Jan-Phillipp Weisswange
In kaum einem anderen Bereich des infanteristischen Werkzeugkastens gab es in den letzten Jahren so viel Bewegung wie bei den Waffen für den gezielten Einzelschuss auf höhere Entfernungen.
Grundsätzlich lassen sich dabei drei Kategorien abgrenzen, die sich an der unterschiedlichen Ausbildungshöhe des Anwenders orientieren. Diese umfasst grob drei Stufen: Sturmgewehr-, Zielfernrohr (ZF)- und Scharfschütze. Die zugehörige Bewaffnung hingegen zeigt sich bereits vierstufig und unterteilt sich in die Kategorien Sturm-, ZF-, halbautomatisches Scharfschützen- und Repetier-Scharfschützengewehr. Dabei verschwimmen die Grenzen zunehmend.
Halber Kilometer als Standard
Der Sturmgewehrschütze sollte nach seiner Grundausbildung in der Lage sein, mit seiner optikbewehrten Standard-Handwaffe manngroße Ziele auf den infanteristischen Halbkilometer sicher treffen können. Viele der heute genutzten Sturmgewehre tragen Optiken mit Vergrößerung. Bei jüngeren Projekten wie dem britischen L403A1 sitzt gleich ein kompaktes ZF mit variabler bis zu achtfacher Vergrößerung („Patrouillenglas“) auf der Waffe. Daher gibt es fließende Übergänge zu der nächsthöheren Bewaffnungskategorie, den ZF-Gewehren.
Der Zielfernrohrschütze oder kurz ZF-Schütze firmiert im angelsächsischen Raum als „Designated Marksman“ oder „Sharpshooter“. Er erlernt in relativ kurzer Zeit von ein paar Tagen bis wenigen Wochen sein Handwerk für den gezielten Schuss auf größere Entfernungen. Er agiert auf Ebene seiner Teileinheit – meist Gruppe oder Zug – und bekämpft Ziele außerhalb der Reichweite der Standard-Handwaffen. Der ZF-Schütze kam insbesondere im Global War on Terror in Afghanistan Ende der 2000er Jahre wieder zu neuen Ehren – und mit ihm die schweren Sturmgewehre und ZF-Gewehre, je nach Nation auch (Squad) Designated Marksman Rifle (DMR, SDMR), Sharpshooter-Rifle oder Enhanced Battle Rifle (EBR) genannt.
Idealerweise entstammen diese Gewehre der Standard-Handwaffenfamilie. Das erleichtert Ausbildung, Bedienung und Ersatzteilversorgung. Weiterhin erschwert es dem Gegner, den sich mit seiner Gruppe bewegenden Zielfernrohrschützen sofort zu erkennen. ZF-Gewehre weisen meist ein stärkeres Kaliber – derzeit in der westlichen Hemisphäre meist 7,62 mm x 51 – auf und nutzen eine relativ gering, zwischen vier- und achtfach vergrößernde Optik. Dies ermöglicht eine Präzision von ein bis zwei Winkelminuten (MoA/Minute of Angle = 29,08 Millimeter auf 100 Meter). Damit zeigt sich der ZF-Schütze in der Lage, auf bis zu 600 Meter treffgenau wirken und auf bis zu 800 Meter niederhalten zu können.
Der Scharfschütze – englisch „Sniper“ – wiederum verfügt über die umfangreichste Ausbildung. Er agiert meist auf Ebene seiner Einheit oder seines Verbandes und erfüllt auch Aufklärungs- oder Feuerleitungsaufträge. Er bekämpft feindliche Hochwertziele und kann auf Entfernungen von 1.500 Metern und mehr wirken. Eine Scharfschützenwaffe weist mindestens eine Präzision von einer Winkelminute auf. Der Scharfschütze operiert zudem meist im Trupp. Ihm steht ein ebenfalls als Scharfschütze ausgebildeter Spotter zur Seite.
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