StartMobilitätMV-75: U.S. Army will Tiltrotor noch dieses Jahr einführen

MV-75: U.S. Army will Tiltrotor noch dieses Jahr einführen

Die U.S. Army will noch dieses Jahr das Kipprotorflugzeug Bell MV-75 als Nachfolger des Transporthubschraubers Sikorsky UH-60 Black Hawk einführen. Das gab der Stabschef der Army, General Randy George, am Dienstag dieser Woche bekannt. Eigentlich war die erste Lieferung erst für 2030 vorgesehen. Wie General George bei einer Online-Veranstaltung erklärte, sei die Produktion jedoch beschleunigt worden. Zuvor hatte es geheißen, man hoffe durch enge Zusammenarbeit mit den Entwicklern den Prozess um zwei Jahre zu verkürzen.

Der bisherige Zeitplan sah den Erstflug der von Bells V-280 Valor abgeleiteten Serienversion bis Ende 2026 und den Beginn der Einsatzerprobung frühestens 2027 vor. Möglicherweise wird das Modell nun schon mit den sechs geplanten Prototypen offiziell „eingeführt“. Bereits bei der Entwicklung der neuen Version M1E3 des Kampfpanzers Abrams hatte die Army auf Ablieferung eines „Vor-Prototypen“ bis Ende 2025 statt der Entwicklung bis 2032 gedrungen. Dieses noch nicht mit allen geplanten Fähigkeiten ausgestattete Exemplar wurde nun gerade erst auf der Detroit Auto Show vorgestellt.

MV-75 soll zuerst an 101st Airborne Division gehen

Offensichtlich ist das amerikanische Heer also wie in diesem Zusammenhang angekündigt dazu übergegangen, neue Systeme bereits in frühen Entwicklungsstadien offiziell zu übernehmen, um den Prozess durch direktes Feedback aus der Truppe zu beschleunigen. Die MV-75 soll planmäßig zuerst an die die 101st Airborne (Air Assault) Division „Screaming Eagles“ in Fort Campbell, Kentucky geliefert werden. Damit geht sie voraussichtlich als erster Teil des amerikanischen Future Vertical Lift (FVL)-Programms in Dienst, mit dem die gegenwärtige Hubschraubergeneration abgelöst werden soll.

Die Bezeichnung MV-75 folgt dem bereits für die MV-22 Osprey verwendeten Designator für „Multi-Mission, Vertical Take-off and Landing“. Die Nummer 75 ist wie häufig bei jüngeren Projekten außerhalb der bisherigen Reihenfolge und bezieht sich auf das Geburtsjahr 1775 der U.S. Army. So soll auch die Bezeichnung B-21 für den Nachfolger des Stealth-Bombers B-2 ein „Flugzeug für das 21. Jahrhundert“ bewerben, während das künftige Kampfflugzeug F-47 offenbar das Wohlgefallen von Donald Trump als 47. Präsident der USA erwecken soll.

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Ein offizieller Name für den Typ wurde bislang nicht genannt. Traditionell benennt die U.S. Army ihre Hubschrauber nach Indianerstämmen, wie den UH-1 Iroquois, CH-47 Chinook, OH-58 Kiowa und AH-64 Apache. Der Black Hawk bezieht sich auf den englischen Namen für einen Kriegshäuptling der Sauk aus dem frühen 19. Jahrhundert, kam mit seiner Marineversion Sea Hawk aber auch der Neigung von U.S. Navy und Marines entgegen, ihre Drehflügler wie beim CH-53 Stallion (Hengst) und der Osprey (Fischadler) nach Tieren zu benennnen.

Stefan Axel Boes