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Bundeswehr führt NATO-Hauptquartier für Spezialkräfte

Ole Henckel

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Die Bundeswehr wird im kommenden Jahr als Rahmennation das Spezialkräftehauptquartier der Schnellen Eingreiftruppe der NATO (Very High Readiness Joint Task Force, VJTF) führen. Das sogenannte Special Operations Componant Comand (SOCC) plant und führt Spezialoperationen im gesamten Aktionsraum der NATO, bei Übungen und Einsätzen. Dies geht aus einer Mitteilung des Bundesministeriums der Verteidigung hervor.

Damit übernimmt Deutschland nicht nur die Führung der VJTF, sondern auch die des SOCC im kommenden Jahr. Das Special Operations Componant Comand ist ein multinationales Hauptquartier, das um die jeweilige verantwortliche Rahmennation gebildet wird. Die Zusammenstellung ist Missionsbezogen und auf den konkreten Auftrag zugeschnitten. Neben Deutschland, dass durch die Abteilung Spezialoperationen des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr vertreten ist, wird der Kernstab zusätzlich durch Expertinnen und Experten aus 16 weiteren Nationen verstärkt, wie das BMVg schreibt. Insgesamt umfasse das voll aufgestellte Kommando rund 200 Soldatinnen und Soldaten, davon rund die Hälft aus der Bundeswehr.

Sollte die VJTF aktiviert werde, plant und führt das SOCC Spezialoperationen im gesamten Aufgabenspektrum der NATO. Dabei könnte es sich laut Ministerium zum Beispiel um verdeckte Aufklärung hinter den feindlichen Linien, die Vernichtung strategischer Hochwertziele oder die Ausbildung und Beratung verbündeter Spezialkräfte handeln.

Die Einsatzbereitschaft des durch die Bundeswehr geführten SOCC wurde während der Übung Steadfast Jupiter 22 durch ein Prüfteam der NATO bescheinigt. Während der zweiwöchigen Übungen haben insbesondere Prozesse und Verfahren der Operationsplanung und -führung im Mittelpunkt gestanden. Zudem habe man auch Verfahren im Bereich der sanitätsdienstlichen Versorgung, der verdeckten Verlegung und Unterbringung im Einsatzgebiet sowie Aspekte der militärischen Sicherheit weiterentwickelt, so das Ministerium.

„Das Special Operations Component Command ist besonders gekennzeichnet durch das Zusammenbringen von Spezialkräften verschiedener Nationen. Denn die dort zusammengeführten unterschiedlichen Perspektiven, Denkansätze und die jeweils eigene kulturelle Sozialisation stellen einen immensen Mehrwert für die gemeinsame Auftragserfüllung dar“, sagt Flottillenadmiral Stephan Plath, der als Direktor Spezialkräfte der Bundeswehr teilstreitkräfteübergreifend für alle Einsätze der Spezialkräfte verantwortlich ist.

Weiterhin meldet das BMVg, dass die für die VJTF entwickelten Fähigkeiten auch nach 2023 ausgebaut werden sollen. Ziel sei ein verstetigtes SOCC mit einem aufwuchsfähigen Kernstab für Spezialoperationen im Einsatzführungskommando, der bei Bedarf schnell einsatzbereit ist. Denn die Bundeswehr müsse in der Lage sein, multinationale Spezialoperationen in jedem Bedrohungsszenario zu planen und zu führen.

Ole Henckel