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Türkische Fahrzeuge für estnische Infanterie

Gerhard Heiming

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Die estnische Beschaffungsbehörde Riigi Kaitseinvesteeringute Keskus (RKIK) (Zentrum für Verteidigungsinvestitionen) hat für 200 Millionen Euro bei den türkischen Herstellern von militärischen Fahrzeugen, Nurol Makina und Otokar, die Lieferung von rund 230 geschützten Radfahrzeugen in Auftrag gegeben.

Wie RKIK mitgeteilt hat, soll Nurol Makina das taktische Radfahrzeug NMS 4×4 liefern. Das Fahrzeug in der 10-Tonnen-Klasse wird dem Hersteller zufolge von einem 220-kW-Dieselmotor angetrieben und bietet bis zu neun Soldaten Platz. Der V-förmige Boden biete Schutz gegen Minen, der Schutz der Kabine könne mit modularen Schutzelementen der Bedarf angepasst werden. Als Bewaffnung ist dem Dach eine fernbedienbare Waffenstation mit 12,7-mm-Maschinengewehr installiert. Nurol Makina bietet zahlreiche Missionsvarianten an.

Otokar soll dem RKIK zufolge den 6×6 Arma liefern, ein geschütztes, amphibisches Fahrzeug in der 20-Tonnen-Klasse. Das Mehrzweckfahrzeug wird von einem 330-kW-Dieselmotor angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h. Der Bediener der Waffenstation mit schwerem Maschinengewehr bzw. Granatwerfer wird durch Panzerungselemente vor Beschuss geschützt. In der geschützten Kabine können nach Angabe von Otokar neben Kommandant und Kraftfahrer bis zu neun Soldaten untergebracht werden, abhängig von der jeweiligen Missionsausstattung. Über den Schutz sagt der Hersteller lediglich „auf dem Niveau von MRAP“.

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Die Verträge für die gepanzerten Radfahrzeuge haben dem RKIK zufolge eine Laufzeit von zehn Jahren und ermöglichen bei Bedarf die Beschaffung weiterer gepanzerter Fahrzeuge und Ersatzteile. Die Verträge umfassen neben den Fahrzeugen Dokumentation, Ausbildung, Spezialwerkzeuge und -ausrüstung sowie Ersatzteile. Darüber hinaus können auch Dienstleistungen für die Wartung, Reparatur und Entwicklung der Fahrzeuge in Anspruch genommen werden.

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„Der Schutz der estnischen Soldaten in gefährlichen Situationen hat für uns oberste Priorität. Angesichts der aktuellen Sicherheitslage haben wir in den Beschaffungsbedingungen betont, dass die Fahrzeuge so früh wie möglich in Estland eintreffen sollten“, sagte Karmo Saar, Category Manager für Luft-, See- und Kampffahrzeuge beim RKIK. Daher sollen die ersten geschützten Fahrzeuge 2024 in Estland eintreffen. Die leichteren NMS 4×4-Fahrzeuge gehen in die 1. und 2. Infanteriebrigade, während die 6×6 Arma als Truppentransporter in die 2. Infanteriebrigade gehen sollen.

Die beiden Länder wollen im Bereich der Verteidigungsindustrie zusammenarbeiten, wie aus einer Absichtserklärung hervorgeht, die die Verteidigungsminister Hanno Pevkur (Estland) und Yaşar Güler (Türkei) unterzeichneten. Mit einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem RKIK und der türkischen Agentur für die Verteidigungsindustrie soll die Versorgung mit Material und Dienstleistungen im Bereich gepanzerte Fahrzeuge sichergestellt und gemeinsame Schulungs- und Entwicklungsaktivitäten organisiert werden.

Gerhard Heiming