielvorstellungen für ein starkes Heer 2030+ sind in den vorläufigen operativen Leitlinien des Heeres aus dem Herbst 2021 nachzulesen. Die darin enthaltene Lagefeststellung knüpft an die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland und den Konflikt in der Ostukraine seit 2014 an und verdeutlicht die Notwendigkeit der Refokussierung von Strukturen und Fähigkeiten der Landstreitkräfte auf Bündnis- und Landesverteidigung. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine verdeutlicht die Notwendigkeit dieser Ausrichtung erneut auf dramatische Art und Weise – wie bereits 2014 wird der Begriff der „Zeitenwende“ genutzt.

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