StartMobilitätVerspätung beim Puma S1

Verspätung beim Puma S1

Gerhard Heiming

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Die im Juni 2021 in Auftrag gegebene Nachrüstung der Schützenpanzer Puma, mit der u.a. die Panzer gefechtstauglich gemacht werden sollen, verzögert sich, wie das BMVg gestern mitgeteilt hat. Nach der Modernisierung der Panzer mit umfangreichen Verbesserungen auf den neuesten Konstruktionsstand sollten die ersten Gefechtsfahrzeuge Ende 2023 ausgeliefert werden.

Nach Angabe des BMVg wird sich die Abnahme der ersten Fahrzeuge auf Ende Februar 2024 verschieben. Grund seien notwendige Nacharbeiten insbesondere an der Software, die nach Angaben der Industrie im Februar 2024 abgeschlossen sein sollen. Trotz der Verzögerung in der Auslieferung sieht das Ministerium die wesentlichen Voraussetzungen für Erprobungs-, Ausbildungs- und Übungsvorhaben nach derzeitigem Stand noch als gegeben an.

Der Vertrag vom Juni 2021 sieht die Modernisierung von 154 Schützenpanzern Puma in wie Losen vor. Das zweite Los wurde im April 2023 abgerufen. Die Finanzierung erfolgt aus dem Sondervermögen Bundeswehr.

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Nach der Erklärung der Gefechtstauglichkeit durch den Inspekteur des Heeres, war im März 2021 der Konstruktionsstand Puma S1 festgeschrieben worden. Die neue Puma-Version S1 zeichnet sich unter anderem durch die Integration abstandsfähiger Effektoren wie des Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystems (MELLS), durch zusätzliche Sensoren wie das neue Fahrersichtsystem und eine verbesserte Führungsarchitektur aus. Das neue Rundum- und Fahrersichtsystem leitet das Ende der Ära des Winkelspiegels ein. Erstmalig kann die gesamte Besatzung bei Tag wie bei Nacht „durch die Panzerung“ sehen. Der Fusionsmodus verbindet die Tagessicht mit dem leistungsstarken Wärmebild und ermöglicht die frühzeitige Aufklärung getarnter Ziele bei Tag wie bei Nacht. Der Puma ist das erste westliche Gefechtsfahrzeug, das serienmäßig mit einem solchen System genutzt werden kann.

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Ein weiteres Merkmal des Schützenpanzer Puma S1 ist die Vorrüstung zur Aufnahme der Turmunabhängigen Sekundärwaffenanlage (TSWA) am rechten Fahrzeugheck. Die unbemannte Waffenstation TSWA dient dem Eigenschutz und kann nichtletale und letale 40-mm-Munition bis 400 m weit verschießen. Nach Abschluss der Entwicklung wird der Serienauftrag zeitnah erwartet.

Außerdem soll die Ausstattung mit SEM-Funkgeräten (SEM 80, SEM 90, SEM 93) durch die neue digitale querschnittliche Streitkräftegemeinsame Verbundfähige Funkgeräteausstattung (SVFuA) ersetzt werden. Die Bordverständigungsanlage SOTAS IP wird durch die aktuellere Version SOTAS IP6R erweitert. Das explosionssichere GPS-Navigationssystem ERGR (Explosion Resistant GPS Receiver) wird durch das Nachfolgesystem ERGR II ersetzt.

Laut Vertrag soll die Modernisierung des ersten Loses bis 2029 abgeschlossen sein. Mit 154 Panzern ist die Modernisierung allerdings nur für knapp die Hälfte der 350 Puma des Heeres in Auftrag gegeben. Wann der Auftrag für die restlichen Panzer erteilt werden soll, ist bisher noch nicht bekannt.

Gerhard Heiming