Im März stellte das finnische Rüstungsunternehmen Patria sein neues Selbstfahrgeschütz mit der Projektbezeichnung ARVE (ARtillery on VEhicle) bei einem Event in Lappland vor. Das System beruht auf dem beim finnischen Heer eingeführten 155K98 155-mm-Geschütz, mobil gemacht auf dem geländegängigen 8×8-LKw E13TP von Sisu. In diesem Monat führte die Firma nun eine Schießerprobung durch. Dabei wurden mehrere Dutzend Schuss sowohl im direkten als auch indirekten Feuer mit unterschiedlichen Rohrerhöhungen und Seitenrichtungen abgegeben.
Nach Angaben von Patria funktionierte die Waffe wie erwartet, auch mit größten Überdruckladungen. ARVE sei eine kostengünstige Lösung, die fortschrittliche Technologie und Leistung auf der Grundlage einsatzbewährter Subsysteme biete. Es sei modular und hinsichtlich Wartung, Ersatzteilen und Munition vollständig kompatibel mit der finnischen Artillerieflotte. Zugleich sei es auch kompatibel mit Munition und Feuerleitverfahren der NATO, könne auf jedem geeigneten Fahrgestell integriert und mit dem Feuerleitsystem des Kunden kombiniert werden.
ARtillery on VEhicle kann auch gegen Seeziele wirken
Das Unternehmen macht sich also offensichtlich Hoffnungen sowohl auf in- als aich ausländische Abnehmer und rechet schon einmal vor, dass eine Serienproduktion des vollständig in Finnland hergestellten Systems einen Beschäftigungseffekt von mindestens 70 Personenjahren in mehreren Provinzen haben würde. ARVE sei für harte, auch arktische Umweltbedingungen entworfen und verbinde hohe Mobilität und hohe Feuergeschwindigkeit. Auch der Einsatz gegen Seeziele sei möglich.
Das Geschütz 155K98, auch bekannt als 155 GH 52 APU, ist eine 155-mm-Kanonenhaubitze mit 52 Kaliber langem Rohr. Finnland stellte 56 Stück ab 1998 in Dienst und exportierte auch mindestens 16 nach Ägypten. Die Geschützmannschaft umfasst sieben Mann plus Fahrer, die Feuergeschwindigkeit beträgt sechs bis zehn Schuss pro Minute im Dauereinsatz oder drei Schuss in zwölf Sekunden beim Feuerschlag. Die Reichweite liegt bei 28 Kilometern mit Standardmunition und 42 Kilometern mit Base-bleed-Geschossen.
In der gezogenen Originalvariante wiegt das Geschütz zwischen 13,5 und 14,5 Tonnen und hat einen Deutz-Dieselmotor mit 78 kW, mit dem es auch ohne Zugmaschine mit einer Geschwindigkeit von maximal 15 km/h die Stellung wechseln kann. Für Ägypten wurde auch eine Variante als Panzerhaubitze auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers T-55 entwickelt. ARVE auf Sisu E13TP kommt auf 28 Tonnen Masse, hat eine hydraulische Stütze am Heck und kann 24 Schuss Munition transportieren. Das Fahrerhaus ist nach NATO-STANAG Level 2 geschützt und hat eine ABC-Schutzbelüftung.
Stefan Axel Boes



