Bereits vor einigen Wochen berichtete „loyal“, die Zeitschrift des Reservistenverbands der Bundeswehr, unter Berufung auf einen Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung, dass der künftige Radschützenpanzer auf Boxer-Fahrgestell mit Puma-Turm den offiziellen Namen „Schakal“ erhalten solle. Alle Zweifel daran sind spätestens mit einer entsprechenden 25-Millionen-Euro-Vorlage im Haushaltsausschuss des Bundestages in dieser Woche beseitigt: Die Tagesordnung führt diese für einen Änderungsvertrag mit der europäischen Rüstungsagentur OCCAR zwecks Beschaffung von 150 Schützenpanzern Schakal auf.
Die Benennung des bisher offiziell schlicht als Boxer RCT30 und umgangssprachlich als „PuBo“ bezeichneten Fahrzeugs hatte lebhafte zoologische Diskussionen im interessierten Publikum ausgelöst. Der Schakal umfasst bekanntlich diverse in Südosteuropa, Teilen Afrikas und Asiens verbreitete wolfsähnliche Wildhundearten, die als opportunistische Fleisch- und Aasfresser nicht unbedingt einen guten Ruf haben. Wie die Paarung der deutschen Hunderasse Boxer mit der amerikanischen Raubkatze Puma zum Schakal führte, erschloss sich auch biologisch nicht unbedingt.
Schakal hat Turm und Absitzstärke des Pumas
Abseits solcher Überlegungen steht mit der parlamentarischen Befassung nun der entscheidende Schritt zur Einführung des künftigen Radschützenpanzers für die Mittleren Kräfte der Bundeswehr bevor. Dieser soll die Panzergrenadierbataillone der Panzerbrigade 21 und der Panzergrenadierbrigade 41 ausstatten. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Schweren Waffenträger Infanterie auf Boxer-Basis, der ebenfalls über einen 30-mm-Kanonenturm, jedoch in bemannter statt unbemannter Ausführung wie bei Puma und Schakal verfügt.
Diese Ausführung dient zukünftig zur direkten Feuerunterstützung mit Maschinenkanone und dem Panzerabwehrlenkflugkörper MELLS in den schweren Kompanien der Jägerbataillone. In dieser Rolle ist er Nachfolger des Waffenträgers Wiesel bei der Infanterie auf Boxer. Der Schakal verfügt aufgrund des unbemannten Turms dagegen über einen größeren hinteren Kampfraum, der wie beim Puma einen Absitztrupp von sechs Mann aufnimmt.
Ein ebenfalls umlaufendes Gerücht, dass der bislang als „Korsak“ laufende Nachfolger des Spähwagens Fennek künftig „Luchs 2“ heißen soll, bestätigt die Tagesordnung des Haushaltsausschusses übrigens nicht: Eine weitere 25-Millionen-Vorlage über bis zu 274 Stück dieses Typs spricht lediglich von der Arbeitsbezeichnung „Spähfahrzeug der Neuen Generation“. Die Referenz an den guten alten Spähpanzer Luchs würde hier angesichts der Rückkehr zum Konzept des vielachsigen schwimmfähigen Fahrzeugs mit Maschinenkanonen-Turm allerdings auch zoologisch Sinn machen.
Stefan Axel Boes




