Die polnischen Streitkräfte haben ihre ersten Kampfhubschrauber vom Typ Boeing Apache in Dienst gestellt. Drei Maschinen der Variante AH-64D trafen am 16. Juni auf dem Luftstützpunkt Inowrocław ein und wurden am folgenden Tag offiziell vom polnischen Heer übernommen. Dabei handelt es sich um die ersten von acht geleasten Hubschraubern dieser Version, auf denen vor allem die Ausbildung von Personal erfolgen soll. Polen hat außerdem 96 Apache der aktuellen Version AH-64E bestellt, die ab 2028 ausgeliefert werden sollen.
Polnisches Ausbildungspersonal hatte bereits seit 2023 in den USA auf dem Apache trainiert. Dieser soll beim Heer den Mil Mi-24 aus Zeiten des Warschauer Paktes ablösen. Der 2024 erteilte Auftrag für den AH-64E im Wert von zehn Milliarden US-Dollar (8,6 Milliarden Euro) wird Polen zum größten Betreiber des Typs außerhalb der USA machen. Die Kosten des Leasingvertrags für die AH-64D werden mit 300 Millionen US-Dollar (258 Millionen Euro) angegeben.
Apache ist Teil einer umfassenden Modernisierung
Polen plant, seine größtenteils aus ex-sowjetischen und inländisch produzierten Modellen des Kalten Krieges bestehende Hubschrauberflotte umfassend durch westliche Typen zu modernisieren. Derzeit werden etwa auch 32 AugustaWestland (jetzt Leonardo) AW149 als Ersatz für die noch vorhandenen 46 leichten PZL Mi-2 und einen Teil der 38 PZL W-3 bei den polnischen Heeresfliegern beschafft. Allerdings wurde kürzlich eine Bestellung von weiteren 32 Sikorsky S-70i Black Hawk gestoppt.
Grund sei eine Neubewertung von Prioritäten angesichts des Ukrainekrieges. Dies legt nahe, dass angesichts der Entwicklung unbemannter Systeme und der lebensfeindlichen Umgebung für Hubschrauber dort die Rolle des bemannten Drehflüglers insgesamt neu bewertet wird. Möglicherweise erwägt man aber eine größere Standardisierung der Flotte. Dafür könnten auch Kostengründe sprechen, nachdem man sich mit der großen Apache-Bestellung einen erheblichen Posten ins Ausgabenbuch geschrieben hat.
Stefan Axel Boes



