StartS&T+Verstärkte individuelle Feuerkraft: Trends bei Handwaffen

Verstärkte individuelle Feuerkraft: Trends bei Handwaffen

Jan-Phillipp Weisswange

Sturmgewehr, Pistole und das (Universal-)Maschinengewehr bilden die zentralen Elemente für die querschnittliche individuelle Feuerkraft. In allen Feldern gibt es gegenwärtig erhebliche Entwicklungen.

Am 4. Dezember 2025 erhielten die Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 die ersten 300 Exemplare des neuen Bundeswehr-Sturmgewehrs G95A1 und G95KA1. Damit tritt das Projekt „System Sturmgewehr Bundeswehr“ in die Nutzungsphase ein. Das auch in der Öffentlichkeit viel beachtete Projekt begann mit der entsprechenden Ausschreibung im April 2017. Die Auswahlentscheidung verzögerte sich durch vergaberechtliche Verfahren. Letztlich setzte sich das HK416 in der Ausbaustufe A8 durch.

Ende 2022 gab der Haushaltsausschuss des Bundestages die Mittel frei. Am 23. Januar 2023 schloss das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Heckler & Koch den Rahmenvertrag über 118.718 Sturmgewehre. Weitere Komponenten des Systems, vor allem die Optik (Elcan Specter 1-4, dem Vernehmen nach für die bessere Nachtkampffähigkeit um ein Aimpoint Acro P2 ergänzt) und Laser-Licht-Modul (Rheinmetall LLM Vario-Ray) kommen über separate Verträge.

WhatsApp MRV ST Desktop 500 x 300yH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==

Es folgte dann zunächst die integrierte Nachweisführung – darunter Erprobungen in unterschiedlichen Klimazonen. Ende 2024 stand der finale Konstruktionsstand für die Waffe fest. So gab es Änderungen bei der Farbgebung (RAL8000 olivbraun statt sandfarben), am Griff, an der Schulterstütze und am Handschutz. Grundsätzlich sollen zwei Varianten des HK416A8 in die Truppe kommen: Das G95A1 (Version Langrohr mit 16.5“-Rohr) und das G95KA1 („Kurzrohr“ mit 14.5“-Rohr). Da die Bundeswehr aufwachsen soll, wurde der ursprüngliche Rahmenvertrag auf bis zu 250.000 Stück ausgeweitet.

Sturmgewehr-Projekte international

Die Bundeswehr steht mit ihrer Sturmgewehrbeschaffung nicht allein da. Ungeachtet aller Zeitenwenden entfaltet der Soldat auf den Gefechtsfeldern von heute und morgen seine individuelle Feuerkraft in erster Linie mit dem Sturmgewehr. Er lernt die querschnittliche Hauptwaffe mit Beginn seiner Grundausbildung drillmäßig zu bedienen, zu warten und einzusetzen. Die Kampfentfernung des Sturmgewehrs liegt abhängig von Rohrlänge und Kaliber idealerweise bei bis zu 500 Metern – dem infanteristischen Halbkilometer (Thomas P. Ehrhart). Sicher aber lässt sich auf bis zu 300 Meter wirken. Auf diese Distanz lässt sich in Deutschland auf den meisten gängigen Standortschießanlagen trainieren, was im Rahmen einer ganzheitlichen Schießausbildung regelmäßig geschehen sollte.

Das Sturmgewehr 77 A1 MOD Nightfighter weist eine spezielle Oberflächenbeschichtung auf, um die Waffe besser gegen gegnerische Nachtsichtgeräte zu tarnen.
Das Sturmgewehr 77 A1 MOD Nightfighter weist eine spezielle Oberflächenbeschichtung auf, um die Waffe besser gegen gegnerische Nachtsichtgeräte zu tarnen. (Foto: Bundesheer)

Etliche Streitkräfte modernisierten kürzlich beziehungsweise modernisieren derzeit ihre Sturmgewehrarsenale. Einige Armeen aptieren vorhandene Bestände gemäß der Systemphilosophie – wie etwa die Streitkräfte Österreichs oder Finnlands. Die Finnen aptierten ab 2015 ihr AK-Derivat RK62 zu den Varianten M2 und M3. Das Bundesheer hat sein Sturmgewehr 77 alias Steyr Arms AUG mehrfach modernisiert.