Die Enforce Tac wächst und gewinnt an strategischer Tiefe. Veranstaltungsleiterin Jasmin Rutka erklärt im Gespräch mit S&T, wie sich die Messe am Markt positioniert.
S&T: Frau Rutka, die Enforce Tac versteht sich inzwischen nicht mehr nur als Fachmesse, sondern als „Zukunftslabor“ für Europas Sicherheit. Was können wir uns darunter vorstellen?
Rutka: Die Enforce Tac ist die zentrale europäische Plattform, auf der wir Innovationen, technologischen Fortschritt und strategische Partnerschaften zusammenbringen. Unser Anspruch ist es, gemeinsam mit Behörden, Beschaffern, Anwendern und politischen Entscheidungsträgern an einer resilienten, modernen Sicherheitsarchitektur zu arbeiten. Unser Zukunftslabor steht für Dialog auf höchstem Niveau und für die Entwicklung neuer Lösungen, die Europas Sicherheit nachhaltig stärken.
S&T: Die Enforce Tac ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und steht jetzt bei einer Fläche von mehr als 60.000 Quadratmetern. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für Ihre Kundinnen und Kunden?
Rutka: Wachstum ist für uns kein Selbstzweck. Es entsteht aus dem Bedarf unserer Aussteller, ihre Innovationen einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Erstmals präsentieren wir in diesem Jahr militärisches Großgerät. Zudem bringen mehr als 30 nationale und internationale Start-ups zusätzliche Innovationsimpulse auf die Messe. Mit der neuen Inno Stage fördern wir diese Innovationskraft gezielt.
S&T: Welche Schwerpunkte prägen in diesem Februar das Programm in Nürnberg?
Rutka: Die Enforce Tac bleibt die Messe für innere und äußere Sicherheit. 2026 steht das Thema vernetzte Sicherheit im Fokus. Gemeinsam mit der it-sa, Europas führender Messe für Cybersecurity, rücken wir das Leitmotiv Software Defined Defence in den Mittelpunkt. Gleichzeitig gewinnen Bereiche wie der Schutz kritischer Infrastrukturen weiter an Relevanz. Unser Rahmenprogramm trägt diesen Entwicklungen Rechnung und bietet vielfältige Formate zur Vertiefung. Das komplette Programm ist online abrufbar – dort sieht man gut, wie breit wir die Themen spielen.
S&T: Nicht nur Ihre Veranstaltung, der Markt insgesamt wächst. Wie grenzt sich die Enforce Tac von der DSEI Germany ab, die sich im Frühjahr 2027 erstmals in Hannover präsentieren wird?
Rutka: Stand jetzt, Frühjahr 2026, ist die Enforce Tac mit rund 1.200 Ausstellern in sieben Hallen die Leitmesse für innere und äußere Sicherheit. Die hochrangige politische Unterstützung, allen voran die Übernahme der Schirmherrschaft durch Bundeskanzler Friedrich Merz, unterstreicht ihre Bedeutung auch im internationalen Markt. Zur DSEI Germany lässt sich derzeit wenig sagen, da bislang nur wenige Informationen vorliegen. Unser Eindruck ist jedoch, dass sie sich als klare globale Rüstungsmesse positioniert. Wir hingegen adressieren innere und äußere Sicherheit integriert – eine Verzahnung, die in Europa strategisch an Bedeutung gewonnen hat. Dafür schaffen wir einen geschützten Rahmen, der einen behördenfokussierten, einsatznahen Austausch ermöglicht.
S&T: Sie halten Ihr Event zulassungsbeschränkt – aus welchen Gründen?
Rutka: Wir beschäftigen uns mit hochsensiblen Sicherheitsthemen. Deshalb halten wir einen geschützten Rahmen weiterhin für erforderlich. Die Zulassungsbeschränkung schützt einerseits die Identität von Einsatzkräften und Behördenvertretern und ermöglicht andererseits offene, vertrauensvolle Gespräche in einem professionellen Umfeld.
S&T: Immer mehr Unternehmen aus der Zivilwirtschaft gehen ins Rüstungsgeschäft. Wie wirkt sich das auf die Enforce Tac aus?
Rutka: Wir spüren diese Entwicklung natürlich aufgrund der Anfragen. Unser Fokus bleibt jedoch klar: Wir verstehen uns als Zukunftslabor für Behörden, Anwender und Beschaffer, die wir mit der Industrie zusammenbringen wollen. Nur in diesem Rahmen öffnen wir unser Programm sehr gezielt. Mit der Enforce Tac Conference haben wir eine neue Plattform geschaffen, die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, die Elektronikbranche als zentralen Zulieferer sowie Forschung in den Dialog bringt.
„Personalgewinnung ist ein zentrales Thema“
S&T: Rüstungsfirmen haben einen außergewöhnlichen Bedarf an Fachkräften. Wie reagieren Sie darauf?
Rutka: Personalgewinnung ist ein zentrales Thema für Behörden wie Industrie. Unsere Formate wie die Enforce Tac Jobzone und die Plattform DefenceCareer unterstützen aktiv dabei, Einblicke in Berufsbilder zu ermöglichen und Talente sowie Fachkräfte zu gewinnen.
S&T: Führungskräfte in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie müssen sich inzwischen in einer hochpolitischen Welt zurechtfinden und viel schneller entscheiden, als sie es mal gewohnt waren. Wie hat sich die Kultur aus Ihrer Sicht gewandelt?
Rutka: Die Industrie steht wie die Politik vor großen Herausforderungen und diese Entwicklungen erfordern ein neues Mindset. Führungskräfte müssen heute deutlich agiler handeln als früher. Trotz des Beschaffungsbeschleunigungsgesetzes wäre es wünschenswert, dass dieser Kulturwandel auch in den zuständigen Behörden stärker verankert wird.

S&T: Die Aufrüstung der Bundeswehr hilft der krisengeschüttelten Industrie. Was hieße ein Frieden in der Ukraine für das lukrative Rüstungsgeschäft in Deutschland?
Rutka: Wir stehen voll und ganz hinter der Ukraine und würden uns Frieden wünschen. Zugleich ist die Ukraine nur ein Beispiel für geopolitische Spannungen. Leider gibt es weitere Konflikte und Krisenherde. Wir müssen langfristig resilienter und verteidigungsfähiger werden – nicht im Sinne von Eskalation, sondern um Frieden und Sicherheit zu gewährleisten.
S&T: Was versprechen Sie sich vor diesem Hintergrund vom neuen Wehrdienst?
Rutka: Der neue Wehrdienst macht das Thema Sicherheit wieder sichtbarer in der Gesellschaft. Wir begrüßen es, wenn kontrovers diskutiert wird und sich Menschen intensiver mit Verteidigungsfragen befassen.
S&T: Einige Firmen zeigen in den Messehallen ihre Solidarität mit der Ukraine oder mit Israel. Wie politisch geht es auf der Enforce Tac zu?
Rutka: Die Enforce Tac ist als Plattform für Sicherheitsdialoge selbstverständlich auch für die Politik relevant. Wir stehen klar zur Meinungsfreiheit – natürlich innerhalb des rechtlichen Rahmens. Solidaritätsbekundungen sind individuelle Entscheidungen der Unternehmen.
„Die Enforce Tac steht für Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Sicherheit“
S&T: Wo endet aus Ihrer Sicht das persönliche Recht zur politischen Meinungsäußerung? Oder anders gefragt: Wann gefährdet Politik das Geschäft?
Rutka: Meinungsfreiheit endet dort, wo die Menschenwürde nach Artikel 1 des Grundgesetzes verletzt wird. Gefährlich wird Politik, wenn sie polarisiert, statt erklärt, wenn sie komplexe Sicherheitsfragen auf Schlagworte reduziert. Unser Anspruch ist das Gegenteil: Kontext schaffen, Expertise verbinden und Dialog ermöglichen.
S&T: Nürnberg präsentiert sich als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Wie fügt sich die Enforce Tac in dieses Image ein?
Rutka: Sehr gut. Die Enforce Tac steht für Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Sicherheit in Europa. Ich zitiere unseren Schirmherren Friedrich Merz: Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen. Dazu gehören aus unserer Sicht herausragende Errungenschaften wie Menschenrechte.
S&T: Auch zur diesjährigen Messe wird es vor den Hallen eine Demonstration gegen das „Megaevent des Waffenhandels“ geben. Was sagen Sie zum organisierten Protest?
Rutka: Unsere Demokratie lebt von Diskussionen. Wer für Rechtsstaatlichkeit eintritt, meint damit selbstverständlich auch Versammlungsfreiheit. Die Sicherheit auf dem Messegelände hat jedoch oberste Priorität.
Das Gespräch führte Florian Pfitzner.
Die Enforce Tac findet vom 23. bis 25. Februar 2026 im Messezentrum Nürnberg statt. Unter dem Leitthema „Vernetzte Sicherheit“ bietet die zulassungsbeschränkte Messe ein geschütztes Umfeld für den Austausch über innovative Lösungen und Verantwortung für Europas Sicherheit. Der Mittler Report Verlag publiziert das offizielle Messe-Magazin zur Enforce Tac.









